Zeit verschenken für ein Lächeln
26.10.2011 | 16:34 Uhr 2011-10-26T16:34:00+0200
Hilchenbach.„Jetzt würfeln Sie mal eine Sechs, Herr Stenger“, fordert Dominik seinen Nebenmann auf, der im Rollstuhl sitzt. Joachim Jäger ist da kompromissloser. „Beim Spielen wird keine Rücksicht genommen.“ Jäger ist schon Rentner („Ich habe Zeit“), Dominik Elezi besucht die achte Klasse der Hauptschule. Beide verbindet in dieser Woche ein gemeinsamer Auftrag: Sie gestalten Spielnachmittage im Alloheim-Seniorenzentrum.
„Wenn die Frau Grebe ruft, dann komme ich“, sagt Joachim Jäger. Und sie hat gerufen, die städtische Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement. Elf Menschen, jung und alt, sind dem Hilchenbacher Aufruf zur vierten „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ gefolgt. „Schön, dass sich so viele gemeldet haben“, sagt Inge Grebe, die ihren Auftrag eigentlich den Hartz-IV-Gesetzen verdankt: Mit der Erfindung der Jobcenter wurde Arbeitskapazität im Sozialamt frei...
Manchmal genügt der
Anruf beim Nachbarn
„Die Frau Henstorf kann gut würfeln“, instruiert Marion Utsch, Mitarbeiterin im Alloheim-Sozialdienst, eine der jugendlichen Assistentinnen, „nur sehen kann sie fast gar nichts.“ Da ist es hilfreich, die gewürfelte Farbe laut anzusagen. „Mir macht das Spaß, etwas zusammen mit älteren Menschen zu machen“, erklärt Eva-Maria Bauer, warum sie, die Neuntklässlerin, die Nachmittage ihrer ersten Herbstferienwoche im Seniorenzentrum verbringt. „Es ist schön, die alten Menschen lächeln zu sehen“, fügt ihre Klassenkameradin Verena Schmitz hinzu.
Inge Grebe hofft, dass sie auch am Ende dieser Woche ihre Liste mit Helferinnen und Helfern wieder verlängern kann. Gebraucht werden sie für alle möglichen (Not-)Lagen: Mal ist ein Fahrdienst zum Krankenhausbesuch zu organisieren, mal müssen Kartons für den Umzug ins Altenheim gepackt werden. Bei der Vermittlung ist Inge Grebe erfinderisch, wenn sich nicht auf Anhieb ein Ehrenamtler anbietet: „Ich wende mich an die Vereine, und einmal habe ich auch einfach in der Nachbarschaft angerufen.“ Jeweils mit Erfolg. „Die meisten bieten an, mit alten Leuten einkaufen zu gehen – dabei wollen die das gar nicht.“ Das überstandene Abenteuer im Supermarkt ist schließlich auch ein Beweis, dass man seinen Alltag selbstständig meistert.
Schneeschieben
will niemand
„Immer mit der Ruhe“, protestiert eine Dame am Tisch, als das Spielgeschehen eine gewisse Hektik entwickelt. Bei „Mensch ärgere dich nicht“ hört der Spaß natürlich auf. Die andere Gruppe hat sich heute aufs Würfeln konzentriert. Herr Stenger legt, Dominiks Aufforderung zum Trotz, eine mickrige Eins hin. Vielleicht kommt morgen ja die Memory-Variante „Damals“ zum Zuge. Doris Brunke, gerade als Schulsekretärin von Stift Keppel in Pension gegangen und nun engagierte Ehrenamtlerin, würde zu gern wissen, was den jungen Leuten am Tisch zu dem Schreibmaschinen-Bilderpaar einfällt.
Inge Grebe ist stolz auf ihre Hilchenbacher: Gerade für alte Menschen wird bürgerschaftliche Unterstützung wichtiger. „Nicht alle können für Hilfeleistungen bezahlen“, weiß sie – und ahnt, dass sie schon bald wieder Hilferufe bekommt, für die sie keine Lösung hat. Es fehlt an Ehrenamtlern fürs Schneeschieben.
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