Zwei Stars in Paartherapie

Dahlbruch..  „Jeder denkt, es sei das Paradies, mit einem Star verheiratet zu sein. Das ist es aber nicht“, so klagte kürzlich Heather Mills über ihren Ex, Paul McCartney. Dann kann die Ehe von zwei Stars zur Hölle werden. Und Stars ihrer Zeit waren Clara und Robert Schumann unbestritten. Doch ihre Ehe war durch Konflikte und Rivalität belastet. Eine schwierige Beziehung, die auch durch eine Paartherapie nicht zu retten ist, wie die Besucher im Gebrüder-Busch-Theater merken sollen.

Beide können laut

Clara weiß: „Wir haben uns trübe Stunden selbst bereitet. Mich kränkt seine Kälte.“ Roberts Standpunkt: „Ein Frauenzimmer ist nicht zum Komponieren geboren. Claras Hauptberuf ist Ehefrau und Mutter.“ Eine Therapeutin kommt ins Spiel. Ihr Vorschlag, beide Musikgenies könnten als Team auftreten, war schon bei Claras erfolgreicher Tournee durch Russland gescheitert.

Der Streit eskaliert auch hörbar. Robert knallt bei Claras Klavierspiel den Deckel zu und schreit: „So spielt man nicht Schumann!“ Doch auch sie kann laut: „Ich weiß nicht mehr, wie ich spielen soll. Ich kann nicht mehr!“ Ein Drama. Parallelen zu Ike und Tina Turner, Abi und Esther Ofarim drängen sich auf. Doch dann kommt Brahms, das 20-jährige blonde Wunderkind der Musik aus Hamburg. Und der stößt bei beiden Schumanns auf Begeisterung. Brahms zieht bei Schumanns ein. Eine Musiker-WG entsteht. Doch die Harmonie ist von kurzer Dauer. Roberts Geisteskrankheit schreitet fort, zerstört nach und nach sein Gehirn. Und Clara? Die wird getröstet von Brahms. Am Ende die Versöhnung. Clara Schumann spielt Clara Schumann und Robert Schumann blättert die Seiten um. Robert Schumann stirbt kurz darauf an einem Nachmittag, ganz allein. Clara Schumann lebte noch 40 Jahre. Sie war bis ins hohe Alter als Pianistin aktiv.

Streckenweise albern

Sabine Fischmann und Thorsten Larbig stellen das Ehepaar Schumann dar, ihr Liebes- und Leidensdrama, nach Originaltexten, Briefen, Biografien und Krankenakten. Sie machen die gesamte Gefühlspalette zwischen Euphorie der Liebe und Rivalität und Eifersucht, zwischen der Romantik und der Realität des Tages lebendig. Nicht zu vergessen ihr großartiges Klavierspiel von Schumanns Werken über Chopin bis zu Johannes Brahms.

Dass der Abend nicht auf uneingeschränkte Begeisterung stieß, hatte konzeptionelle Gründe. Die vielen Sprünge in die Jetzt-Zeit über Alice Schwarzer, die Zeitschrift Brigitte bis hin zu Kleenex-Tüchern mögen noch als lustig durchgehen, doch die klischeehaft geleierten Weisheiten der Therapeutin und ihre albernen Psycho-Spielchen („Stellen Sie sich vor, Brahms wäre dieser Stuhl“) nervten am Ende nur noch. Das Thema als Zwei-Personen-Stück konzipiert hätte dem Duell-Charakter des Abends besser getan.