208 russische Zwangsarbeiter von SS-Schergen ermordet

Erschießungen im Langenbachtal gegen Ende des Zweiten Weltkriegs: der damalige Bürgermeister Peter Struif an den aufgebahrten Leichen.
Erschießungen im Langenbachtal gegen Ende des Zweiten Weltkriegs: der damalige Bürgermeister Peter Struif an den aufgebahrten Leichen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Immer noch in Erinnerung vieler Warsteiner Bürgerinnen und Bürger sind die schrecklichen Ereignisse im März 1945, die in Warstein und Umgebung 208 russischen Zwangsarbeitern mit ihren Familien das Leben kosteten.

Warstein.. Mehr noch in persönlicher Erinnerung ist der Vorbeimarsch tausender Menschen an den aufgebahrten Leichen am 4. Mai 1945, als nach Entdeckung der furchtbaren Tat die amerikanischen Militärkommandanten alle Warsteiner zwangen, den Wahnsinn des NS-Regimes in Augenschein zu nehmen.

SS-Schergen ein Dorn im Auge

Hintergrund dieses schrecklichen Ereignisses in der jüngeren Geschichte der Stadt war die Anwesenheit des SS-Generals Dr. Hans Kammler und seines Stabes im Warsteiner Raum. Dabei werden wohl die zu Ende des Krieges auch den heimischen Raum trostlos durchziehenden Zwangsarbeiter den SS-Schergen ein Dorn im Auge gewesen sein, passte es doch nicht zur heldenhaften Selbstgenügsamkeit der arischen Rasse.

Schützenhalle angezündet

Mehrere hundert Zwangsarbeiter – Russen und Franzosen – waren in Suttrop und in der damaligen Schützenhalle auf dem Herrenberg untergebracht und fristeten dort ein ungewisses Dasein. Schon am 20. März 1945 lockte man hier 57 Personen mit dem Versprechen auf eine bessere Unterkunft in den Tod. Sie wurden im „Stein“ zwischen Suttrop und Körtlinghausen grausam hingerichtet, einen Tag später 71 Personen im Warsteiner Langenbachtal, wiederum am 22. März 80 Menschen in der Nähe von Eversberg. Das schaurige Ende sollte wohl durch das Anzünden der Schützenhalle gesetzt werden, die in jenen Tagen in Flammen stand und bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Unentdeckt blieben diese Mordaktionen, bis Ende April – Warstein war am 7. April 1945 von amerikanischen Soldaten besetzt worden – im Wald spielende Jugendliche auf den von Blut rot gefärbten Acker aufmerksam wurden. Die amerikanischen Streitkräfte entschieden, entsprechend ihres strategischen Vorgehens als Besatzungsbehörde, dass allen Warsteinern auch aus den umliegenden Orten das schreckliche Antlitz grausamer Tötungsaktionen durch ihre ehemaligen Machthaber drastisch vor Augen geführt werden sollte. Mitglieder der NS-Organisationen gruben die Leichen aus und bereiteten ihre Gräber, Blumen waren zu binden, um so den Geschundenen im Tod die letzte Ehre zu erweisen.

Schweigemarsch

Wohl an die 6000 bis 8000 Menschen gingen im Schweigemarsch am 4. Mai 1945 in das Warsteiner Langenbachtal; ihre Gräber fanden die 71 russische Ermordeten am „Melkeplätzchen“, wo ein Friedhof bis 1964 bestand, ehe man die Toten nach Meschede umbettete.

Vielleicht wäre der Ort der damaligen „Russengräber“ in Vergessenheit geraten, hätte man nicht zu Beginn der 1990er Jahre auf Initiative des damaligen Warsteiner Ortsvorstehers Wolfgang Brüggemann dort einen Gedenkstein enthüllt. Seit dieser Zeit mahnt er zur Achtung vor der Würde des Menschen, zur Absage von Krieg und Gewalt und zu Aufruf von Verständnis und Toleranz.

Nachdenklicher Blick zurück

Heute steht er im Mittelpunkt des nachdenklichen Zurückblickens auf Gewaltherrschaft, Krieg und eines schwierigen und belasteten Neuanfangs 1945.