Auf den Spuren des Religionsführers

Warstein..  „Der Dalai Lama - und danach?“ ist ein Vortag überschrieben, den der gebürtige Suttroper Klemens Ludwig am Donnerstag, 16. April, um 19.30 Uhr in der Liobaschule hält.

Am 6. Juli feiert der Dalai Lama seinen 80. Geburtstag. Weltweit gilt er als eine der großen moralischen Autoritäten unserer Zeit, als die Verkörperung von Weisheit und Friedfertigkeit schlechthin. Tausende, manchmal Zehntausende, strömen zusammen, um seine Botschaft von Toleranz, Mitgefühl und Frieden zu hören; seine Bücher garantieren Bestseller-Auflagen, seine Fernsehauftritte Spitzen-Einschaltquoten. Sein entwaffnendes Lächeln und sein herzlichen Lachen wirken ansteckend. Was macht diesen Mann aus? Wer ist der Mensch hinter seiner Rolle? Dies beleuchtet Ludwig, der den Dalai Lama persönlich kennt.

Doch es gibt nicht nur diese Seite. Aus der Frage nach seiner Nachfolge ist inzwischen eine ernste Kontroverse zwischen China und Tibet geworden. „Nach der Geburtenkontrolle praktiziert China nun die Wiedergeburtenkontrolle“, spotteten Beobachter, als die Kommunistische Partei sich vor einigen Jahren anschickte, auf die Reinkarnation hoher Geistlicher Einfluss zu nehmen. Sie hatte nämlich beschlossen, dass diese nur in Tibet aufgefunden werden dürfen. Inzwischen steht der Dalai Lama selbst im Mittelpunkt dieser Kontroverse. Schon vor Jahren hatte das tibetische Oberhaupt erklärt, unter den gegebenen politischen Umständen komme eine Inkarnation unter chinesischer Herrschaft für ihn nicht in Frage. Inzwischen erwägt er ernsthaft, auf weitere Inkarnationen zu verzichten, um Kontroversen mit der VR China aus dem Wege zu gehen.

Das jedoch will Peking nicht akzeptieren – offenbar um eine Legitimation für einen eigenen Kandidaten in der Hand zu haben. Zhu Weiqun, der Vorsitzende des Komitees für ethische und religiöse Angelegenheiten, erklärte, es sei „Verrat an der Religion und dem Land“, wenn er nicht wiedergeboren würde.

Hoffnung auf Leben in Freiheit

Für die sechs Millionen Tibeter verkörpert der Dalai Lama noch immer die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Für sie wäre es ein schwerer Schlag, wenn es keinen Dalai Lama mehr gäbe. Werden sich vor allem die jungen Tibeter radikalisieren angesichts der politischen Perspektivlosigkeit unter der chinesischen Herrschaft? Und wer füllt das geistlich-religiöse Vakuum?

Klemens Ludwig bringt den Dalai Lama nahe und stellt dar, wie er selbst seine Rolle sieht, was ihn veranlasst, eventuell auf eine Wiedergeburt zu verzichten und was das für Tibet und China bedeuten kann. Der Referent hatte seine erste „Vier-Augen-Begegnung“ mit dem Dalai Lama 1988. Seitdem hat er ihn immer wieder zu Exklusiv-Interviews und Audienzen getroffen – in seiner nordindischen Exil-Heimat wie auf seinen Reisen.