Wo Kunstwerke kommunizieren

„Weder hier noch dort, weder Fisch noch Fleisch“ heißt die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst, die aus zwei Ausstellungen besteht. In beiden Fällen geht es darum, wie Kunstwerke miteinander kommunizieren – und wie sie es individuell mit dem Betrachter tun.
„Weder hier noch dort, weder Fisch noch Fleisch“ heißt die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst, die aus zwei Ausstellungen besteht. In beiden Fällen geht es darum, wie Kunstwerke miteinander kommunizieren – und wie sie es individuell mit dem Betrachter tun.
Foto: WP
Im Museum für Gegenwartskunst rücken zwei junge Kuratorinnen den individuellen Zugang zur Kunst in den Mittelpunkt: „Weder hier noch dort, weder Fisch noch Fleisch“.

Siegen..  Die abgedroschene Frage „Was will uns der Künstler damit sagen?“ bezieht im Museum für Gegenwartskunst (MGK) Dresche. In der Ausstellung „Weder hier noch dort, weder Fisch noch Fleisch“ müsste die Frage eher lauten: „Was wollen uns die Kuratorinnen damit sagen?“ Und auch die wäre irgendwie falsch gestellt, denn „sagen“ wollen Angela Jeradi und Antonia Lotz eigentlich nichts; vielmehr wollen sie, dass der Betrachter selbst erkennt.

Die Präsentation in Zusammenarbeit mit dem Atelier- und Ausstellungszentrum Schloss Ringenberg in Hamminkeln folgt einer strikten Konzeption, die um Offenheit kreist. „Museen erzählen einem oft, wie Dinge zu interpretieren sind“, sagt Antonia Lotz. Zwar gebe es Fakten zu Kunstwerken – etwa das Geburtsjahr des Künstlers, aus dem Betrachter bewusst oder unbewusst einen Kontext herleiten – aber das Kuratorinnen-Duo ist dafür, Objekte für sich selbst sprechen zu lassen. „Alles kann auch auf andere Art erklärt werden“, sagt Lotz. Das erspare dem Publikum zudem Enttäuschungen, ergänzt Jeradi – weil niemand sich ausgeschlossen fühlen soll, sofern er die offizielle Lesart nicht nachvollziehen kann oder will.

Individuell Verbindungen entdecken

Die Werke sollen aber nicht nur für sich selbst und mit dem Betrachter sprechen, sondern auch miteinander. Lotz und Jeradi wählten sehr treffsicher Bilder und Objekte aus, die zueinander auf vielerlei Ebenen in Beziehung treten, und verwendeten höchste Sorgfalt bei deren Positionierung im Raum.

Ein auf bedruckten Stoff gemaltes Motiv von Sigmar Polke hängt im rechten Winkel zu einer Fotografie von Candida Höfer aus einem Raum voller Stoffe. Eine aus Karton gebaute Rohrkonstruktion im Stil einer Lüftung von Charlotte Posenenske steht in Sichtweite eines Industrieanlagen-Fotos von Bernd und Hilla Becher. Ein Stück weiter gibt es Aufnahmen von Kohlbeeten von Simone Nieweg, die durch den Kontrast zu den Industriebauten damit in Verbindung treten. Und der kleine Hügel von Kitty Kraus, der auf einer Metallplatte stehend einen dünnen Wasserstrahl in Richtung einer Glaswand schießt, weckt in Siegen fast automatisch Assoziationen an den Monte Schlacko – wiederum passend zum Industriegelände.

Texte einer imaginären Erzählerin führen den Besucher durch die Ausstellung. Wie der damit umgeht, bleibt ihm selbst überlassen. Auch die Wahrnehmung des Gesamtarrangements ist freigestellt – obwohl es eine strukturelle Besonderheit gibt. Eigentlich ist „Weder hier noch dort, weder Fisch noch Fleisch“ nämlich nicht eine einzige Ausstellung. Es sind zwei. Nur dass der zweite Teil erst am 31. Mai auf Schloss Ringenberg eröffnet wird.

Überschneidungen in Raum und Zeit

Show 1, wie die Kuratorinnen es nennen, speist sich aus Beständen des MGK. „Eine ganz erstaunliche Sammlung“, betont Jeradi. Show 2 besteht aus vier Arbeiten, die extra für das Projekt angefertigt wurden. Beide Präsentationen teilen sich denselben Raum, kommunizieren so ebenfalls miteinander. Und die Durchgänge in Siegen und Hamminkeln werden sich zeitweise überschneiden, also den Beziehungsrahmen räumlich noch weiter ausdehnen.

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