Allein gegen die närrischen Horden

Belecke..  Gespannte Unruhe herrscht im Alten Rathaus in Belecke: Von Ferne hört man Trommelwirbel und zwitschernde Flöten – dann herrscht kurzzeitig wieder Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm. Denn den erwartet Ortsvorsteherin Elke Bertling an diesem närrischen Donnerstagmittag. Allein steht sie gegen die marodierenden Truppen der GBK, die die Macht an sich reißen und (nicht nur) die Belecker Altstadt mit karnevalistischem Frohsinn überziehen wollen. Unerbittlich tickt der Zeiger der Uhr, während die Musik näher kommt. Elke Bertling atmet tief durch. Kampflos wird sie das Alte Rathaus nicht aufgeben – auch wenn vor der Tür die große Kanone steht.

Deren Donnern ist noch nicht verklungen, als die Ortsvorsteherin schon aus der Tür stürmt, um die Karnevalisten reimend in die Schranken zu weisen. „Wie, ihr seid auf Randale aus und wollt in dies altehrwürd’ge Haus – das Rathaus annektieren, mich vom Dienste suspendieren?“ Solche Gewalt-Aktionen seien fehl am Platz. Schließlich sei doch hinlänglich bekannt, dass Belecke ein friedliches Pflaster ganz ohne Pegida-Demonstrationen sei. „Niemals wir die Säbel wetzen und gegen fremde Leute hetzen. Als Volk sind wir weltmännisch und integrativ und zeigen stets demonstrativ, dass, verirrt sich auch einmal ein Warsteiner in unseren Ort, ist er willkommen, wir schicken ihn nicht fort.“

Spricht’s und verschwindet wieder hinter der sicheren Eichentür, die schon Sekunden später wieder vom dumpfen Kanonendonner erschüttert wird – und dabei ordentlich Dreck macht, was eine ordentliche Beleckerin natürlich noch zusätzlich auf die Palme bringt. Wen wundert es da, wenn selbst eine Dame handgreiflich wird und den Herren von der Prinzengarde ordentlich die Löffel lang zieht? Allerdings auch keine befriedigende Aufgabe: „Puh, er kann nicht hören. Mit so viel Schmalz in den Ohren ist Hopfen und Malz verloren.“ Solchen Gestalten die Regierungsgeschäfte überlassen? Das kommt gar nicht in die Tüte. „Nie und nimmermehr gebe ich das Rathaus her!“, macht die Ortsvorsteherin unmissverständlich klar und die Schotten dicht.

Bürgermeister gefunden

Bei so viel unbeugsamer Sturheit bleibt den angerückten Karnevalisten nur, größere Geschütze aufzufahren. Daher darf nun Juka-Prinz Frank aus dem Hause Hörstmann das Feuer an die Lunte halten. Ob das die Herrscherin über die Badestadt überzeugen kann, die Türen des Alten Rathauses für die närrischen Truppen zu öffnen?

Als sich der Nebel der böllernden Kanone verzogen hat, strahlt Elke Bertling auf jeden Fall mit der Sonne am wolkenlosen Belecker Himmel um die Wette. „Das ist, jetzt seh ich klar, kein Lumpenpack, nein – die GBK“, freut sich die wehrhafte Ortsvorsteherin, die vor allem vom Anblick von GBK-Prinz Ludger ganz geblendet ist. „Ein Edelprinz, so galant und fein, kann nur aus dem Hause Jesse sein.“

Ein solcher Herrscher könne nur Bürgermeister von Warstein werden. „Bis jetzt halten die Parteien sich noch bedeckt, sie haben Euch, Prinz Ludger, noch nicht entdeckt.“ Das könnte sich ändern, wenn aus der Prinzenallee eine Bürgermeisterchaussee wird. „Und reaktivieren in Warsteins wahrer Mitte das Alte Rathaus – na bitte!“

Darauf dürfen die Karnevalisten endlich in die altehrwürdigen Hallen einziehen. Auf der Wilkestraße kehrt wieder Ruhe ein. Vom bunten Treiben zeugen nun nur noch die geschmückten Laternenmasten und die mit gelben und roten Bändern dekorierte Kuh. Die Ruhe vor dem nächsten Sturm – der am Rosenmontag über die Altstadt hereinbrechen wird.