Alles beginnt unter dem Himmelszelt

90 Jahre Tambourkorps Oestereiden.
90 Jahre Tambourkorps Oestereiden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Zwei Aspekte sind aus der Anfangszeit des Tambourkorps Ostereiden bemerkenswert: Die Initiative ging von Mitgliedern des Männergesangsvereins „Fidelia“ aus. Und mangels Räumlichkeit wurde zunächst unter freiem Himmel geprobt.

Oestereiden..  Zwei Aspekte sind aus der Anfangszeit des Tambourkorps Ostereiden noch vor der eigentlichen Gründung vor 90 Jahren bemerkenswert: Die Initiative ging von Mitgliedern des Männergesangsvereins „Fidelia“ aus, die nicht nur mit ihren Stimmbändern Musik machen wollten. Und mangels Räumlichkeit wurde zunächst unter freiem Himmel geprobt.

Das alles ist längst Geschichte. Einen Männerchor gibt es im Ort nicht mehr, das Tambourkorps gleichwohl. Nur geprobt wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr unter dem Sternenzelt, sondern im eigenen, komfortablen Übungsraum. Nachdem zuletzt im Saal des Gasthofs Pieper Woche um Woche die Ausrüstung auf und wieder abgebaut wurde, verbleibt sie seit 2005 stationär im Dachgeschoss der Luziaschule. Zwei Jahre wurde in Eigenleistung der Rohbauzustand in Probenräume verwandelt.

Neun aktive Mitglieder zählte das Tambourkorps als es 1925 offiziell gegründet wurde. Auch davon ist man heute meilenweit weg. Im Jubiläumsjahr hat der Verein 57 aktive und 250 (!) passive Mitglieder. „Wir sind eine relativ junge Truppe“, sagt Vorsitzender Alfons Levenig mit Blick auf einen Altersdurchschnitt von etwas über 24 Jahren. Franz Luig ist mit 83 Jahren das älteste, allerdings nicht mehr aktiv, sondern Ehrenmitglied. Sohn und Enkelin führen die Familientradition weiter. Unter den Aktiven ist der Vorsitzende – seit 2001 im Amt – selbst der Zweitälteste. Mit 12 Jahren hat er angefangen, seit 43 Jahren ist er dabei, macht unterm Strich 55 Lebenslenze.

44 Prozent der Aktiven sind heute weiblichen Geschlechts. Kein schlechter Wert in Anbetracht dessen, dass erst 1985 die ersten Mädchen aufgenommen und zu Flötistinnen ausgebildet wurden. Im Alter zwischen 10 und 12 Jahren beginnt heute die Ausbildung, die seit vier Jahren im Verbund aller Tambourkorps’ und Spielmannszüge der Stadt Rüthen ortsübergreifend geschieht. Ein Hinweis für alle Interessierten: Im Herbst startet ein neuer Jahrgang. Ein Meilenstein, auch was die Ausbildung betrifft, war der Beitritt zum Volksmusikerbund 1978. Seitdem hat das Spielen nach Noten einen hohen Stellenwert.

Viele Menschen haben in den vergangenen 90 Jahren das Tambourkorps (mit-)geprägt. Darunter waren erstaunlicherweise nur vier Tambourmajore. Melchior Schulte alleine übte dieses Amt 50 Jahre aus. Es folgten sein Sohn Benno (1975 bis 1985) und Wilhelm Vonnahme. Seit 2001 marschiert Thomas Berghoff-Mertens an der Spitze des Vereins.

Festzelt auf dem Schützenplatz

Seit über 50 Jahren spielt das Tambourkorps Oestereiden mittlerweile auf den Schützenfesten in Kneblinghausen und Brilon-Nehden. Selbstverständlich nehmen die Schützen beider Orte am Jubiläumsfest am übernächsten Wochenende (24. bis 26. April) teil, daneben alle musizierenden Vereine aus dem Stadtgebiet Rüthen und weitere dem Jubilar verbundene Vereine. Doch das 700 Quadratmeter große Festzelt, das auf dem Schützenplatz aufgebaut wird, bietet Platz genug – auch für die Zuhörer aus der Umgebung, die herzlich eingeladen sind. „So ein Fest fördert die Gemeinschaft“, sagt Pressereferentin Vera Verbücheln – und meint damit nicht nur die unter Musikerkollegen.