Zwischen Karibik-Urlaub und Konzern-Speisesälen

Darüber wurde in der Haushaltsdebatte im Netphener Rat auch noch gesprochen:
Wahlkampf: „Fairplay“ wünscht UWG-Fraktionschef Helmut Buttler, der dem Kampf um das Bürgermeisteramt „mit Spannung, aber gelassen“ entgegensieht. „Rustikale Gesundheit und guten Erfolg, damit Sie weitere fünf Jahre für das Wohl der Stadt arbeiten können“ — das gab SPD-Fraktionschef Manfred Heinz Bürgermeister Paul Wagener mit auf den Weg. Klaus Kopetzki (FDP), der Wageners Kandidatur 2009 noch unterstützt hatte, wähnte sich dagegen „unter Umständen“ in der letzten Haushaltsdebatte, „an der unser Bürgermeister Paul Wagener beteiligt ist“.
Persönliches: Um die Mehrheit für den Stellenplan zu retten, gab Bürgermeister Wagener nach. Auf Wunsch der CDU ist die Stelle von Bürgermeister-Referentin Anja Schmallenbach „künftig wegfallend“. „Was für ein Signal senden Sie da an die Mitarbeiterin?“, fragte Wagener. Nur das beste, antwortete Helga Rock (Grüne): Der Rat sichere sich so seinen Einfluss, damit Wagener die Stelle nicht selbstständig neu besetzen könne. Manfred Heinz (SPD) griff das Lob für den derzeit amtierenden Kämmerer Hans-Georg Rosemann auf. „Machtpolitisch eher provinziell“ sei da die Weigerung der Mehrheit, ihn zum Kämmerer zu wählen.
Ratssitzungen: Bürgermeister Wagener überraschte mit der Ankündigung, dass der Rat ein oder zwei Mal im Jahr in den Räumen eines Unternehmens tagen werde, erstmals im Mai im neuen Bombardier-Technikzentrum. „Ich werde diese Ratssitzung nicht besuchen“, kündigte Manfred Heinz (SPD) an, „ich möchte Sitzungen im Rathaus abhalten und nicht im Speisesaal eines international agierenden Konzerns.“
Facebook: In den Fußstapfen des früheren Landrats Paul Breuer wähnt Klaus Kopetzki (FDP) den Bürgermeister, er sei „mittlerweile fast ebenso häufig in den Medien präsent“. Kopetzki griff den von Wagener bei Facebook beförderten Schlagabtausch über den Karibik-Urlaub eines Stadtverordneten auf. „Nicht jeder will seinen Urlaub in einer Jugendherberge verbringen. Da muss auch schon mal die MS Aida reichen.“
Bahnhof Dreis-Tiefenbach: Wegen einer Bodenverunreinigung will der Kreis dort keinen Kindergarten mehr bauen lassen. Helmut Buttler (UWG) fordert für den Bereich „eine städtebaulich sinnvolle Lösung“. Bürgermeister Paul Wagener schwebt das Beispiel der Altlastensanierung auf dem Susan-Gelände vor, wo jetzt ein Wohnviertel entsteht. Damit sei aber das Kita-Problem nicht gelöst, mahnt Helga Rock (Grüne). Zwei Gruppen fehlen. Ein ausreichendes Angebot sei „zwingend“, um junge Familien für die Stadt zu gewinnen.