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Wohnraum für Ältere wird knapp

25.10.2011 | 19:20 Uhr
Wohnraum für Ältere wird knapp
Armut im Alter: Immer mehr ältere Menschen werden in kleinere Wohnungen umziehen müssen. So sparen sie Miete und Heizkosten. Doch gerade Senioren-Wohnungen sind Mangelware.

Siegen-Wittgenstein.Rund 2350 Rentner werden im Jahr 2020 im Kreis Siegen-Wittgenstein auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Pestel Instituts zum Thema Wohnen im Alter. Mit der Zunahme der Altersarmut gehen spezifische Anforderungen an den Wohnungsmarkt einher: Denn für die Seniorinnen und Senioren mit schlechter finanzieller Ausstattung sind kleine, möglichst barrierefreie und vor allem bezahlbare Wohnungen erforderlich, von denen es aktuell allerdings noch zu wenige gibt.

„Die Tendenz stimmt, wir werden uns vom Grundsatz her auf diese Problematik einstellen müssen“, sagte Reiner Jakobs, Programmleiter der Zukunftsinitiative „Leben und Wohnen im Alter“ des Kreises Siegen-Wittgenstein gestern auf Anfrage.

Das Pestel Institut mit Sitz in Hannover hat die Untersuchung im Auftrag der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ vorgenommen. In dieser haben sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG-BAU), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen. Für den Kreis Siegen-Wittgenstein spricht die Studie bis zum Jahr 2020 von einer Zunahme der Altersarmut um 117 Prozent. Als Ursachen nennt sie „gebrochene Erwerbsbiografien“: Phasen von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und dauerhaft geringfügige Beschäftigung seien für sinkende Rentenbezüge bei immer mehr Neurentnern verantwortlich.

Diese Begründungen seien „unstrittig“, wie Jakobs bestätigt, entsprechend häufig nicht mehr ausreichende Mittel für Lebensunterhalt und Miete die Folge. In der hiesigen Region käme verschärfend hinzu, dass die für diese Gruppe primär in Betracht kommenden Wohnungen mit einer Größe bis zu 50 Quadratmetern auch bei Studenten sehr gefragt seien. „Wenn wir irgendwann zu wenig Wohnraum in dieser Größe hätten, müssten wir größere Wohnungen anmieten“, sagt Jakobs mit Verweis auf die von der Grundsicherung lebenden Senioren. Die Kosten dafür müsste die öffentliche Hand tragen, wodurch deren Budgets überplanmäßig belastet würden.

Ein anderer wichtiger Faktor ist der im Kreisgebiet hohe Anteil an Eigenheimen, die klassischerweise einerseits eben nicht in kleine Einheiten gegliedert und andererseits nur selten barrierearm ausgebaut sind. Letzteres möchte die Initiative „Leben und Wohnen im Alter“ durch die so genannte Wohnanpassungsberatung verändern. Über die Senioren-Service-Stellen der Städte und Gemeinden, aber auch über die Sozialakteure sollen Bürgerinnen und Bürger, die im Rentenalter sind oder sich darauf zubewegen, rechtzeitig über Aus- und Umbaumöglichkeiten informiert werden. Ein Ziel der Zukunftsinitiative ist nach eigenem Anspruch, dass Menschen so lange wie möglich in ihren vertrauten vier Wänden bleiben können.

Für auf Grundsicherung angewiesene Senioren sind Eigenheime natürlich keine Option. „Darum müssen wir uns mit den Wohnungsgesellschaften zusammensetzen“, sagt Jakobs. „Die Tendenz ist, auf kleinere Wohneinheiten zurückzugehen.“ Rechtzeitige Abstimmungen lägen im Interesse aller Beteiligten. Immobilienbesitzer und Vermieter, egal ob Gesellschaften oder Privatpersonen, hätten langfristig Interesse daran, für ihre Objekte Mieter zu finden. Jacobs: „Und wir wollen langfristig Wohnraum erhalten.“

Das Problem sei erkannt, so der Fachmann. „Neben der Seniorenmobilität ist der Seniorenwohnraum in ländlichen Bereichen eines der zentralen Themen in den kommenden Jahren.“

Florian Adam

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