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Rehabilitierung

Auch „Düsselhexen“ greifen Antrag auf

05.04.2011 | 16:54 Uhr
Auch „Düsselhexen“ greifen Antrag auf
Beliebte Folklore: Die Stiftshexen aus Geseke beim Rosenmontagszug in Rüthen

Rüthen.Die offizielle Rehabilitierung von Opfern der Hexen-Verfolgung in Rüthen zieht weite Kreise. Inspiriert vom Vorbild aus Rüthen ist jetzt auch im Rathaus in Wernigerode im Harz ein solcher Antrag eingegangen.

„Das hat richtig Wellen geschlagen“, sagt Rüthens Bürgermeister Peter Weiken: Aus ganz Deutschland kämen Glückwünsche, gestern noch aus Neuss, dass die Bergstadt den richtigen Schritt gemacht haben – „es gab nur positive Reaktionen“. Das Medienecho ist bereits gewaltig, Journalisten von der FAZ und von Sat-1 wollen auch noch nach Rüthen kommen.

Wie berichtet, hatte der Rüthener Stadtrat letzte Woche die Ehre der 169 Opfer der Hexenverfolgungen nach 400 Jahren wieder hergestellt. Heimatfreunde und Schüler des Rüthener Friedrich-Spee-Gymnasiums hatten sich dafür im Vorfeld eingesetzt. Weiken ist besonders vom Engagement der Schüler beeindruckt, die das Thema in die Gegenwart übertragen hätten: Diffamierungen und Ausgrenzungen, sagt der Bürgermeister, gebe es auch heute wieder – und erinnert daran, dass Schüler heute sogar im Internet an den Pranger gestellt würden.

Schulleiter Dr. Hans-Günther Bracht zollt seinen Schülern und der Lehrerin Marion Wollschläger „allergrößte Anerkennung“. Es sei nicht immer einfach, 14-Jährige für Geschichtsunterricht zu begeistern – dass aber sei hier bestens gelungen.

Es gibt nur positive Rückmeldungen. Auch von den „Düsselhexen“ aus dem Rheinland. Seit den 90er Jahren feiern sie auf dem Brocken mit, seit 2000 stürmen sie das Rathaus in Wernigerode und treiben ihr Unwesen. Auf dem Brocken treffen sich jedes Jahr am 30. April tausende „Hexen“ verkleidet, um die Walpurgisnacht zu feiern: In der Nacht zum 1. Mai fliegen die Hexen dem Märchen nach durch Wernigerode zum Blocksberg, um sich dort mit dem Teufel zu vermählen.

Wernigerode soll folgen

Allerdings sehen die „Düsselhexen“ eben auch den traurigen geschichtlichen Hintergrund: Auch im Harz sind Menschen verbrannt worden. Nachdem die „Düsselhexen“ von der Rehabilitierung in Rüthen erfuhren, haben sie jetzt einen ähnlichen Antrag für den Stadtrat ihrer Wahl-Heimat verfasst: „Wir beantragen hiermit offiziell, dass die in Wernigerode und der Region abgeurteilten, verfolgten und ermordeten Hexen sowie deren Familien rehabilitiert bzw. unschuldig gesprochen werden“, so Andreas Vogt aus Düsseldorf. Auf der Rückfahrt vom Harz übrigens werden die „Düsselhexen“ am 3. Mai einen Zwischenstopp in Rüthen einlegen und sich die Stadt zeigen lassen – samt Hexenturm.

Jürgen Kortmann

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