Wolfgang Burbach hält die Erinnerung wach
19.09.2011 | 18:15 Uhr 2011-09-19T18:15:00+0200
Siegen. Dass der Prophet im eigenen Lande wenig gilt, ist eine so neue Erkenntnis nicht. Selten aber hat das alte Sprichwort so lange und so gut gepasst, wie beim Verhältnis der Stadt Siegen zu den Brüdern Busch. Vielleicht lag es ja am – fiktiven - Fluch von Emmy Göring, den Magnus Reitschuster am Ende seiner Farce „Busch-Brüder oder Karajans Bräune“ ausstoßen lässt: „Jeder soll Karajan kennen in Zukunft, aber keiner, keiner die Buschs.“
Diese Verwünschung sei beinahe in Erfüllung gegangen, konstatierte Dr. Knut Lohmann einen Tag nach der erfolgreichen Premiere der neuen Apollo-Eigenproduktion im Rahmen einer kleinen Feierstunde anlässlich des 60. Todestages Fritz Buschs und des 120. Geburtstages von Adolf Busch in diesem Jahr.
Es gebe immer noch viel zu tun in Sachen Erinnerung; bis dahin müsse all jenen gedankt werden, die das Andenken der Brüder dem Vergessen entrissen hätten und es pflegten: „Die sich das vorgenommen haben und die dabei nie ermüden.“
Die große Wende im Siegener Bewusstsein datierte der Redner vom 20. Oktober 2001, als Magnus Reitschuster mit dem Vorgänger seines neuen Stückes, „Busch-Brüder oder Die Heimkehr“ im alten Apollo-Kino das erste Mal die Vergangenheit ins Bewusstsein brachte. 1949 war Adolf Busch erstmals seit Ende der 1920-er Jahre wieder in seine Heimatstadt gekommen und wurde als internationaler Künstler gewürdigt, der die große Welt ins kriegsgebeutelte Siegerland brachte.
Gründe der Emigration
wurden verschwiegen
Auch der Ausnahmedirigenten Fritz Busch wurde öffentlich gefeiert, erinnerte Dr. Knut Lohmann. Doch gleichzeitig wurden die Gründe für die Emigration verharmlost, beziehungsweise übergangen. Dennoch sei der Auftritt Adolfs zum großen Erfolg geworden, ein weiterer geplant. Diese zweite Rückkehr scheiterte aber am Geld, an bitteren und peinlichen Streitigkeiten, führte der Festredner weiter aus.
1951 machte der Tod Adolf Buschs weitere Bemühungen überflüssig: „Und danach waren die Beziehungen zwischen der Stadt Siegen und der Familie Busch beendet. Zumindest erst einmal“. Höchstwahrscheinlich wären Fritz und Adolf Busch sowie auch ihre anderen begabten Brüder in Siegen heute endgültig vergessen, hätte nicht Wolfgang Burbach seit den 1960-er Jahren in Dahlbruch mit Kraft und Entschlossenheit an ihrem Gedenken gearbeitet, lobte Lohmann den Mann, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Feststunde teilnehmen konnte.
Dem müsse eigentlich in Siegen ein Denkmal gesetzt werden, hatte zuvor schon Alt-Bürgermeister Ulf Stötzel als Vorsitzender des Freundeskreises der Busch-Brüder unter großem Beifall über Wolfgang Burbach gesagt und gleichzeitig seine Freude zum Ausdruck gebracht, dass dieser nach einer schweren Krankheit glücklicherweise wieder auf dem Weg der Besserung sei. Wolfgang Burbach habe ihn selbst mit der Geschichte der Buschs bekannt gemacht und mit dazu beigetragen, dass die Stadt Siegen die Brüder „heimgeholt“ und in vielerlei Hinsicht geehrt habe.
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