Zeckenbiss – ein Fall für den Arzt

Siegen..  Nach dem milden Winter steigt mit der wärmeren Jahreszeit die Aktivität der Zecken an. Der „gemeine Holzbock“ ist auch in unserer Region weit verbreitet. Der Mensch ist in seiner Eigenschaft als Wirt für die Zecke nur ein Ersatz für die eigentlichen Wirtstiere wie Maus, Igel, Kaninchen oder Reh. Entgegen dem Irrglauben fallen Zecken nicht von Bäumen, sondern lassen sich von Grashalmen oder Sträuchern abstreifen oder laufen zu ruhenden Personen im Gras. Auf den Körpern ihres Wirts laufen sie zu Stellen, an denen sie gut an das Blut herankommen. Dort beißen sie sich fest, saugen über Stunden und lassen sich dann voll gesogen wieder abfallen.

FSME und Borreliose

„Der Biss einer Zecke an sich ist nicht gefährlich, doch können diese Tierchen verschiedene Erkrankungen übertragen. Bei uns in Europa sind dies die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose“, so Dr. Simon Danckworth, Oberarzt an der DRK-Kinderklinik Siegen und niedergelassener Kinderarzt in Freudenberg. „Die FSME ist eine Viruserkrankung, die ähnlich einer schweren Grippe abläuft und schwere neurologische Ausfälle zur Folge haben kann. Sie tritt jedoch nur in begrenzten Gebieten in Europa auf (südlich der Mainlinie und Osteuropa) und kann durch rechtzeitige Impfung wirkungsvoll verhindert werden.“ Die Borreliose sei eine bakterielle Erkrankung, die europaweit auftrete und deren Erreger in der Regel erst nach einer Saugdauer von etwa 24 Stunden übertragen würden.

Falls es nach einem Zeckenbiss zu einer Übertragung von Borrelien gekommen ist, können Erkrankungen der Haut, der Hirnhäute und der Gelenke entstehen, sehr selten sind auch andere Organe betroffen, so der Mediziner weiter. Folgeerkrankungen, wie eine Hirnhautentzündung oder eine Gelenkerkrankung, treten Wochen bis Monate nach dem Zeckenbiss auf, sind aber selten und heilen bei einer antibiotischen Therapie fast immer folgenlos aus. Dennoch mussten alleine in der Kinderklinik in 2014 mehr als 30 Kinder und Jugendliche entsprechend an den Folgen eines Zeckenbisses durchaus aufwändig stationär behandelt werden.

Eng anliegende Kleidung tragen

„Wenn man eine Zecke an sich oder einer anderen Person entdeckt, sollte diese in Ruhe entfernt werden, indem sie möglichst nahe über der Haut mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenzange gegriffen und mit gleichmäßigem Zug aus der Haut entfernt wird“, erläutert Dr. Danckworth. Sollte das Mundwerkzeug in der Haut stecken bleiben, sei dies nicht gefährlich, da es sich lediglich um einen kleinen Fremdkörper in der Haut handele, „ähnlich einem Splitter im Finger“. Weiterhin empfiehlt er, die Bissstelle bis zu vier Wochen zu beobachten, um auf Hautveränderungen mit einem Besuch beim niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt reagieren zu können.

Ein Zeckenbiss ist kein Notfall und in der Regel nicht schlimmer als ein Mückenstich. Die Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden können, sind die Ausnahme. Zur Vorbeugung von Zeckenbissen empfehlen die Kinderärzte vom Wellersberg bei längeren Aufenthalten im Freien – vor allem im Bereich der Beine – eng anliegende Kleidung zu tragen. Zudem ist es sinnvoll, seine Kinder und sich selbst nach einem längeren Aufenthalt im Grünen nach Zecken abzusuchen.