Zweifel an Aussage der Zeugin

Der Amtsrichter sprach den Angeklagten frei vom Vorwurf der Vergewaltigung.
Der Amtsrichter sprach den Angeklagten frei vom Vorwurf der Vergewaltigung.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein 44-Jähriger Mann soll eine junge Frau vergewaltigt haben. Zweifel an ihrer Aussage sorgten dafür, dass das Gericht ihn freisprach.

Siegen..  Gewöhnlich beginnt Amtsrichter Uwe Stark Urteilsbegründungen mit dem Satz, „der Sachverhalt ist klar“. Die vielen Zweifel, die sich nach der Hauptverhandlung im Schöffengericht aufgetan hatten, brachten dem 44-jährigen Angeklagten am Dienstag aber einen Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung und Körperverletzung.

Es stehe nur fest, dass es in der Silvesternacht 2010 zum Geschlechtsverkehr zwischen dem Angeklagten H. und einer jüngeren Frau gekommen war, fasste Staatsanwalt Florian Linz zusammen. Die damals 19-jährige Frau war am 18. Januar 2011 zur Polizei gegangen, um H. anzuzeigen. Er sollte sie in einem Busdepot zum Geschlechtsverkehr gezwungen und den Beischlaf vollzogen haben. H. gab den Verkehr zu, „aber keine Gewalt!“ Dreimal sei es dazu gekommen, alles freiwillig.

Streit mit dem Ex-Freund

Die junge Frau war mit ihrem Freund in Eiserfeld in den vom Angeklagten gefahrenen Bus gestiegen. Während der Fahrt sei getrunken worden. Sie bekam Streit mit dem Freund, der so heftig wurde, dass der Fahrer eingriff und die Polizei rief. An der Siegerlandhalle stieg sie aus, der Freund auch, es kam zu Handgreiflichkeiten. Sie stieg wieder ein, der Freund blieb draußen, der Angeklagte fuhr sein angebliches späteres Opfer zum Bahnhof, wo die Polizei wartete.

Die Beamten beschrieben die junge Frau später als stark alkoholisiert. Sie habe abgelehnt, sich nach Hause bringen zu lassen und sei im Bus geblieben, sagte der Angeklagte. Er habe eine letzte Runde bis Kreuztal gemacht und den Bus zu seinem damaligen Arbeitgeber nach Niederfischbach gebracht. Dort habe sie die Hose heruntergelassen. Sie habe ihn aufgefordert, mit ihr nach Holland zu fahren, „um Zeug zu holen“. Am Morgen habe sie mit ihm „in Paris frühstücken“ wollen. Später seien Telefonnummern getauscht worden, er habe sie im neuen Jahr mehrmals getroffen, ihr Geld für Essen gegeben und sie Anfang Januar einmal zur Polizei gefahren. Vorwürfe habe sie ihm nicht gemacht.

Am Dienstag wiederholte die inzwischen 23-Jährige ihre Vorwürfe, allerdings mit deutlichen Unterschieden zu früheren Aussagen. In der Anzeige hatte sie erzwungenen Oralverkehr ausdrücklich beschrieben. Gestern verneinte sie auf Nachfrage des Staatsanwalts, dass es dazu gekommen sei.

Falsche Angaben in anderem Fall

Außerdem musste sie zugeben, dass sie ihren damaligen Freund noch in der gleichen Nacht hatte verhaften lassen. „Weil ich seine Gegenwart nicht mehr ertragen konnte“, begründete sie gestern, warum sie die Polizei verständigt und wahrheitswidrig ein Randalieren des Freundes behauptet hatte.

Der Freund sitzt mittlerweile in der JVA Attendorn. Er konnte wenig zur Aufklärung beitragen, allerdings bestätigen, dass er selbst Anfang 2013 Opfer eines Angriffs der Zeugin geworden war. All das sorgte für die Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

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