350 Wehrleute bei Großbrand im Einsatz

In einer Fabrik in Warastein ist am Donnerstagabend ein schweres Feuer ausgebrochen.
In einer Fabrik in Warastein ist am Donnerstagabend ein schweres Feuer ausgebrochen.
Foto: WP / Uwe Nutsch
Was wir bereits wissen
Nach dem Großbrand in einem Galvanik-Betrieb in Warstein, wurde am Freitagnachmittag mit dem Ausräumen des Gefahrstofflagers begonnen. Bis Mitternacht waren die ABC-Kräfte im Einsatz.

Warstein..  Für Donat Ahle, stellvertretender Stadtbrandinspektor, war es eine lange, schlaflose Nacht. Ein Brand in dem Galvanik-Unternehmen Gramm im Gewerbegebiet Puddelhammer hielten ihn und 350 Feuerwehr-Kameraden sowie Mitglieder von Rettungsdienst und Hilfsorganisationen in Atem. Die gute Nachricht: Mit dem Löschen des Feuers gegen 2.30 Uhr gab es auch keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung mehr. „Was jetzt noch besteht, sind die Umweltgefahren“, erklärte gestern Kreisbrandinspektor Thomas Wienecke.

Ein ABC-Zug kümmerte sich am Nachmittag um die Beseitigung der Chemikalien. Stellvertretender Stadtbrandinspektor Donat Ahle: „Wir müssen hochgradig vorsichtig sein, um nicht noch Verletzte zu produzieren.“ Das Gefahrstofflager wurde fast ausgeräumt, in allen Bereichen des Gebäudes wurden die konterminieren Stoffe ausgesaugt. „Der Umweltschutzeinsatz ist enorm“, so Ahle. Bis Mitternacht wurde gearbeitet. Bereits in Stellung gebracht sind zwei große Bagger, die heute Morgen das Dach herunterheben werden.

21.28 Uhr war die Feuerwehr am Donnerstagabend wegen des Brandes alarmiert worden. Als die Wehrleute dort eintrafen, brannte die Halle schon in voller Ausdehnung. Die Gefahr: Das Galvanik-Unternehmen, das auf die Beschichtung von Aluminium und Edelstahl spezialisiert ist, arbeitet mit unterschiedlichen Chemikalien. Wie diese miteinander reagieren, wenn Schadstoffe aus den großen Behältnissen austreten sollte, war nicht vorhersehbar. Landrätin Eva Irrgang rief um 22.10 Uhr die Großschadenslage aus.

Eine schwarze große Wolke hing über dem Firmengebäude und bewegte sich dann Richtung Suttrop und Kallenhardt weiter. „Messungen haben ergeben, dass sich in der Wolke Schadstoffe, wie gefährliche Nitrosegase, befanden“, erläuterte Wienecke. „Die Stoffe, die in der Halle gelagert werden, verändern sich im Verbrennungsprozess.“ Die Feuerwehr fuhr daher durch Suttrop und Kallenhardt, um die Bevölkerung vor den Giftstoffen zu warnen und sie aufzufordern, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Währenddessen kämpften die Wehrleute vor Ort darum, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen und dafür zu sorgen, dass dieses nicht auf das Fitnessstudio Energy übergriff. „Es ging darum, möglichst wenig Wasser und Löschschaum einzusetzen, da wir ein wesentliches Problem mit der Wäster hatten – je mehr man löscht, je eher hätte konterminiertes Wasser in die Wäster gelangen können“, erklärte Wienecke. Daher waren auch Experten der Umwelt- und Wasserbehörden im Einsatz.

Zunächst hatte man gedacht, dass es im Gebäude zu mehreren, kleinen Explosionen gekommen war, doch geht die Wehrspitze inzwischen davon aus, dass es sich bei dem mehrfachen Dröhnen aus der Halle um Galvanik-Behälter handelte, die umgefallen sind.

Straßensperrung bis in den Morgen

Nicht nur die Wehrleute aus dem gesamten Kreisgebiet sowie aus den Nachbarkreisen waren am Puddelhammer im Einsatz, auch Einsatzgegenstände, wie Masken und Filter, wurden von anderen Wehren angefordert. „Aufgrund der Schadstoffe mussten wir einen hohen Eigenschutz fahren.“ Auch Notärzte waren daher konstant vor Ort. Die Polizei verfolgte die Schadstoffwolke mit dem Hubschrauber.

Die Großschadenslage wurde erst um vier Uhr aufgehoben. Die Sperrungen der L735 zwischen Rüthen und Suttrop und der L776 zwischen Rüthen und Nuttlar wurden um fünf Uhr zurückgenommen. Auch die Sperrung auf der B55 zwischen Belecke und Warstein blieb bis in die Morgenstunden bestehen. Gestern wurde mit einem Statiker geprüft, ob man die Halle betreten kann, um die Schadstoffe in den Galvanik-Tauchbecken zu sichern, damit keine Chemikalien austreten können. Dies geschah mit Hilfe einer Drehleiter von oben, war das Dach doch teils weggebrannt, teils standen nur die Lichtkuppen offen.

Ebenfalls vor Ort waren Experten der Stadtwerke, der Bezirksregierung und des Ruhrverbandes, um zu klären, ob möglicherweise kontaminiertes Löschwasser in die Wäster und damit auch in die Kläranlage Belecke gelangt war. Stadtwerke-Ingenieur Jawad Kayed sagte unserer Zeitung in einem ersten Statement: „Wir haben in der vergangenen Nacht das kontaminierte Löschwasser gut abhalten können. Wir mussten vor allem den ph-Wert des Löschwassers kontrollieren, dass der nicht zu hoch ist. Bis jetzt sind in der Kläranlage keine erhöhten Werte gemessen worden.“

Dies konnte im Laufe des Freitags bestätigt werden. „Bislang haben wir keinerlei Auswirkungen auf der Kläranlage Belecke“, sagte Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbandes auf Nachfrage der WP, „unsere Mitarbeiter haben nachts Stichproben genommen und sind weiterhin vor Ort, um zu schauen, ob es Auswirkungen gib.t“ Die Brandursache ist weiterhin unklar. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.