Zwischen Burg und Boot: Die Siedler sind da

Auf em Bauspielplatz wird nicht nur gebaut: Hier wird ein Rollenspiel gespielt.
Auf em Bauspielplatz wird nicht nur gebaut: Hier wird ein Rollenspiel gespielt.
Foto: WP

Hilchenbach..  Die Siedler sind schnell. Das ist beim elften Bauspielplatz im Alten Rathauspark nicht als bei den vorangegangenen zehn. Schon am Montagnachmittag sind die ersten Wände hochgezogen: bei der mexikanischen Burg, beim Saloon, beim Stall für das Bauspielplatz-Gestüt. Das Pferd — natürlich auch aus Holz – wird am Dienstag gebaut. Der Dackel, der den Stall bewachen soll, ist aber schon fertig geschnitzt. Mittlerweile in ein Boot verwandelt hat sich der als Wohnmobil begonnene Bau; sogar der Antrieb für das Wasserrad funktioniert schon.

Mit einem lautstarken „Ja“ haben die rund 65 Kinder am Morgen auf die Frage des Bürgermeisters geantwortet, ob sie sich denn in der ersten Ferienwoche gelangweilt hätten. Hans-Peter Hasenstab hat dann ganz schnell den Weg frei gemacht für die Siedler: In nullkommanichts war der Baumstamm auf dem Bock durchgesägt und der Luftballon geplatzt — noch bevor die Kinder so richtig mit dem Anfeuern begonnen haben.

Gäste und Ausflüge

„Ihr seid die Chefs“, erklärt Roman Mengel den jungen Bauleuten das Konzept. Erstmals gibt es kein vorgegebenes Thema – „wir sind gespannt, was die Kinder draus machen“, sagt der Jugendpfleger, der das Projekt gemeinsam mit seiner Kollegin Heike Kühn leitet. Diesmal ist der Platz in Quartiere eingeteilt: Nur im Norden und in der Mitte wird gebaut. Im Südviertel stehen der Bauwagen, in dem jeden Tag die Bauspielplatzzeitung entsteht und die Zelte für die Küche und für Kreatives. Die Spielwiese ist nur zum Spielen da.

„Hier ist die Erste-Hilfe-Station“, erklärt Natti, eine der 14 ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer, ihrer Gruppe bei der Führung übers Gelände. Obwohl: Wer sich an die Spielplatzregeln hält — die hängen aus und werden gleich auch noch vorgelesen — und im Zweifelsfall Jürgen Groll vom Baubetriebshof fragt, der als Fachmann die ganze Woche mit dabei ist, der wird kein Pflaster brauchen.

Jede Menge Gäste werden in den nächsten Tagen erwartet, bis am Freitagabend die Nachtwanderung die gemeinsame Übernachtung einleitet, der dann nur noch das Abschlussfest am Sonntag folgt. Die Landfrauen sind direkt am ersten Tag zum Waffelnbacken gekommen. Ein Schmied wird den Kindern das Nägelschmieden beibringen, und in der Jugendkunstschule lernen sie Upycling — aus Müll wertvollere neue Sachen machen. Eine Seilrutsche baut das Team der Jugendherberge auf. Ausflüge führen in den Müsener Stahlberg, zur Biostation und ins Freibad.

„Die sind überhaupt nicht hier wegzukriegen“, freut sich Heike Kühn am Nachmittag über die ungebrochene Lust am Bau: Die Mädels beginnen schon, ihr Gestüt anzumalen. Die Jungs konzipieren den Anbau für den Saloon, den sie jetzt Kneipe nennen. „Ist doch das gleiche“, weiß Luis. Manche Baustelle bekommt schon Einrichtungsgegenstände von den künftigen Nachbarn geschenkt – noch ist der Tausch von Ware gegen (Spiel-)Geld nicht erfunden im Alten Rathauspark.

Die Bauspielplatzzeitung berichtet: 37 fanden das Mittagessen „sehr gut“, 17 „gut“, 6 „befriedigend“. Fast kein Wunder: Karin Kinn von den Rothaarstuben hat Nudeln mit Soße gekocht. „Mama, nimm ihn mit“, hat Noah, der gleich in Bauarbeiterkluft und mit Werkzeugkoffer gekommen ist, noch am Morgen gerufen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Auch der kleine Bruder hat seinen Platz gefunden.

Viele Unterstützer ermöglichen das Ferienangebot

Für sieben Tage Bauspielplatz, einen mehr als früher, zahlen Eltern einen Beitrag von 60 Euro. Geschwisterkinder bekommen fünf Euro, Kinder mit der Familienkarte Plus 50 Prozent Ermäßigung. Die Verpflegung ist im Preis inbegriffen.

Schreinereien und Sägewerke überlassen dem Bauspielplatz Holz zu günstigen Preisen, manche Fuhre wird auch verschenkt. Auch der örtliche Baumarkt, andre Firmen, die Christian-Goswin-Stiftung und viele Privatleute fördern den Bauspielplatz.