79 Pferde und Ponys aus Elfsen haben ein neues Zuhause

Auktion auf dem Reiterhof Gut Elfsen im Kreis Soest: 79 vernachlässigte Pferde und Ponys sind an neue Besitzer versteigert worden.
Auktion auf dem Reiterhof Gut Elfsen im Kreis Soest: 79 vernachlässigte Pferde und Ponys sind an neue Besitzer versteigert worden.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die vernachlässigten Pferde und Ponys auf dem Reiterhof Gut Elfsen bei Soest/Bad Sassendorf haben ein neues Zuhause. 79 abgemagerte Tiere sind vor Ort in einer Auktion versteigert worden.

Bad Sassendorf/Elfsen.. Sachte schiebt Martina ihre Hand durch die Gitterstäbe der Box, berührt Louisiana vorsichtig am Maul. Eigentlich hat Martina vor wenigen Monaten erst ihr eigenes Pferd verkauft. Doch dann hat sie in der Zeitung davon gelesen, wie mehr als 80 Tiere in Elfsen in der Gemeinde Bad Sassendorf vernachlässigt worden, einige davon sogar entkräftet gestorben sind.

Tierdrama im Kreis Soest hat sehr bewegt

„Das hat mich sehr bewegt“, sagt die 56-Jährige aus dem Kreis Steinfurt. Als sie erfuhr, dass 79 Tiere im Auftrag des Kreises Soest versteigert werden, ist sie sofort losgegangen, hat sich eine Stallplatz gemietet, einen Anhänger geliehen.

Und sie ist damit an diesem stürmischen Vormittag nach Bad Sassendorf gefahren, hat mühsam wie viele Hunderte andere in dem kleinen Örtchen Elfsen einen Parkplatz am Straßenrand gesucht und sich in die lange Schlange vor den Ställen eingereiht. Nun steht sie hier, ist ganz dicht an die Box gerückt und lächelt Louisiana fast ein bisschen verliebt an.

Auktionäre in Elfsen "bereit für die gute Tat"

Noch hat sie sich nicht recht entschieden, für welches der Tiere sie bietet. Aber sie ist gewiss: „Wir werden uns finden.“ Auch, wenn es für eine Reiterin hier in diesem Gedränge nicht ganz einfach sein mag, das passende Tier auszuwählen. „Vielleicht aber es ist gar nicht schlecht, ganz nach Gefühl zu entscheiden“, überlegt sie. Auf jeden Fall sei sie „bereit für die gute Tat“.

Womit sie allerdings an diesem Vormittag keineswegs die einzige ist. Aus ganz Westfalen, dem Rheinland, aus Hessen und Niedersachsen sind die Bieter angereist. Nicht allein aus Tierliebe; auch Pferdezüchter gucken sich in Elfsen um, Betreiber von Reiterhöfen, Besitzer von Pensionen, die Ponyreiten für die Kinder der Gäste anbieten.

Schon am Vortag ist eine vierköpfige Familie aus dem Schwarzwald angereist, hat mehr als 600 Kilometer zurückgelegt. Zwei Ponys sucht die Familie ohnehin seit geraumer Zeit, hat bereits Angebote eingeholt. Nach Elfsen auf den Reiterhof bei Bad Sassendorf sind die vier gefahren, in der Hoffnung, den Tieren hier „etwas Gutes zu tun“, sagt die Tochter, eine gelernte Pferdewirtin.

Abgemagerte Pferde aus Elfsen müssen aufgepäppelt werden

Dabei ein Schnäppchen zu machen – daran glauben die vier, die ihren Namen nicht nennen möchten, allerdings nicht. Schließlich müssten die Tiere erst einmal lange aufgepäppelt werden, erklärt die Tochter. Welche gesundheitlichen Probleme sie aufgrund der langen Vernachlässigung möglicherweise haben, sei nicht abzusehen. Und damit auch ungewiss, wie hoch eventuell Tierarztkosten werden. Und doch ist die junge Frau sicher, dass Tiere aus einer solchen Haltung „eine ganz besondere Beziehung“ zu ihrem neuen Besitzer entwickeln, der sie besser behandelt.

Tierdrama Vielleicht also zahlt sich so manche Investition irgendwie doch aus. Pferd Nummer drei, eine namenlose Stute, wird für 1900 Euro versteigert. 350 Euro betrug das Mindestgebot, so viel, dass sich das Mitsteigern für Schlachter nicht mehr lohnt, erklärt Kreisveterinär Wilfried Hopp.

Viel zu schmächtige Pferde

1900 Euro – Züchter Horst-Werner Bonat aus Delbrück schüttelt nur den Kopf. „Das Tier hat zwar eine sehr interessante Abstammung“, sagt er. Doch für ihr Alter, vier Jahre, sei die Stute viel zu klein. Und viel zu schmächtig; die Rippen zeichnen sich an den Seiten ab. Hier werde deutlich, dass es sich um einen Tierschutzfall handele, so Auktionator Volker Raulf. „Das Tier kann morgen noch umkippen“, fürchtet Bonat. „Ich hätte nicht die Hälfte dafür gegeben.“

Muriel Dreier aus Diepholz strahlt dennoch vor Glück. Noch am gleichen Tag wird sie die Nummer drei in den Anhänger führen. Am Abend ist keines der Tiere mehr auf Gut Elfsen.