An der Lönsstraße kehrt ein Stück Alltag zurück

Von Eltern organisierte Betreuung im Kindergarten Lönsstraße in Suttrop.
Von Eltern organisierte Betreuung im Kindergarten Lönsstraße in Suttrop.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In der vierten Woche des Kita-Streiks übernehmen die Eltern das Kommano: In der städtischen Kindertagesstätte in Suttrop betreuen sie 15 Kinder auf eigene Faust.

Suttrop..  Wie sie es finden, dass sie wieder in den Kindergarten gehen können? „Gut“, rufen die Vier- bis Sechsjährigen im Kinderhaus „Die kleinen Strolche“ – und ziehen das U dabei so lang wie nur möglich.

Nur ein Junge schert aus. „Öde“, ruft er dazwischen – und schaut mit einem breiten Grinsen seine Mutter an. Ironie funktioniert offensichtlich schon im Kindergarten.

Nach mehr als drei Wochen des Kita-Streiks ist an der Lönsstraße fast wieder so etwas wie Alltag eingekehrt – nur dass die Kinder nicht von Erzieherinnen betreut werden, sondern von Eltern. „Es haben sich sofort vier Mütter bereit erklärt“, freut sich Verena Schneider, deren Tochter selber zu den „Kleinen Strolchen“ gehört und die das Angebot als ausgebildete Diplom-Sozialpädagogin koordiniert. „Es hätten sich sogar noch mehr gefunden.“

Damit die Stadt Eltern die städtischen Kindertageseinrichtungen für selbst organisierte Betreuungsangebote zur Verfügung stellt, müssen einige Vorgaben erfüllt sein. Das Wichtigste: Eine Erzieherin muss dabei sein. „Wünschenswert ist die Betreuung durch eine städtische Beschäftigte“, heißt es in einem Info-Blatt des Jugendamtes, „falls es sich nicht um eine städtische Beschäftigte handelt, muss die berufliche Qualifikation nachgewiesen werden.“ So erhielt auch Verena Schneider die Genehmigung – und die Schlüssel für die Einrichtung an der Löns­straße.

Gemeinsames Frühstück

„Ich schließe um 7.45 Uhr auf und um 13 Uhr wieder ab“, beschreibt sie den Ablauf. In der Zwischenzeit beschäftigen sich die Kinder die meiste Zeit selbst. Sie malen, kneten, toben in der Turnhalle oder spielen mit der Ritterburg in der Eingangshalle. „Wir dürfen einen Gruppenraum nutzen, die Turnhalle und den Garten“, sagt Schneider. Zwischendurch wird gemeinsam gefrühstückt. „Alle Kinder haben Frühstück und Getränke mitgebracht.“

Je länger der Streik der Erzieherinnen andauert, desto größer sind die Belastungen für die Eltern geworden, weiß Schneider aus eigener Erfahrung. Über eine Whatsapp-Gruppe nahm sie mit anderen Müttern Kontakt auf. „Dabei konnte ich nicht alle Eltern erreichen“, bedauert sie. Doch auch so waren viele froh über das Angebot. „Die 15 Plätze waren schnell vergeben.“ Größer dürfen die Gruppen nach der Vorgabe der Stadt ohnehin nicht sein.

Sonst nur zwei Notgruppen

„Der erste Tag in Suttrop scheint reibungslos zu laufen“, freut sich auch Jugendamtsleiterin Jutta Heinert, zumindest für einige Eltern eine Entlastung erreicht zu haben. Abgesehen von der selbst organisierten Betreuung in Suttrop gibt es seit dem 11. Mai nur zwei Notgruppen in Warstein und Sichtigvor. Alle anderen städtischen Kitas sind seitdem geschlossen.

Daher melden sich weiterhin Eltern aus allen Ortsteilen beim Jugendamt. „Sie wollen mehr Informationen, aber eine weitere konkrete Anfrage gibt es bisher nicht“, sagt Heinert. „Wenn aber kurzfristig noch jemand anruft und die Vorgaben erfüllt, können wir das für nächste Woche einrichten.“

Jutta Heinert hofft, dass das bis dahin nicht mehr nötig sein wird – wenn sich die Tarifpartner bis zum Wochenende einigen und damit Kindern und Eltern eine fünfte Streikwoche ersparen.