Alte Tradition der sieben Fußfälle wird wiederbelebt

Altenrüthen..  Der Gang zu den sieben Fußfällen ist eine der ältesten Formen des traditionellen Kreuzwegs und wurde nun auch im Pastoralverbund wiederbelebt: Am Sonntagnachmittag beteten zahlreiche Christen nach mehr als 350-jähriger Ruhe an den historischen Friedhofsmauern in Altenrüthen den verkürzten Kreuzweg.

Gäste aus den Nachbarorten

Bereits vor einigen Wochen wurden die sieben Fußfälle von den Dorfbewohnern im Rahmen der Kirche des Monats tatkräftig aufbereitet: „Die Wege wurden abgespritzt, das Moos beseitigt und die Steine gereinigt“, blickte Pastor Goesmann zurück. Nun lockte der Sonnenschein nicht nur die Altenrüthener zum Kreuzweg: Auch aus den Nachbarorten Rüthen und Kallenhardt pilgerten die Christen zur Kirche.

Dabei liegt die eigentliche Tradition des verkürzten Kreuzweges bereits viele Jahrhunderte zurück: Die Gebetsform wurde von Jerusalempilgern im späten Mittelalter ins Rheinland mitgebracht. Der Gang der Sieben Fußfälle stellte einen Bittgang durch Dorfstraßen oder Flur dar, wobei an sieben Wegekreuzen jeweils einer Station des Leidensweges Christi betend gedacht wurde. An den einzelnen Stationen ließ man sich mit beiden Knien gleichzeitig zu Boden fallen.

„Gleichzeitig erinnern die sieben Stationen aber auch an die sieben Gebetszeiten und an die siebeneinhalb Kirchen in Rom, die von den Pilgern besucht wurden“, ergänzte Pastor Goesmann zu Beginn des Kreuzweges. Die Fußfälle in Altenrüthen gibt es demnach bereits seit Einführung des Kreuzweges im Jahre 1650. „Die Kreuzverehrung hier im Dorf ist schon im sehr stark gewesen“, blickte Goesmann zurück.

So galt der Kreuzweg zur damaligen Zeit durchaus ebenfalls als eine Alternative zum heutigen Totengebet in der Kirche. „Das wird auch teilweise heute noch so gemacht“, erklärte der Priester. Jedoch zählen die sieben Fußfälle heutzutage eher zu einer Seltenheit, in wenigen Gemeinden sind die verkürzten Kreuzwege noch vorhanden, wie etwa in Delbrück, wo die Stationen bis heute regelmäßig gebetet werden.

Doch wo genau liegt eigentlich der Unterschied zwischen dem gängigen Kreuzweg mit 14 Stationen, abgesehen von seiner Länge? „Der verkürzte Kreuzweg konzentriert sich noch einmal auf die drei Fälle von Jesus sowie auf seine vier Begegnungen mit seiner Mutter, Veronika, den weinenden Frauen und Simon von Cyrene“, so Goesmann.

Einladung zu weiteren Gebeten

Nach der erstmaligen Wiederbelebung der sieben Fußfälle, soll das Gebet an der Kirche auch zukünftig fortgesetzt werden, wie Pastor Goesmann betonte: „Das ist einfach eine schöne Tradition und ein tolles Ambiente“, freute er sich. „Ich denke, zur Fastenzeit werden wir diesen Kreuzweg wieder beten“.