Zeitzeugen beflügeln den Geschichtsunterricht

Siegen..  Lebendige Vergangenheit, dies stand nunmehr auf dem Lehrplan der Schule im Fach Geschichte in der Jahrgangsstufe zehn. Mitglieder des Siegener Seniorenbeirates, verstärkt durch einen weiteren Vertreter der älteren Generation, brachten jüngste Geschichte lebendig, anschaulich und nachhaltig in den Erfahrungshorizont der jungen Leute. Thematischer Rahmen waren Kriegsende und unmittelbare Nachkriegszeit, kalter Krieg sowie erste ausländische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland.

Klaus Müller, Jahrgang 1934, kann sich noch genau an die Schrecken des 16. Dezember 1944 erinnern; zugleich war dies der Geburtstag seines Vaters.

Lebendige Erinnerungen

„Es hatte schon Entwarnung gegeben, und wir waren alle erleichtert, als aber dann plötzlich Vollalarm ausgelöst wurde. Kurze Zeit später war die Stadt ein einziges Feuermeer, und vor meinen Augen stürzten brennende Kirchtürme und mehrstöckige Häuser ein. Zahlreiche Gebäude brannten lichterloh, und wir hörten verzweifelte Schreie von Menschen in Todsangst“.

„Trotzdem“, so Klaus Müller, „erging sich der großdeutsche Rundfunk weiterhin in Durchhalteparolen mit Blick auf den Endsieg. Wir wussten es allerdings besser, weil wir heimlich einen englischen Nachrichtensender gehört hatten, was mit der Todesstrafe bedroht war.“

Viele Ereignisse des Kalten Krieges waren noch tief in der Erinnerung der Zeitzeugen verwurzelt, insbesondere der Einsatz sowjetischer Panzer gegen wehrlose Demonstranten in Ostberlin, die brutal niedergeschlagenen Aufstände in Polen und Ungarn, und schließlich der Bau der Berliner Mauer . „Ich habe uns eben eingemauert,“ so zitierte einer der Zeitzeugen den authentischen Bericht eines jungen Maurergesellen, welcher dies am Abend des 13. August tränenüberströmt seiner Familie eingestand.

Viele Fragen

Erste ausländische Arbeitnehmer in Deutschland, dieses Thema hatte Premiere auf der Agenda des Zeitzeugenprogramms. Mit Alfonso Lopez-Garcia, Mitglied im Siegener Seniorenbeirat, stand ein Mann der ersten Stunde Rede und Antwort. An die triste und entbehrungsreiche Zeit der Franco-Diktatur, verbunden mit polizeistaatlichem Gebaren, kann er sich noch recht genau erinnern.

Die vielen Fragen und positiven Rückmeldungen durch Schüler und Lehrerschaft ermutigen mit Nachdruck zu Fortsetzung, Erweiterung und Vertiefung derartiger Zeitzeugenprojekte. In derartigen Veranstaltungen konkretisiert sich ein zentrales Anliegen des Siegener Seniorenbeirates, nämlich Alt und Jung in einem förderlichen Sinne zusammen zu bringen.