Auf Spurensuche auf der „blutigen Höhe“

50 Jahre Städtepartnerschaft Warstein - St. Pol
50 Jahre Städtepartnerschaft Warstein - St. Pol
Foto: Armin Obalski
Was wir bereits wissen
Ein intensives Erlebnis war der Besuch des Soldatenfriedhofes auf der Loretto-Höhe und des Mahnmales Ring der Erinnerung, auf der die Namen von 580 000 im 1. Weltkrieg im Umland gefalnnen Soldaten verzeichnet sind.

Lorette..  Es war ein Tag der Erinnerung und der Versöhnung. Ein feierlicher Tag, der darüber nachdenken ließ, aus welchem Grund die Städtepartnerschaft zwischen St. Pol und Warstein begründet wurde. Was am Morgen mit der traditionellen Kranzniederlegung am Ehrenmal begonnen hatte, bei der die deutschen Freunde besonders berührte, dass die deutsche Nationalhymne von den St. Poler Grundschülern in Deutsch gesungen wurde, setzte sich am Nachmittag mit dem Besuch des Ringes der Erinnerung in Lorette fort.

Im November 2014 wurde dieses Mahnmal, auf dem die Namen von über 580 000 Soldaten verschiedener Nationen, die im 1. Weltkrieg in der Region umgekommen sind, verzeichnet sind, eingeweiht. Ungeachtet dessen, ob sie in der Vergangenheit Freunde oder Feinde waren, sind sie auf den großen Gedenkplatten aus Messing im Tode vereint, denn ohne Rücksicht auf ihre Nationalität sind sie dort in alphabetischer Reihenfolge festgehalten. Allein 174 000 der Menschen, die dort verzeichnet sind, stammen aus Deutschland.

„Wir haben vor drei Jahren schon einmal versucht herauszufinden, ob in dieser Gegend Männer aus Warstein gefallen sind, allerdings ohne Erfolg“, erkläre Jürgen Kösters. Mit wenig Hoffnung war er daher zum Ring der Erinnerung gefahren - und wurde positiv überrascht. „Ich hatte nicht gedacht, überhaupt jemanden hier zu finden, meine Erwartungen sind noch übertroffen worden.“

Suche nach Warsteiner Namen

Aus seiner Verwandtschaft hatte Kösters mit Wilhelm Pielsticker und Josef Kösters zwei Namen entdeckt. So wie er suchten auch andere Warsteiner nach Namen aus der eigenen Familie oder von bekannten Warsteiner Familien. „Es gibt beispielsweise einen Wilhelm Nusspickel, das ist auch Warsteiner Name“, erzählte Georg Hoffmann. Auch den Namen Alz habe er entdeckt. Erschüttert war auch Hermann Kroll-Schlüter. „Hier gibt es ganz viele Biermänner, ein alter Belecker Name.“

Bei Bürgermeister Manfred Gödde hatte sich auch Marianne Hense, geb. Hesse, gemeldet, damit dieser nach dem Namen ihres Onkels suchen sollte. Schon vor drei Jahren, als man an der Somme Erde entnommen hatte, hatte sie darum gebeten, nach dem Grab ihres Onkels zu suchen. „Aber man konnte das nicht so schnell feststellen, teilweise ist das ja gar nicht erfasst“, so Jürgen Kösters. Der Ring der Erinnerung bot auch hier neue Hoffnung.

Außerdem brachte Gödde ihr etwas Erde von der Loretto-Höhe mit. „Das ist ja alles blutiger Boden hier“, war der Bürgermeister, so wie auch die übrigen Besucher aus Warstein, sichtlich erschüttert.

Schließlich gab es bei den Schlachten um die Loretto-Höhe auf jedem Quadratmeter Boden einen Toten, wie Fremdenführerin Clodette schilderte. „Man sagt auch blutige Höhe.“

An die Gräuel, die hier passierten, erinnert nicht nur das neue Mahnmal, sondern auch ein großer Soldatenfriedhof, auf dem es 20 000 französische Gräber gibt. 22 000 nicht identifizierte französische Soldaten sind in mehreren Beinhäusern bestattet.

Mahnung an spätere Generationen

Eines davon befindet sich unter dem Laternenturm, der zusammen mit der Basilika Notre Dame de Lorette das ursprüngliche Mahnmal aus den 1920er Jahren bildet. „Das ist schon erschütternd: Diese Gräberfelder, diese vielen Kreuze“, konnte so mancher über den Kriegswahnsinn vergangener Zeit nur den Kopf schütteln. Um so wichtiger, sich diesen als Mahnung immer wieder vor Augen zu führen. Schließlich wurde auch der Ring erbaut, „um an die furchtbare Tragödie zu erinnern, die eine Generation junger Männer dahin gerafft hat“, wie es auf einer Gedenktafel heißt.