Abiturprüfung – 32 Bahnen trotz "Falsch-Schwimmerin"

Judith Quente aus Sichtigvor absolvierte ihr viertes Abi-Fach im Fach Sport. Im praktischen Prüfungsteil musste sich die 18-Jährige unter anderem in der Schwimmdisziplin behaupten.
Judith Quente aus Sichtigvor absolvierte ihr viertes Abi-Fach im Fach Sport. Im praktischen Prüfungsteil musste sich die 18-Jährige unter anderem in der Schwimmdisziplin behaupten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Im Klassenraum sitzen, eine Klausur schreiben, unter Ausschluss der Öffentlichkeit - so laufen Abiprüfungen eigentlich ab. Nicht so bei Judith Quente.

Warstein/Sichtigvor.. Judith Quente aus Sichtigvor musste nun allerdings ganz andere, mitunter höchst nervenaufreibende Prüfung meistern. Die 18-Jährige angehende Abiturientin vom Gymnasium Warstein unterzieht sich derzeit den Anforderungen in dem von ihr gewählten vierten Abiturfach Sport – und das als Einzige ihres Jahrgangs. Die WESTFALENPOST hat die Zwölftklässlerin während ihres praktischen Prüfungsteils begleitet. Für die Möhnetalerin stand nun der Leistungsnachweis im Schwimmen auf dem Programm.

18.30 Uhr: Jetzt soll für Judith Quente die Prüfung starten. Konzentriert steht die zierliche junge Dame bereits am Beckenrand und blickt aufs Wasser. Auch wenn die angehende Abiturientin auf die Frage „Und, bist du aufgeregt?“ ganz entspannt und frei von jeglicher Prüfungsangst antwortet: „Nö, das passt schon. Wird schon irgendwie klappen“, kann von Entspannung und der nötigen Ruhe am Ort des für sie wichtigen Geschehens selbst keine Rede sein.

Prüfung inmitten des Regelbetriebs

Ein gutes Dutzend eifrig trainierender Triathleten und eine Horde agiler Senioren, die als spätschwimmende Stammgäste gemütlich ihre Bahnen ziehen, belagern nahezu das gesamte Hauptbecken. Eine ordentlich abzuhaltende Prüfung erscheint im ersten Moment unmöglich. Aber sie wird stattfinden. Fachlehrerin Barbara Marx und ihre beiden ebenfalls Sport unterrichtenden Kollegen Stefan Budde und Claus Finger zeigen sich von dem Szenario zu Wasser nahezu völlig unbeeindruckt. Die drei Lehrkräfte des Warsteiner Gymnasiums grenzen mit meterlangen Schwimmleinen die Bahn ab, in der die 18-Jährige ihr Können unter Beweis stellen wird .

„Falsch-Schwimmerin“ plötzlich im Weg

18.40 Uhr: Es ist angerichtet. Mit zehnminütiger Verspätung kann die Prüfung endlich starten. Der Sprung ins Wasser ist erfolgt. 800 Meter in der Brust-Disziplin muss die Schülerin jetzt hinter sich bringen – genauer gesagt stolze 32 Bahnen schwimmen und dabei stets die Zeit im Blick behalten. Denn die Marke von vorgeschriebenen 20 Minuten darf sie nicht überschreiten. Hin und her geht es für die junge Sichtigvorerin.

Doch was ist das? – Eine Seniorin ist versehentlich in die Bahn von Judith Quente geschwommen. „Hallo Sie da, halt! Hier findet eine Prüfung statt“, rufen die Lehrkräfte, die wild gestikulierend die vermeintliche „Falsch-Schwimmerin“ dazu auffordern, die Bahn zu verlassen. Mittels eines Ausweichmanövers schafft es Judith Quente glücklicherweise, ihre Aktivität fortzusetzen, aber ein kleiner Zeitverlust wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Judith Quente muss jetzt auf die Zähne beißen. Immer mehr Kraft ist nun erforderlich um die letzten 300 Meter zu packen. „Komm, weiter, Judith. Immer weiterschwimmen“ ruft ihr Lehrer Claus Finger zu, während seine Kollegen mittels herkömmlicher und Smartphone-Stoppuhr die Zeitmessung vornehmen.

Jetzt wartet noch die Theorie

Kurz vor 19 Uhr: Die Möhnetalerin befindet sich auf der letzten Bahn. Noch mal ein letztes Aufbäumen und es ist geschafft. Die Hand schlägt an die Wand des Beckens – Ende. Völlig aus der Puste ist sie und braucht erst einmal einen Moment, bis sie aus dem Schwimmbecken steigen kann. Das Prüfer-Trio kommt jetzt auf Judith Quente zu. 18 Minuten. Bestanden. Jetzt muss die anscheinend doch verdrängte Anspannung heraus. Aufgelöst und unter Tränen nimmt die junge Dame das Resultat entgegen. „Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Ich schwimme sehr gerne, aber in nächster Zeit werde ich ein Schwimmbad meiden“, erklärt sie kurze Zeit später.

Nachdem sie bereits im so genannten „wettkampforientierten“ Prüfungspart im Volleyball den ersten Praxisteil meisterte (Judith spielt seit neun Jahren Volleyball in der Damen-Mannschaft des SuS Sichtigvor) und nun auch den relevanten zweiten „Ausdauer“-Praxisteil erfüllte, steht jetzt noch die mündliche Abschlussprüfung bevor. Fragen zur Theorie warten Anfang Mai auf sie. Das Erklären von Fachbegriffen wird dann ebenso von ihr abverlangt werden, wie das Darstellen verschiedenster Trainingsmethoden.

Judith Quente komplettiert den Prüfungsreigen im Fach der „Leibesertüchtigung“ als Prüfling Nummer zehn. Bereut hat sie es indes nicht, dass sie Sport als Abi-Fach gewählt hat. „Sport macht mir sehr viel Spaß. Das wird auch so bleiben“, betont die Sichtigvorerin.