Als Rabaukenmutti und Zickenversteherin im Einsatz

Suttrop..  Ihre früheren Schützlinge nennen sie liebevoll Rabaukenmutti, sie selbst würde sich heute eher als Zickenversteherin bezeichnen: Im Suttroper Jugendheim kümmert Dagmar Simon sich um so ziemlich alles und jeden – und das ehrenamtlich. Momentan liegt ihr Fokus aber vorwiegend auf der Betreuung ihrer Dorfzicken.

Übernachtungspartys, Kochen, Wandern oder Werkeln, Dagmar Simon und ihre Mädels wissen sich zu beschäftigen. Im Moment renovieren sie ihren eigenen Raum im Keller des Jugendheims. Sonst setzen sich auch für Andere ein, sammeln Müll bei der Aktion „Saubere Landschaft“ oder besuchen die Senioren im Seniorenzentrum Piening, um mit ihnen zu singen.

Keine Langeweile entstehen lassen

Zu Weihnachten haben sie sogar selbst Kinder betreut, damit deren Eltern in Ruhe Geschenke kaufen können. Gemeinsam mit ihrer Tochter und drei ehemaligen Dorfzicken steht Dagmar Simon dabei immer als Ansprechpartnerin bereit. Dabei mangelt es der Mutter und Großmutter an eigenen Kindern nicht. Die Jugendarbeit ist ihr einfach wichtig. „Die Kinder leben sonst auf der Straße“, betont die 60-Jährige. „Wir wollten eine Anlaufstelle schaffen, damit sie keine Langeweile haben.“

Mittlerweile zählt die Gruppe rund 20 Dorfzicken. Tatsächlich finden sich da aber nicht nur Mädchen. Es gibt drei Jungs – ihre Enkel. „Meine Tochter konnte sie damals nicht zu Hause lassen“, erzählt Dagmar Simon. „Heute gehören sie dazu.“ Schaden tut’s nicht, die drei sind zu echten Frauenverstehern herangewachsen.

Alle treffen sich regelmäßig montags am Nachmittag. Manchmal gehen sie aber auch einfach so ins Jugendheim. Dagmar Simon ist sowieso immer da. Als Mitglied des Hausvorstands und im Pfarrgemeinderat betreut sie das Haus. Mit der Betreuung der Jüngeren hat sie schon vor 20 Jahren angefangen. „Wir waren damals vier Mütter und mussten unsere Kinder beim Kommunionunterricht begleiten“, erinnert sie sich zurück. „Da haben wir uns ein Programm überlegt.“ Als alles vorbei war, waren die Kinder traurig. Die Mütter dachten über eine Fortsetzung nach. Daraus entstanden die Gemeinderabauken, eine Gruppe für Jungen und Mädchen, die sich ebenfalls im Jugendheim traf.

Nach ein paar Jahren war die Zahl der Kinder auf gut 70 angestiegen. „Das sprach sich rum“, verrät Dagmar Simon und lacht. Als die anderen Mütter aber zwischenzeitlich ausfielen und sie selbst auch aus privaten Gründen weniger Zeit hatte, löste sich die Gruppe auf. „Da ist das Ganze den Bach runter gegangen“, sagt die 60-Jährige ein bisschen wehmütig.

Vor gut zehn Jahren ging es dann wieder los – die Dorfzicken waren geboren. Dieses Mal allerdings für ältere Kinder ab 12 Jahren und eben nur für Mädchen. „In diesem Alter haben Jungs und Mädchen einfach kaum Gesprächsgrundlagen“, weiß sie. Außerdem seien sie und die Anderen ja selbst Frauen und haben deshalb einen besseren Zugang.

Ans Aufhören hat Dagmar Simon auch schon gedacht. „Eigentlich wollte ich mit 60 aufhören“, gibt sie zu. „Aber ich bin immer noch da.“ Schluss sei dann, wenn sie entschieden habe, dass es genug sei. Bisher fehlt aber eine Nachfolgerin. Bis die gefunden ist – und vermutlich darüber hinaus – bleibt Dagmar Simon eben eine Zickenversteherin.