Am Kicker gibt es keine Sprachbarrieren

Kooperation Treff und Johanniter: Das Kinder- und Jugendzentrum "treff" ist beliebter Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem Flüchtlingsheim. Stammpublikum und Gäste verstehen sich gut, doch jetzt gibt es Tage, an denen die regelmäßigen Besucher aus Rüthen unter sich bleiben.
Kooperation Treff und Johanniter: Das Kinder- und Jugendzentrum "treff" ist beliebter Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem Flüchtlingsheim. Stammpublikum und Gäste verstehen sich gut, doch jetzt gibt es Tage, an denen die regelmäßigen Besucher aus Rüthen unter sich bleiben.
Foto: WP

Rüthen..  Turbulent gelegentlich ja, tumultartig nie – so lässt sich die Situation beschreiben, als immer mehr Bewohner des Flüchtlingsheimes im letzten Viertel des vergangenen Jahres das Kinder- und Jugendzentrum in Rüthen für sich entdeckten. Am Spitzentag im November wurden laut Leiterin Sabine Schleef sagenhafte 108 Besucher gezählt. Darunter auch Ältere, für die der Treff eigentlich nicht gedacht ist. Das ist vorbei. Seit Anfang 2015 gilt eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Unterbringungseinrichtung und dem Jugendtreff. Sie soll allen zu ihrem Recht verhelfen: Jugendlichen aus der Unterkunft und dem Stammpublikum – und das in geregelten Bahnen.

„Aus einer Notsituation ist eine sehr gute Zusammenarbeit entstanden“, freut sich Udo Schröder-Hörster vom Regionalvorstand der Johanniter, die das Flüchtlingsheim leiten, über die Kooperation mit den Mitarbeiterinnen und dem Trägerverein des Kinder- und Jugendzentrums. Er, sowie Sabine Schleef, Silvia Schomacher und Elena Fehr vom Treff sowie Schatzmeister Ewald Wenge vom Trägerverein stellten vor, worauf sich alle Beteiligten in Gesprächen geeinigt haben.

„Es geht um Regularien, wie wir mit dem Besuch der Jugendlichen umgehen, nachdem wir von ihnen etwas bombardiert worden sind“, berichtet Sabine Schleef. Zwar hätten die Stammgäste eine hohe Akzeptanz gegenüber den neuen Gästen gezeigt, doch fühlten sie sich manchmal etwas überrannt. Auch wenn das Miteinander am beliebten Kicker oder beim Billard meistens gut klappe – Sprachbarrieren spielen bei solchen Aktivitäten keine Rolle – und die reglementierten Zeiten bei der Computernutzung eingehalten würden – „unsere Jugendlichen brauchen auch wieder Zeit nur für sich, in der sie die Räume und die Aufmerksamkeit nicht teilen müssen“, weiß die Leiterin. Zugleich aber betont sie das Positive: „Das ist hier reine Völkerverständigung.“ Das Stammpublikum lerne außerdem den Wert von Englisch-Kenntnissen kennen.

Im Ergebnis sieht die Kooperationsvereinbarung vor, dass es zwei Wochentage gibt, an denen das Kinder- und Jugendzentrum allen im Alter zwischen 8 und 21 Jahren offen steht. „Montags und donnerstags von 14.30 bis 19.30 Uhr sind auch die Bewohner aus dem Flüchtlingsheim, die dieser Altersvorgabe entsprechen, herzlich zu uns eingeladen“, sagt Sabine Schleef. Die Uhrzeiten passen zum Tagesablauf im Haus Maria vom Stein, die Altersstruktur zu jener der Dauergäste.

Erster Kontakt mit Rüthenern

Udo Schröder-Hörster erklärt die „Überbegeisterung“ für den Treff. Nachdem sie in der Unterkunft ihr erstes Deutschland-Erlebnis überhaupt hätten, beginne nach einer gewissen Ruhe- und Eingewöhnungsphase die Erkundung der Umgebung. Das Jugendzentrum liegt strategisch günstig, Internetzugang, Tischkicker und Billard sind reizvoll, die Kontaktaufnahme einfach. „Die jungen Menschen haben hier ihren ersten Kontakt zu Rüthen und damit zur deutschen Gesellschaft“, erklärt Schröder-Hörster. Probleme habe es dabei noch nicht gegeben, im Gegenteil. Er berichtet von vereinzelten Freundschaften und gar „verirrten Herzen“, was jedoch wegen der Regelaufenthaltsdauer von nur vier Wochen nur vorübergehend sein kann. Vereinzelt würden Jugendliche aus dem Treff sogar andere in der Unterkunft besuchen. „Darauf sind wir räumlich gar nicht vorbereitet.“

Dies aber ändert sich insofern, dass im Haus Maria ein Raum mit Computern und Spielgeräten eingerichtet wird, so dass die jungen Bewohner dort nicht mehr alleine auf das Jugendzentrum angewiesen sind. Microsoft Deutschland, berichtet der Johanniter-Vorstand erfreut, hat zugesagt, das interkulturelle Jugendarbeit in Rüthen mit 5000 Euro zu unterstützen.

Mehrsprachiger Hinweis

Mehrsprachig (Englisch, Deutsch, Französisch und Albanisch) ist die neue Öffnungsregelung am Treff-Eingang vermerkt. Dass es damit Probleme geben wird, glaubt Sabine Schleef nicht. Dies zum einen aus der eineinhalbwöchigen Erfahrung heraus nicht, zum anderen habe es auch beim Abweisen von Gästen über 21 Jahre bisher keine Probleme gegeben. Bei Bedarf könnte der Sicherheitsdienst der Unterkunft gerufen werden. An die Notwendigkeit glauben die Treff-Mitarbeiter nicht. Nur ein Mal habe sie den Telefonhörer in der Hand gehabt, um die Polizei zu rufen, berichtet die Leiterin. Es konnte bei der Ankündigung bleiben.