Aufkleber für Frieden statt Provokation

Lippstadt..  Nein, mit der allgemeinen Solidaritat mit Charlie Hebdo kann Dirk Harlinghausen aus Lippstadt nichts anfangen. „Schließlich war bekannt, dass Provokationen gegen den Islam nur Gewalt auslösen.“ Zwar könne es nicht sein, dass einige Fundamentalisten wegen solcher Karikaturen Menschen töten, doch sei es ihm schon einige Tage nach dem Anschlag sauer aufgestoßen, dass sich zwar alle Menschen durch das Statement „Je suis Charlie“ mit den getöteten Mitarbeitern der Zeitschrift solidarisieren, viele die nächste Zeitung gekauft haben, aber niemand an die Opfer denke, die im Supermarkt starben.

„Zeitschrift nur auf Gewinn aus“

„Das ist doch krass, dass Charlie Hebdo so viel Geld mit dem Magazin verdient, aber niemand von den anderen Opfern spricht. Mit dem Kauf der Zeitschrift wurde noch die Firma unterstützt, die die Provokationen verursacht hat, man sollte sein Geld besser anlegen für die Opfer.“

Als hauptberuflicher Rettungsassistent und Opferbetreuer, der lange in der Notfallseelsorge tätig war, psycho-soziale Unterstützung für Einsatzkräfte biete, wisse er, wie traumatisierend solche Gewalt nicht nur für die überlebenden Opfer, sondern auch die Angehörigen sei. Diese Opfer will Dirk Harlinghausen mit einer Aufkleber-Aktion unterstützen, mit der er sich gleichzeitig von „Je suis Charlie“ distanziert.

„Ich wollte ein Zeichen setzen: Es geht auch anders“, so der Lippstädter. „Man kann schließlich auch Karikaturen machen, die nicht politisch sind und nicht die religiösen Gefühle verletzen“, begründet Harlinghausen. „Wenn man weiß, dass der Islam so ein heißes Thema ist, muss man nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer kippen. Man muss jede Kultur und Religion respektieren.“ Viel besser sei es da doch, durch positive Botschaften, Freude zu bereiten.

Als eine solche neutrale Karikatur hätte er gerne auf seinem Aufkleber, der den Text „Je ne suis pas Charlie, je suis ...“ und ein dickes rotes, gezeichnetes Herz zeigt, ein Bild von Snoopy gehabt. „Der hat mir als Kind, wie vielen anderen, viel Freude bereitet.“ Wegen des Urheberrechts schickte Harlinghausen einen Brief in die USA, bekam allerdings keine Antwort. Gerne hätte er auch einen Ottifanten auf dem Aufkleber verewigt, aber auch von Otto Waalkes habe er keinen Bescheid bekommen.

Herz selbst gezeichnet

So kam er auf das Herz als Symbol. „Mit Herzlichkeit kann man so viel erreichen, viel mehr als mit Provokationen und ständigen Demonstrationen. Das bringt doch nichts.“ Nicht selbst Geld verdienen, sondern helfen will Harlinghausen mit seinem Aufkleber, den er zu einem Stückpreis von einem Euro zum Kauf anbieten will. Alles, was über die Produktionskosten hinaus geht, wird für die Unterstützung von Opfern von Gewalttaten gespendet. Zunächst hat er 100 Stück geordert, weitere Aufkleber sollen peu a peu gedruckt werden.

„Ich werde beispielsweise an Tankstellen fragen, ob sie die Aktion unterstützen und den Aufkleber verkaufen“, erklärt Harlinghausen. „Auf jeden Fall wird nachgehalten, dass das Geld an die richtige Stelle kommt.“