Arbeiten, wo andere nur Urlaub machen

Lernen unter dem Motto „Work & Travel“ einen Teil der Welt kennen: Nicole Köster (links) und Linda Neitemeier bereisen sechs Monate Dubai, Thailand, Neuseeland, Australien und Singapur.
Lernen unter dem Motto „Work & Travel“ einen Teil der Welt kennen: Nicole Köster (links) und Linda Neitemeier bereisen sechs Monate Dubai, Thailand, Neuseeland, Australien und Singapur.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nicole Köster aus Altenrüthen erkundet mit ihrer Freundin sechs Monate lang Australien und Teile Asiens. Ihr Motto lautet arbeiten und reisen.

Altenrüthen.. „Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld“ – das mag tauglich für Schlagertexte sein, für Nicole Köster und Linda Neitemeier ist es keine realistische Perspektive. Dennoch machen sich die 23-jährige Altenrüthenerin und ihre 22-jährige Freundin aus Bad Waldliesborn auf, einen Teil der Welt zu erkunden. Knapp sechs Monate sind sie unterwegs in Asien und Australien, legen fast 40 000 Flugkilometer zurück. „Work & Travel“, also arbeiten und reisen lautet ihr Ansatz. Morgen geht es los.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Diese Frage haben sich die jungen Frauen gestellt und sind an die Umsetzung ihrer Pläne gegangen. Nicole Kösters Studium der Wirtschaftswissenschaften neigt sich dem Ende zu. „Nur der Bachelor fehlt noch“, berichtet sie. Linda Neitemeier hat ihre Ausbildung zur Versicherungsfachangestellten beendet, will ein Studium anschließen. „Jetzt ist die Zeit für einen solchen Trip“, bekräftigen die Singles.

Gesucht und gefunden: Schon länger mit dem Gedanken gespielt habe sie, die Welt zu entdecken, berichtet Nicole Köster. Ihrer Freundin ging es nicht anders. Außerdem wissen beide, dass, gleich welchen beruflichen Weg sie konkret einschlagen werden, gute Englischkenntnisse nahezu überall gefordert sind. „Da ist es doch besser die Sprachkenntnisse in der Praxis aufzufrischen als in einem Kursus“, findet Nicole Köster.

Auf einer Farm helfen

Von Düsseldorf aus geht es am Samstagabend los. Stationen der Reise um die Welt mit unterschiedlicher Verweildauer sind Dubai, Thailand, Neuseeland, Australien und Singapur. Das hört sich schon sehr nach Urlaub an – ist es aber nicht nur. „Die Mischung macht’s“ betont die Altenrüthenerin. Denn auf dem fünften Kontinent, wo das Duo mit vier Monaten den Löwenanteil der Zeit verbringt, kommt zum Reisen das Arbeiten hinzu. Von Melbourne aus wollen die Beiden die Ostküste erkunden und dabei „damit das Budget passt“ beispielsweise kellnern oder – und das am liebesten – auf Farmen aushelfen. Planen sie an den anderen Stationen vorwiegend in Hostels zu übernachten, bevorzugen sie in Australien eine andere Form der Unterkunft. Sie nennt sich Couch-Surfing. Dabei bieten Menschen kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten an. „Das ist die beste Möglichkeit die Menschen kennenzulernen“, ist Linda Neitemeier schon voller Erwartungen.

Generalstabsmäßig haben sie und Nicole Köster an der Umsetzung ihrer Pläne gearbeitet und nahezu alles selbst zusammengestellt. Unterstützend half ihnen ein Mitarbeiter eines Reisebüros, der Australienexperte ist. Seinem Rat ist zu verdanken, dass besagte Zwischenstopps an interessanten Punkten der Erde eingelegt werden. Mit seiner Hilfe haben sie vorab sämtliche Flüge gebucht. Auf eigene Faust aber haben sie die Visas besorgt und für die jeweils ersten Nächte Hostels gebucht. „So hat man einen ersten Anlaufpunkt“, nennt Nicole Köster den Vorteil.

Kreditkarten sind gecheckt, internationale Führerscheine liegen vor, Notfall-Listen mit allen wichtigen Kontaktdaten geschrieben. Was aber gehört ins Gepäck? „Nur das Nötigste und eigentlich nicht mehr als für zwei Wochen Urlaub.“ Mehr lässt das maximal für die Flüge zulässige Transportgewicht von je 20 Kilo auch nicht zu. Jede hat einen großen Rucksack in dem sich auch praktische Kleinigkeiten wie Nähset oder Taschenlampe finden. „Packlisten im Internet waren da eine große Hilfe“, freut sich Linda Neitemeier.

Kontakt per Facebook und Skype

Sind die Beiden aufgeregt, wo jetzt der Tag der Abreise vor der Tür steht? Nicole Köster spricht für beide, die sich blind verstehen, was sie zur idealen Reisegemeinschaft macht: „Man hat schon eine grundlegende Nervosität, aber die Vorfreude auf das, was man sieht und erlebt überwiegt.“ Während Freundinnen und Freunde die Reise, die Nicole Köster und Linda Neitemeier durchaus als ein Stück Abenteuer sehen, ganz locker bleiben („Habt Spaß; passt auf euch auf“), sind die Eltern schon eher besorgt. („Was ist den wenn ...?“). Doch da die beiden extra ein Profil bei Facebook erstellt haben, auf dem sie täglich über das Neueste informieren wollen, zudem mit Mama und Papa via Skype Blickkontakt halten, können eigentlich alle beruhigt sein.

Also: Gute Reise und glückliche Wiederkehr am 24. Juni!