Wortgewandte Beiläufigkeiten mit Torsten Sträter

Torsten Sträter in der Kreuztaler Stadthalle.
Torsten Sträter in der Kreuztaler Stadthalle.
Foto: Michael Kunz
Was wir bereits wissen
„Hier war ich noch nicht“, brummt Torsten Sträter ins Mikrofon. Dann lässt er die Lichter in der Stadthalle hochfahren und äugt kritisch ins proppenvolle Auditorium.

Kreuztal..  „Das ganze Dorf ist da“, grinst er. Die Leute sind begeistert.

Der Dortmunder mag noch nicht in Kreuztal gewesen sein. Die Region ist ihm nicht fremd. Als 2009 der NRW Poetry Slam erstmals in Siegen gastierte, war Torsten Sträter auch dabei. Er gewann mit einem launisch-überzogenen Text über die Zeit bis zum Auftritt. Genau diesen Stil pflegt der inzwischen 48-Jährige immer noch. Aber er liest nicht mehr, oder zumindest kaum noch. Heute ist alles spontan und – zumindest scheinbar – ohne Sinn und Konzept. Torsten Sträter startet sein Programm mit einem angeblichen Soundcheck und frotzelt ein wenig die Leute aus der ersten Reihe an. Damit hat es aber auch schon begonnen, was er als „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ überschrieben hat und was, wie alles bei dem Typen aus dem Ruhrpott, nicht so ganz ernst genommen werden darf.

Sprachlich auf höchsten Niveau

Denn Sträter lässt sich garantiert durch nichts aus der Ruhe bringen, verbringt zwei Stunden im superrelaxten Plaudermodus, veräppelt sich selbst und die Leute in der Halle und sorgt für durchgehend gute Stimmung.

Dabei sagt er im Grunde nichts, davon aber reichlich und sprachlich immer auf dem höchsten Niveau. Der gesamte Abend besteht aus einer Aneinanderreihung persönlicher Erlebnisse und Erfahrungen, mehr oder weniger schönen Erinnerungen an die Jugend in den 70ern, mit Tri Top und Erfrischungsstäbchen, alles furchtbar eklig, wie er dem 15-jährigen Adrian in der ersten Reihe immer wieder versichert. Nur die Leckmuscheln, die seien toll gewesen, sagte er – um dann in diesem Zusammenhang ins leicht frivole abzugleiten. Das reicht schon wieder, um einige in der Halle vor Entzücken geradezu keifen zu lassen. Andere sind hörbar erkältet. „Vielen Dank, husten Sie ruhig vor Begeisterung ab“, schüttelt Torsten Sträter lakonisch aus dem Mundwinkel. Er ist der klassische „Stand-up-Comedian“, kann auf alles sofort mit einem Gag oder Spruch reagieren, mit unverkennbaren und vor allem unüberhörbaren Wurzeln im Ruhrgebiet; der Kerl, der am Stammtisch irgendwelche absurden Geschichten erzählt und den es plötzlich auf die große Bühne verschlagen hat.

Erbe von Tegtmeier

Sträter ist ein Erbe von Tegtmeier und Rainer Brandts Synchronkalauern, könnte auch einer Geschichte von „Pott-Regisseur“ Adolf Winkelmann entsprungen sein. Aber der Typ mit der merkwürdigen Strickmütze, der es in seinem Diättagebuch schafft, minutenlang über seine Willenskraft bei der geplanten Reduzierung seines nicht ganz unauffälligen Körperumfangs zu schwadronieren, um dann alles mit einem „Scheiße, sie haben Torte“ ad absurdum zu führen, ist vor allem eines. Echt. Wer ernsthaftes Kabarett sucht, wird bei Torsten Sträter nicht fündig. Zwei Stunden besseren Humor zu finden, ist aber derzeit in Deutschland gar nicht so einfach.

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