Ängste und Wahrheiten: Was darf Weiken sagen?
12.03.2010 | 09:00 Uhr 2010-03-12T09:00:00+0100Rüthen. Kurz- und mittelfristig sind die kleinen Grundschulen im Rüthener Stadtgebiet nicht in Gefahr. Diese Klarstellung war den Mitgliedern im Schulausschuss wichtig.
Auch Bürgermeister Peter Weiken teilt diese Einschätzung: Kritik musste er sich aber gefallen lassen, weil er sowohl die Standorte in Kallenhardt als auch in Oestereiden langfristig für gefährdet hält — und dies auch öffentlich sagt. Nach diesen Äußerungen, kritisierte Ausschuss-Vorsitzender Georg Eickhoff (CDU), Ortsvorsteher in Oestereiden, habe er sofort Anrufe besorgter Eltern erhalten: Er belehrte das Stadtoberhaupt, dass dessen Äußerungen „so gedeutet werden, dann und dann macht die Schule zu” — es mache schließlich einen Unterschied, „ob der Privatmann Weiken vor einem halben Jahr etwas gesagt hat oder ob der Bürgermeister Weiken das jetzt sagt”.
Weiken verteidigte sich. Ziel sei natürlich, kleine Schulen „so lange wie möglich” zu erhalten. Aber: Kallenhardt sei zuletzt durch eine „Notoperation”, gemeint ist der Schulverbund mit der Rüthener Grundschule, gerettet worden — demnächst müssten durch jahrgangsübergreifenden Unterricht erneut „Kunstgriffe” unternommen werden, um die Schule zu retten: Sage also keiner, es gebe keine Gefahren. Die nächsten vier, fünf Jahre ließen sich die Schulen weiter darstellen, „aber was ist dann?”
Er hatte schon die Idee, die Schulen in Kallenhardt und Oestereiden zu einer Montessori-Grundschule zusammenzufassen: „Aber Sie können nicht aus zwei Kranken einen gesunden Patienten machen.” Eickhoff teilte die langfristigen Sorgen: Helfen würden diese aber aktuell nicht, sondern nur verunsichern. Unterstützung bekam Weiken von Fritz Henneböhl (SPD): „Da ist Gefahr in Verzug”, sagte auch er angesichts der Entwicklung bei den Schülerzahlen, also sei frühzeitiges Nachdenken schon erforderlich.
Hoffnung setzen die Kommunalpolitiker in die große Politik: Mit kleineren Klassen, sagte Heinz-Werner Klaus (CDU), selbst Lehrer, „kann man auch optimiert arbeiten”. Wie schnelllebig die Entwicklung in der Schulpolitik ist, zeigten die Zahlen zur Mindestgröße einer Schulen: Lege man die neuen Zahlen zugrunde, wäre auch die Grundschule in Drewer heute weiterhin geöffnet.
Weiken will bei seiner Einstellung bleiben, den Bürgern unangenehme Wahrheiten zu sagen. Das wurde auch bei der Entwicklung der städtischen Kindergärten deutlich. Klaus zitierte Weiken, der auch den Kindergarten in Langenstraße für langfristig gefährdet hält — aber es würden doch dort genügend Kinder geboren, sagte Klaus: Auch hier schüre Weiken Ängste. Dieser hält seine Kritik aber für berechtigt: Die Bausubstanz in Langenstraße sei „mehr als schlecht”, so dass sich langfristig die Frage einer Schließung aus Kostengründen stellen könnte — „das kann sich jeder ausrechnen. Wir werden doch von den Fakten überholt”. Und weil die Stadt gerade in den Kindergarten in Westereiden investiere, käme dieser dann als größerer Standort in Frage.
Heinz-Werner Klaus blieb dabei: „Kleine Gruppen sind die beste Investition.” Weiken unterstützte dies, aber: „Das wollen alle. Aber wer will das bezahlen?” Auch hier folgte die SPD der Linie des Bürgermeisters, nach Lösungen zu suchen: In Kallenhardt schließlich, erinnerte Friederike Aust, müsse zum Sommer bereits eine Kindergartengruppe geschlossen werden.
0mitdiskutieren