13 900 Euro zu wenig für Gasthaus

Kein Käufer gefunden: Zu gering ist das Gebot für die frühere Pizzeria Valentin an der Harringhuser Straße.
Kein Käufer gefunden: Zu gering ist das Gebot für die frühere Pizzeria Valentin an der Harringhuser Straße.
Foto: Armin Obalski
Was wir bereits wissen
13 900 Euro – ein Betrag der gerade einmal die Gerichtskosten und die Forderung der Stadt Rüthen an ausstehenden Grundbesitzabgaben deckt – waren zu wenig. Auf diese Summe lautete am Freitag das einzige Gebot bei der Zwangsversteigerung des früheren Gasthauses an der Ecke Bahnhofsberg/Harringhuser Straße in Rüthen.

Rüthen.. Auf Antrag des Rechtsbeistandes der Volksbank Anröchte als die Zwangsversteigerung betreibende Hauptgläubigerin versagte die zuständige Rechtspflegerin den Zuschlag, was zugleich zu einer einstweiligen Einstellung des Verfahrens führte.

Leere Stuhlreihen

Die Rechtspflegerin, der Anwalt der Bank, ein Pressevertreter und ein junger Mann im Zuschauerraum: Das Interesse an der Zwangsversteigerung – aufgerufen wurde das Objekt bereits zum dritten Mal – hätte geringer kaum sein können. Auch wenn sich im Verlauf der 30-minütigen Bietzeit noch drei weitere Personen auf den Zuschauerstühlen Platz nahmen, änderte sich daran wenig, an der Zahl der Gebote gar nichts. 13 900 Euro wollte der junge Mann, der namens einer Immobiliengesellschaft aus Lippstadt handelte, für das traditionsreiche Haus zahlen. Zudem hätte eine eingetragene Grundschuld von 25 000 Euro, zu zahlen an die Volksbank Anröchte, beglichen werden müssen. Das 1924 erbaute Objekt hat zwar sicher schon bessere Tage gesehen, doch ein Gutachter hatte es immerhin auf einen Verkehrswert von 120 000 Euro taxiert.

Das Gebot lag damit nur wenige Euro über dem so genannten „zu zahlenden Teil des geringsten Gebotes“. Dieser setzt sich zusammen aus knapp 5800 Euro Gerichtskosten, die inzwischen aufgelaufen sind, und etwas über 8100 Euro an Grundbesitzabgaben, die bei der Stadt Rüthen noch offen sind. Hätte die Gläubigerin mitgespielt, hätte der Zuschlag von Gerichtswegen nicht versagt werden können, weil die Grenzen von sieben bzw. fünf Zehnteln des Verkehrswertes, die beim letzten Versuch der Zwangsversteigerung im Februar noch gegolten hatten, jetzt hinfällig waren.

Sie dienen im frühen Stadium solcher Verfahren dafür, dass Objekte verwertet, nicht aber verramscht werden können. Einen kurzen Augenblick sah es so aus, als würde der einzige Bieter sein Angebot erhöhen. Er hatte vor der Tür mit dem Anwalt gesprochen und dieser ihm signalisiert, dass die Bank bei einem Betrag X – die Summe wollte der Anwalt auf WP-Nachfrage nicht nennen – zu einer Übereinkunft bereit wäre. Als der Rechtsvertreter kurz vor Ende der Bietzeit den Interessenten auf diesen Umstand hinwies, blieb der Nachschlag aber aus. Der Zuschlag in Folge dessen aber auch.

Das Verfahren zur Zwangsversteigerung ruht und wird nur fortgesetzt, wenn die Gläubigerbank dies binnen sechs Monaten beantragt. Danach sieht es nicht aus. Ein Warsteiner Immobilienmakler, der einen Teil des Gerichtstermins verfolgte, erklärte am Rande: „Nun kann das Objekt endlich auf dem freien Markt angeboten werden.“ Er wird es wissen: Seine Firmenadresse hängt bereits in einem Fenster der ehemaligen Pizzeria.