Zwischen Wildbret und Klangschale

Vorsitzender Rolf Buchmüller, Geschäftsführerin Christa Münker und Forstamtsleiter Diethard Altrogge.
Vorsitzender Rolf Buchmüller, Geschäftsführerin Christa Münker und Forstamtsleiter Diethard Altrogge.
Foto: Waldland Hohenroth

Hohenroth..  Für Frauen: den Motorsägenführerschein oder das Mandala in der Sommernacht am Lagerfeuer. Auf dem Teller: die Birke im Salat oder das Wildbret. Unterwegs: eine Phantasiereise mit Klangschalen oder mit einem richtigen Revierförster in seinem Wald. Man muss Gegensätze aushalten im Waldland. „Da gibt es heftige Diskussionen“, plaudert Diethard Altrogge aus den Beratungen des Vereins, der Programm auf Hohenroth macht. „Wir wollen alle Bereiche bedienen.“

Über 60 Anläufe unternimmt der Waldland-Verein dazu auch in diesem Jahr. Vorsitzender Rolf Buchmüller und Geschäftsführerin Christa Münker stellen den Katalog mit den Kalender oben auf Hohenroth nicht allein vor. Diethard Altrogge, Leiter des Regionalforstamts, ist als stellvertretender Vorsitzender mit im Team. Zum Glück für den 300 Mitglieder starken Verein, der sich mit Unterstützung von zwei Teilzeit-Beschäftigten auf das Programm des Waldinformationszentrums konzentrieren kann, während das Land sich weiter um die Immobilien kümmert.

Jagen, Schmausen – und der Hunger

„Dem Verein geht es wirtschaftlich ausgezeichnet“, freut sich Altrogge. Dank potenter Förderer und Sponsoren, die auch schon mal ein komplettes Angebot finanzieren, zum Beispiel die Konzerte mit Philharmonie-Ensembles oder den jährlichen Salon, in dem es in immer neuen Varianten um nichts anderes geht als um die Frage, wie wir eigentlich leben wollen. In einer Welt, in der Kinder verhungern, obwohl es genügend Nahrung gibt, um die Weltbevölkerung gleich zwei Mal satt zu bekommen. „Jagen und Schmausen“ sollen und können Gäste auf Hohenroth, wo der andere Umgang mit Leben und Lebensmitteln stets auch Thema ist. „Es hat schon seinen Grund, warum sich die Menschen vom Fleisch abwenden“, sagt der Forstdirektor.

Schwerpunkte: Wald und Natur

Da sind sie wieder, die Widersprüche. Im Forsthaus, das 1854 als Königliche Revierförsterei errichtet und 1910 noch einmal neu gebaut wurde, gibt es keinen Förster mehr, seit 1999 die letzten jungen Forstbediensteten ihre Wohngemeinschaft aufgelöst haben. Jetzt betreibt Carmen Sting dort ihr Café und vermietet die Ferienwohnung. Ob an Jagdgäste oder an Familien, die mit ihren Kindern Zeit in der Natur verbringen wollen: „Die Wohnung ist die meiste Zeit ausgebucht“, weiß Diethard Altrogge. Der Stall hinter den Haus ist 2006 zum Waldinformationszentrum ausgebaut worden. Peter Lemke, der früh verstorbene Waldland-Patron, war dort der erste Förster; seine Nachfolgerin Christa Vitt-Lechtenberg hat das Land ins Forstamt nach Vormwald zurückgeholt.

Wald, Natur, Jagd: Das ist — sozusagen naturgemäß – der gesetzte Themen-schwerpunkt im Waldland mit seinem Hirschgehege und den, neben der zum Forsthaus führenden Gingko-Allee, mittlerweile fünf Themen-Wanderwegen. Spektakulärer Höhepunkt wird in diesem Sommer, am 27. Juni, die „Pfostenschau“ der über 50 Jagdhunderassen sein. „Wir versuchen, auch viele Hundefamilien zu kriegen“, verspricht Diethard Altrogge, der weiß, wie junges Publikum zu begeistern ist. Stöber-, Schweiß- und Vorstehhunde, Labradore und Retriever: „Ohne Hunde funktioniert die Jagd nicht“, sagt Altrogge. Um dieses Thema kommt Hohenroth nicht herum: Der jährliche Beitrag der Vortragsreihe „Jagd und Ethik“ gehört dem neuen, höchst umstrittenen Landesjagdgesetz. „Es ist an der Zeit, damit zu leben“, stellt Diethard Altrogge fest. Jagd, Forst, Waldbauernschaft, Tier- und Naturschutz sollen dazu an einen Tisch geholt werden.

Gesucht: die nächste Generation

Kindergeburtstagsfeiern oder geführte Walderkundungen für junge Leute kann jeder buchen, Schulklassen und Kindergärten können sich als „kleine Waldläufer“ anmelden. Für die Kleinen ist gesorgt. Das Angebot für die älteren Jugendlichen ist dagegen entwicklungsfähig. „Wir müssen denen was Spannendes bieten“, weiß Diethard Altrogge — der Verein sucht Wege, die nachwachsende Generation für eine gemeinsame Ideenfindung zu gewinnen. Schon im eigenen Interesse — damit Hohenroth auch sein nächstes Jahrhundert voll machen kann.

Uni Big Band und Philharmonie kommen

Neben den Angeboten zum Schwerpunkt Wald, Jagd und Natur mit Vorträgen, Seminaren und Exkursionen gibt es den Themenschwerpunkt „Kraftorte“ mit spirituellen Angeboten.

Extras auf Hohenroth: das Konzert mit einem Ensemble der Philharmonie Südwestfalen am 21. Juni, moderiert vom ehemaligen Intendanten Gernot Wojnarowicz; erstmals — am 16. August — die Uni Big Band; wiederum ein Waldgottesdienst (21. Juni); eine ganze Serie von Fotoworkshops.

Im Ausstellungsprogramm des Waldinformationszentrums: noch bis 29. März gemalte „Waldlandschaften“ von Karl Friedrich Wagener; Ralf Melcherts Fotografien „Frühling in Siegerland-Wittgenstein“ (3. April bis 28. Juni); „Wunderbare Welt in Filz und Farbe“(3. Juli bis 27. September); die Fotodokumentation „Moderne Forsttechnik in heimischen Wäldern“ (2. Oktober bis 10. Januar)