Asylrecht-Vortrag soll Schüler für Debatten wappnen

Gymnasium Warstein: Andreas Kerstin, Leiter der Ausländerbehörde beim Kreis Soest (Sachgebiet Migration und Aufenthalt), referiert vor Schülern des Gymnasiums über das Asylrecht.
Gymnasium Warstein: Andreas Kerstin, Leiter der Ausländerbehörde beim Kreis Soest (Sachgebiet Migration und Aufenthalt), referiert vor Schülern des Gymnasiums über das Asylrecht.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Leiter des Ausländeramtes beim Kreis Soest berichtete Schülern des Gymnasiums Warsteins von seiner Arbeit und der Spannung zwischen Willkommenskultur und Abschiebung.

Warstein..  Eine „Willkommenskultur“ will Andreas Kerstin, Leiter des Ausländeramts beim Kreis Soest, seiner Behörde verpassen. Daher sind bereits der Name in „Sachgebiet Migration und Aufenthalt“ geändert und die Räume freundlicher gestaltet worden. „Trotzdem haben wir aus früheren Zeiten noch ein Imageproblem“, sagte Kerstin gestern bei einem Vortrag im Gymnasium Warstein, „und ganz lässt sich das auch nicht vermeiden, denn wir bleiben eine Ordnungsbehörde und damit etwa für Abschiebungen zuständig.“

Kerstin und seine 17 Mitarbeiter stehen dabei im Mittelpunkt von Debatten, die längst auch im Unterricht angekommen sind. „Damit sich unsere Schüler vorurteilsfrei daran beteiligen können, brauchen sie den theoretischen Hintergrund“, betonte Lehrerin Marlies Kühle.

Genau den konnte Andreas Kerstin liefern. Er informierte über die verschiedenen Aufenthaltsgenehmigungen, die Flüchtlinge erhalten können und erklärte die Aufgaben seiner Behörde. Ein Film veranschaulichte zudem den Ablauf eines Asylverfahrens.

1000 Flüchtlinge im Kreisgebiet

798 Ausländer, vor allem aus Südosteuropa, Syrien, dem Irak und Eritrea, stecken derzeit im Kreis Soest in diesem Verfahren. Hinzu kommen 184 Flüchtlinge, die noch darauf warten, den Asylantrag überhaupt stellen zu können. „Manche von ihnen sind bereits im Oktober aus den Erstaufnahmeeinrichtungen auf die Städte verteilt worden“, berichtete Andreas Kerstin von der Überforderung des zuständigen Bundesamtes. Denn die Zahl der Asylbewerber ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – im Kreis Soest von 336 im Jahr 2013 auf 601 im vergangenen Jahr. „Und 2015 haben wir allein bis April 395 neue Anträge“, machte Kerstin deutlich.

Neben diesen Zahlen beeindruckten vor allem die Einblicke in den Alltag der Ausländerbehörde. Andreas Kerstin erzählte davon, in den Akten von Flüchtlingen Todesurteile entdeckt zu haben. „Auch wenn das Einzelfälle sind“, sagte er. Normalerweise sei die erlittene Verfolgung schwieriger zu belegen. „Da kommt es ganz auf die Glaubwürdigkeit an.“

Insbesondere für die Fluchtgründe wollte Lehrerin Marlies Kühle sensibilisieren: „Niemand verlässt seine Heimat freiwillig.“

Die Siebtklässlerinnen Klara Schmitt und Johanna Stracke haben zum selben Thema eine Präsentation erstellt, die im Warsteiner Rathaus ausgelegt werden soll, um dort alle interessierten Bürger zu erreichen.