Ärztemangel erreicht Rüthen eher als gedacht

Rüthen..  Es ist noch kein Hilfeschrei, aber ein Alarmruf. Viele Rüthener machen sich Sorgen, dass in der Stadt die Hausärzte ausgehen könnten. Zahlreiche Anrufe erreichten Bürgermeister Peter Weiken in den vergangenen Tagen und Wochen. „Wir haben das Problem lange erkannt und uns verschiedene Gedanken gemacht“, versichert Weiken.

„Es handelt sich nicht um ein Problem, das vom Himmel fällt“, macht der Bürgermeister deutlich, dass es sich um eine Entwicklung handelt, die sich seit längerer Zeit abzeichnet. Aktuell aber hat es sich verschärft. Drei niedergelassene Ärzte gibt es in der Kernstadt, einen weiteren in Oestereiden. So ist die Situation nominell. Wie sie derzeit tatsächlich aussieht und Anlass für die akute Besorgnis ist, fasst Weiken so zusammen: „Eine Praxis ist krankheitsbedingt geschlossen, von einer anderen wird gesagt, dass der Arzt im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen will.“ Noch vor zwei, drei Jahren habe die Kassenärztliche Vereinigung Rüthen als gut versorgt bewertet. „Jetzt zeigt sich, wie schnell sich das ändern kann“, so der Bürgermeister im Gespräch.

Mediziner scheuen Selbstständigkeit

Schon der frühere Wirtschaftsförderer Dr. Tobias Fehlbier hatte sich mit dem drohenden Ärztemangel befasst – ohne greifbaren Erfolg. Auch nach seinem Ausscheiden habe das Thema in der Verwaltung stets auf der Tagesordnung gestanden, versichert Peter Weiken. Zuletzt habe man sich auch bei einem Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden Gedanken darüber gemacht. Quintessenz aller Bemühungen: „Es ist kein Problem, das einfach zu lösen ist.“ Und es ist ein generelles, das viele Kommunen betrifft. „Kaum ein Mediziner hat vor, in die Selbstständigkeit zu gehen – erst recht nicht auf dem Land“, fasst Weiken die Tendenz zusammen. Und nennt einige der Ausschlag gebenden Nachteile: „Mitarbeiter- und Geschäftsführung, ein Wust an Bürokratie, keine Einnahmen, wenn der Arzt selbst krank und nicht gut versichert ist.“ Ein angestellter Arzt im Krankenhaus habe es da in jeder Hinsicht besser – auch was Dienst- und Urlaubszeiten angehe.

Hilfsmöglichkeiten beschränkt

„Das alles sind Schwierigkeiten, die wir als Stadt ihm nicht abnehmen können.“ Die bereits angebotene Bereitstellung eines günstigen Bauplatzes oder eines Kita-Platzes für den Nachwuchs sind da eher nachrangig. Die Stadt, berichtet Weiken, habe sich sogar informiert, ob sie in osteuropäischen Ländern wie Rumänien Interessenten für eine Arztpraxis in Rüthen rekrutieren könne. Doch Mediziner von dort seien erst recht mit der deutschen Bürokratie überfordert. Als ebenso wenig praktikabel habe sich die Überlegung erwiesen, seitens der Stadt selbst einen Arzt anzustellen. Trotz guter Dotierung finde selbst der Kreis Soest keine Interessenten für zwei vakante Stellen. „Wie soll das uns als kleiner Stadt dann gelingen“, fragt sich Weiken.

Und so geht er jetzt einen anderen ungewöhnlichen Weg: Der Bürgermeister appelliert auch namens der Politik an „Mediziner, die in Rüthen groß geworden sind, sich zu überlegen, ob sie vor dem Hintergrund der Probleme, die sich in ihrer Heimat auftun, bereit sind, eine Praxis zu übernehmen“.

Seinen Informationen nach hat der Appell schon ein Stück weit gefruchtet: Ein aus Nettelstädt gebürtiger Arzt habe sich bereit erklärt, in diesen Tagen die Vertretung in der momentan geschlossenen Praxis zu übernehmen. Gestern jedoch stand an deren Tür noch der Hinweis, dass die Praxis zwar von 8 bis 12 Uhr geöffnet sei, aber ohne ärztliche Behandlung.