An Investitionsstau führt kein Weg vorbei

Baustelle Adolph-Kolping-Straße.
Baustelle Adolph-Kolping-Straße.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Über nichts ärgern sich Autofahrer mehr als über den schlechten Zustand so mancher Straße. In Warstein fehlen Millionen, um sie zu erneuern.

Warstein..  Auch viele Verkehrswege im Warsteiner Stadtgebiet sind sanierungsbedürftig. Kleinere Schlaglöcher werden meist notdürftig vom Betriebshof geflickt, größere Schäden werden dagegen über Johannes Hellermann vom Sachgebiet Straßen behoben.

Die WESTFALENPOST beantwortet die wichtigsten Fragen zum Zustand der Straßen in Warstein und den Ortsteilen.

Welche Defizite weist das kommunale Straßennetz in Warstein auf?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, denn das Verkehrsnetz ist wie die Siedlungsfläche über Jahrhunderte gewachsen – und in jeder Epoche wurden die Wege auf andere Weise angelegt.

„Als die Straßen in den Altstädten von Warstein und Belecke gebaut wurden, gab es kein Regelwerk dafür“, erklärt Johannes Hellermann an einem Beispiel, „wichtig war nur, dass die Straße stabil ist.“ Das Problem: Heutzutage sind die Lasten viel größere. Statt Pferdefuhrwerke müssen tonnenschwere Autos und etwa zur Müllabfuhr sogar Lastwagen getragen werden. „Darauf sind diese Straßen nicht ausgelegt.“

Viele Neubaugebiete sind hingegen erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, als schon ein Regelwerk festgelegt worden war. Doch auch die damalige Bauweise wies Mängel auf. „Der Fokus lag eher darauf, schnell Wohnraum zu schaffen, und weniger auf dem Straßenbau“, sagt Hellermann. Erst Neubaugebiete aus den 80er und 90er Jahren weisen eine gute Straßensubstanz auf.

Eine Erfassung ergab im Jahr 2007, dass 70 bis 80 Prozent des 190 Kilometer langen kommunalen Straßennetzes (ohne Kreis-, Land- und Bundesstraßen) mindestens 40 Jahre alt und damit sanierungsbedürftig ist.

Welche Verfahren gibt es, um den Zustand der Straßen zu erhalten?

Das Spektrum reicht von betrieblicher Unterhaltung, etwa der Straßenreinigung und dem Winterdienst, bis zur kompletten Erneuerung. „Wir müssen immer schauen: Was ist die wirtschaftlichste Variante“, sagt Johannes Hellermann. Die bauliche Unterhaltung, kleinere Flickarbeiten, übernimmt der Betriebshof. Die Instandsetzung geht über Arbeiten an der Deckschicht nicht hinaus. Am aufwendigsten ist eine Erneuerung, die auch die Tragschichten mit einbezieht. „Wenn man Straßen frühzeitig unterhält, verlängert sich die Lebensdauer“, weiß Hellermann aus Erfahrung.

Wie lässt sich ein Investitionsstau vermeiden?

In einem Antrag an den Rat hat die Siedlergemeinschaft Unteres Möhnetal gefordert, bei Straßenerneuerungen grundsätzlich ein günstigeres Verfahren anzuwenden. Dabei sollte nur die Deckschicht abgetragen und erneuert werden. Das würde Kosten senken und damit die Erneuerung zusätzlicher Wege ermöglichen, so die Rechnung. Außerdem würden die Kosten dann auf alle Steuerzahler umgelegt und Anlieger nicht mehr belastet. „Bei diesem Verfahren würden Straßen längst nicht mehr 40 Jahre halten“, befürchtet Johannes Hellermann allerdings, „das wäre Pfusch.“ Denn der Untergrund werde eben nicht allein dadurch verdichtet, dass über Jahrzehnte Autos über die Straße fahren. Er plädiert für eine Einzelfallentscheidung: „Das Verfahren muss immer abgestimmt sein auf die Substanz.“

Damit bleibt nur eine Möglichkeit, um den Investitionsstau abzubauen: mehr Geld. „Im Idealfall würde ich den jährlichen Abschreibungswert auf unsere Straßen komplett reinvestieren“, sagt Hellermann, „aber ich muss mich eben auch an haushaltsrechtlichen Fragen orientieren.“ Um rund 1,5 Millionen Euro nimmt der Wert der Straßen Jahr für Jahr ab, investiert wird nur etwa die Hälfte dieser Summe. „Andere Dinge gehen im Haushalt eben vor.“

Welche Straßen wurden oder werden in diesem Jahr erneuert?

Bereits abgeschlossen ist die Sanierung der Fritz-Joseph-Straße in Sichtigvor. Grundlegend erneuert wird derzeit die Adolph-Kolping-Straße in Belecke. „Da sind mit den Stadtwerken und Westnetz alle Versorger mit im Boot“, erklärt Johannes Hellermann.

Später ist dann die Erneuerung des Dahlborn an der Reihe, bislang noch eine Baustraße aus dem Jahr 1987. Auch hier werden die Stadtwerke zeitgleich einen neuen Kanal einziehen. Die Ertüchtigung der Baustraßen aus den 80er Jahren wird damit weitgehend abgeschlossen. Weitergehen wird es danach mit den Baustraßen aus den 90er Jahren. Der Bau solider Verkehrswege im damaligen Neubaugebiet Am Tiergarten ist für 2018 vorgesehen. Fertig ist das Straßennetz nie. „Das ist eine Lebensaufgabe“, sagt Johannes Hellermann, „das ist nun einmal so.“