„Zu viel Langeweile, das tut nicht gut“

Burbach..  In der ehemaligen Siegerlandkaserne leben derzeit 300 Flüchtlinge, vor einem Jahr waren es bis zu 750. Ab Mai soll die bisherige Notunterkunft zu einer Erstaufnahme-Einrichtung werden. Dann können die Asylanträge direkt vor Ort bearbeitet werden. Hubert Multhaup vom Deutschen Roten Kreuz ist Leiter der Einrichtung.

Was hat sich nach den Übergriffen im vergangenen Jahr getan?

Hubert Multhaup: Wir haben eine Maximalbelegung von 500 Menschen. Das ist wichtig. Denn wenn sechs Leute in einem Zimmer leben, das nur für vier ausgerichtet ist, fliegen einfach schneller die Fäuste. Da waren viele Probleme hausgemacht. Auch weil die Menschen keine Aufgabe hatten. Zu viel Langeweile, das tut nicht gut.

Was tun Sie gegen die Langeweile?

Wir haben viele Angebote, die wir machen. Natürlich wollen wir die Menschen, die ja zum Teil eine mehrmonatige Flucht hinter sich haben, auch zur Ruhe kommen lassen. Aber Beschäftigung ist wichtig. Wir haben eine Nähstube, die ist auch gleichzeitig ein Frauencafé . Die Bewohner haben einen Sportraum eingerichtet, das ist mit gespendeten Geräten eine richtige kleine Mucki-Bude geworden. Da haben die Bewohner gestrichen und renoviert. Sie helfen auch jetzt bei der Renovierung von Zimmern, beim Ein- und Abdecken der Tische oder sie sammeln Müll rund um die Einrichtung. Die meisten Bewohner sind dankbar für die Beschäftigung, und das kommt auch nach außen gut an.

Hat sich das Image der Einrichtung in der Gemeinde verbessert?

Eindeutig ja. Wir haben hier keine höhere Einsatzrate der Polizei als in Burbach selbst. Und es gibt Unterstützung und Spenden von vielen Seiten. Aber die gesamte Flüchtlingsarbeit hat ein Problem mit der Außendarstellung. Wir müssen den Leuten einfach klar machen, dass viele der Menschen, die jetzt irgendwo im „Asylantenheim“ leben, später für unsere Rente sorgen.

Die Übergriffe 2014 waren zwar vor Ihrer Zeit, aber können Sie etwas zu den Ursachen sagen?

Das hatte sicher auch etwas zu tun mit der hohen Belegungszahl. Aber das war ja auch ein Problem der Security-Kräfte. Die müssen für die Aufgabe geschult sein. Und dann kann ich nur noch einmal wiederholen, dass entsprechende Freizeitangebote fehlten. Ohne Langeweile wären viele der Konflikte gar nicht erst aufgetreten.

Was können Sie der Politik im Umgang mit den Flüchtlingen raten?

Insbesondere die Kommunen sollten darauf achten, dass sie ihre Einrichtungen da bauen, wo auch die Menschen sind und nicht zwei Kilometer außerhalb. Außerdem sollten man das in NRW geplante Beschwerde-Management für Flüchtlinge überdenken. Es sorgt schon im Vorfeld für Unmut bei den Betreuern, wenn die Kollegen sich gegenseitig kontrollieren sollen. Da muss eine neutrale Stelle her.