Zahlen können sich sehen lassen

Netphen..  Nach und nach nähern sich die Kassenstürze der Gegenwart. Dem Rat hat die Verwaltung jetzt den Jahresabschluss für 2012 vorgelegt — den wohl auf längere Zeit letzten, der dank guter Steuereinnahmen noch einmal wie 2008 mit einem Überschuss abschließt. Um rund 660 000 Euro übertreffen die Erträge die Aufwendungen, so dass am Ende des Bilanzjahres 2012 vorübergehend sogar noch einmal die Ausgleichsrücklage aufgefüllt werden konnte – ein Bilanzposten, den viele andere Kommunen längst nicht mehr haben.

Zurückhaltung bei Investitionen

Damit wird es aber auch in Netphen schon auf absehbare Zeit vorbei sein. 2013 gehen zwei Millionen weg, 2014 weitere acht, mehr als vorher geplant. Abgebucht wird nun von der Allgemeinen Rücklage, dem wichtigsten Bestandteil des städtischen Kapitals. Rund 76 Millionen waren das, als die Stadt 2008 erstmals Inventur machte, weil sie nun wie ein Unternehmen rechnen und bilanzieren soll („Neues Kommunales Finanzmanagement). Ende 2015 werden davon noch 60 Millionen übrig sein.

Unter dem Strich betrug die Bilanzsumme 2012 noch knapp 201 Millionen Euro, fast zwei Millionen weniger als im Jahr zuvor. Das liegt daran, dass die Stadt mehr Vermögen abgeschrieben als neu beschafft hat. Das spiegelt sich auch in der Investitionsquote von nur knapp 55 Prozent: Gerade einmal die Hälfte des durch Alter oder Verkauf verlorenen Wertes ist wieder ersetzt worden.

Das Vermögen der Stadt besteht zu 98 Prozent aus Grundstücken, Gebäuden, Maschinen, Fahrzeugen und technischen Anlagen. Nützlich in Zeiten knapper Kassen ist das nicht. „Da eine Veräußerung kommunaler Vermögensgegenstände häufig nur sehr eingeschränkt möglich ist, muss beachtet werden, dass fast das komplette Vermögen der Stadt als nur schwer liquidierbar gilt“, heißt es im Lagebericht. Zumindest 2012 war die Stadt aber noch flüssig genug. Die Kassenkredite wurden zurückgeführt, zum Jahresende war noch fast eine Million auf dem Konto.

Andere Kennzahlen dieses Jahresberichts lassen die Stadt gut aussehen. Mit einem Eigenkapital von über 34 Prozent oder, wenn die für neue Investitionen bereits gebildeten Sonderposten hinzugerechnet werden, von fast 69 Prozent ist Netphen durchaus noch kreditwürdig. Über dem Durchschnitt aller Kommunen liegt Netphen mit einer Steuerquote von 65 Prozent — das heißt, dass fast zwei Drittel aller Ausgaben durch eigene Steuereinnahmen und damit unabhängig von staatlichen Zuschüssen bestritten werden.

Wirtschaftsprüfer gehen ans Werk

Direkt zu Beginn des neuen Jahres wird die von der Stadt beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Bilanz prüfen. Noch in der ersten Jahreshälfte soll dann die Bilanz für 2013, bis zum Ende des Jahres für 2014 folgen. Damit läuft Netphen nicht mehr Gefahr, dass die Stadt nur deshalb in den Nothaushalt abrutscht, weil sie mit ihren Bilanzen im Hintertreffen ist — ein Schicksal, das in diesem Jahr einigen Kommunen droht, weil das Innenministerium Verzögerungen beim jährlichen Kassensturz nicht mehr hinnehmen will.