Zusammenarbeit mit Afrika soll gestärkt werden

Was wir bereits wissen
Unternehmen in Siegen-Wittgenstein und Olpe nehmen Afrika zu wenig als Markt wahr. Deshalb initiierte der Siegener CDU-Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein einen Afrika-Tag bei der IHK.

Siegen.. Man mag das Wort nicht mehr hören: Nachhaltigkeit. Was wird damit nicht alles etikettiert? Der Siegener CDU-Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein schreckt selbst ein wenig zurück. Und formuliert um: „Afrika braucht eine sich selbst tragende Entwicklung, die Jobs schafft und Steuerzahler bringt, mit deren Geld die Staaten die Infrastruktur entwickeln können.“ Und dazu braucht es seiner Überzeugung nach nicht nur Hilfe, sondern Wirtschaftsbeziehungen. Und weil er überzeugt ist, dass hierin auch für die mittelständischen Unternehmen Südwestfalens große Chancen liegen, hat Klein eine Veranstaltung angeregt, die gestern von der Siegener IHK ausgerichtet wurde: den Afrika-Tag.

Deutschland wickelt zwei Prozent des Handels mit Afrika ab

Der äthiopische Generalkonsul aus Frankfurt, Mehreteab Haile, der Botschafter Togos aus Berlin, Kwami Christophe Dikenou, und Sitwala Mapenzi, der Geschäftsträger Namibias waren angereist, um ihre Länder vor 30 Vertretern der regionalen Wirtschaft als lohnende Investitionsziele und Handelspartner anzupreisen. Und umgekehrt: IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener empfahl den Kammerbezirk, der die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe umfasst, als ein industrielles Herz Deutschlands im Grünen, bodenständig und global vernetzt. Und nicht völlig fremd auf dem schwarzen Kontinent: „30 unserer Unternehmen arbeiten bereits mit Partnern in Afrika.“

Insgesamt wickelt Deutschland allerdings bislang nur zwei Prozent seines Außenhandels mit Afrika ab, gab Friedrich Kitschelt, Staatssekretär im Bundesentwicklungsministerium zu bedenken. Zu wenig, denn: „In Afrika entscheidet sich die Zukunft der Menschheit, hier liegen perspektivisch riesige Konsumentenmärkte.“

„Nach Deutschland verkaufen wir Kaffee und Schnittblumen"

Was heute schon funktioniert, erläuterte Hubertus Graf von Plettenberg von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), einer KfW-Tochter, die Kredite, Beratung und Begleitung für Investitionen anbietet. Zum Beispiel für eine Fruchtsaft-Produktion in Kenia, die 30 000 Kleinbauern Arbeit gibt und eine deutsche Abfüllanlage bestellt hat. Zum Beispiel für ein sehr großes deutsches Zementwerk in Namibia. Oder für ein Berliner Start-up, das in Tansania kleine Solaranlagen verleast. Von den 1,5 Milliarden Euro, die die DEG 2014 vergeben hat, gingen 416 Millionen nach Afrika: „Der Anteil ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und liegt jetzt bei 28 Prozent.“

Afrika boomt? Teilweise. In Äthiopien hat sich das Pro-Kopf-Einkommen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Das jährliche Wirtschaftswachstum lag bei durchschnittlich 10 Prozent. Die Lebenserwartung hat sich fast verdoppelt. Es gibt 25 Millionen Mobiltelefone.

„Nach Deutschland verkaufen wir Kaffee und Schnittblumen und importieren Maschinen“, sagt Generalkonsul Haile. „Wir wollen mehr Handel und Investitionen.“ In Landwirtschaft, Chemie, IT, Energie, Bergbau, Tourismus, Bau, Gesundheit und Bildung. Eigentlich überall. Die Bedingungen seien großartig.

Kulturelle Verbindungen

Letzteres betonen auch die Vertreter Togos und Namibias. Botschafter Dikenou präsentiert den Hafen der Hauptstadt Lome als Tor zu Westafrika, Diplomat Mapenzi betont die kulturellen Verbindungen zu Deutschland und die hohe Lebensqualität. Aber was geht wirklich? Das müssen viele weitere Gespräche zeigen. Ein Netzwerk soll erst entstehen. „Ich setze auf die langfristige Wirkung“, erklärt Klein. Und benutzt dann noch so einen überstrapazierten Begriff: „Wir haben eine absolute Win-Win-Situation.“ Könnte sogar stimmen.

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