Als Freiwillige die Zügel fest in der Hand

Soest-Hultrop..  Manchmal lassen wir Menschen Fünf gerade sein, leben in den Tag hinein und manchmal lassen wir auch die Zügel schleifen. Die Zügel schleifen lassen? Nicht bei Anna Kipper. Die 20-Jährige begann am 1. August 2014 das Bundesfreiwilligenjahr in der Integrativen heilpädagogischen Kindertagesstätte St. Barbara in Hultrop und ist seitdem an der Seite von Reittherapeutin Sabine Schemm im Einsatz. Da ist Achtsamkeit gefragt, Einfühlungsvermögen für die Kinder und schließlich auch ein gewisser Pferdeverstand, um Arielle und Amadeus, die beiden Therapiepferde, sicher zu führen.

„Wir haben in diesem Jahr erstmals vier junge Frauen als BFDler“, berichtet Franz-Josef Berntzen, seit 33 Jahren Einrichtungsleiter in Hultrop. Waren es in den ersten Jahrzehnten Zivildienstleistende, kommen seit drei Jahren junge Menschen, die das Jahr des Bundesfreiwilligendiensts nutzen, um sich Klarheit über die kommende Berufsausbildung zu verschaffen.

Klarheit verschaffen

Da reiht sich die junge Frau aus Hamm nahtlos in den Kreis ihrer Vorgänger ein. „Ich habe am Stand der Kindertagesstätte auf der Soester Kirmes gelesen, dass hier BFDler gesucht werden“, berichtet Anna Kipper. „Ich wusste nach meinem Abi im Sommer 2014 nur, dass ich etwas im therapeutischen Bereich machen wollte, etwas mit Kindern.“

Was aber genau ihr Ziel sein sollte, das hat sich erst in Hultrop herauskristallisiert. „Ich habe mich jetzt über das Studium der Ergotherapie in Bochum sachkundig gemacht“, berichtet sie, „da kann ich dann auch noch den Bereich der tiergestützten Therapie aufsatteln.“

Ihre Tagesstruktur ähnelt der ihrer Vorgänger und ist hoffentlich auch ein Anreiz für junge Menschen, die sich ab Sommer 2015 ein BFD-Jahr zur Selbstfindung „verordnen“:

Morgens holt sie Kinder in Ahlen, Beckum und Lippborg ab, begleitet sie in die Gruppen, hilft beim Frühstück und wechselt in die Therapiereithalle, wo die beiden Therapiepferde versorgt werden wollen. Dann assistiert sie bei der Reittherapie. „Bei uns kommt jedes Kind einmal pro Woche aufs Pferd, ob mit oder ohne Behinderung“, erläutert Franz-Josef Berntzen.

Natürlich war er froh, dass er mit Anna Kipper jemanden hatte, der bereits viel praktisches Wissen über die Arbeit mit Pferden mitbrachte. Das aber ist keine Voraussetzung. „Bei uns können junge Menschen auch ohne Pferdeerfahrung mitarbeiten,wir freuen uns über jeden.“

Drei junge Menschen im letzten Schuljahr haben bereits um ein Gespräch gebeten, weitere sind willkommen. „Wir freuen uns natürlich, wenn wieder junge Männer kommen, damit wir in unseren Gruppen familienähnliche Situationen anbieten können.“

Dass sich der Einsatz als BFDler in der Kindertagesstätte in Hultrop lohnt, das hörten unter anderem die Gäste am Glühweinstand auf der Allerheiligenkirmes. „Ich war früher auch hier Bufdi“, ging das Gespräch über die Theke. „Das war eine gute Zeit. Wie ist es denn jetzt so?“

Na, gut ist es. Das bestätigt Anna Kipper, das bestätigen ihre fünf BFD-Kollegen. Und wenn man genau nachfragt, dann ist es gerade der tägliche Umgang mit den Kindern, der den größten Eindruck macht. Sie drücken ihre Zuneigung und Liebe ganz spontan aus und lassen auch keinen Zweifel daran, wenn die Sympathie einseitig ist.

„Wir brauchen Sie wirklich“

„Das sind Erfahrungen, die jeder bei uns macht“, weiß Franz-Josef Berntzen, der den BFDlern neben dem wöchentlichen Treffen auch vier einwöchige Seminare zur beruflichen Orientierung garantiert. „Es kommt in dieser BFD-Zeit bei uns viel die jungen Menschen zu. Wir beobachten aber auch bei jedem, wie er oder sie sich zur Persönlichkeit entwickelt. Bei uns ist der Slogan ,Ich werde gebraucht’ keine leere Hülse. Wir brauchen Sie wirklich.“