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Wie das Trinkgeld in der Gastronomie verteilt wird

12.03.2016 | 09:13 Uhr
Wie das Trinkgeld in der Gastronomie verteilt wird
Fünf bis zehn Prozent Trinkgeld zahlen die Deutschen für guten Service.Foto: Alexander Volkmann

Siegen.   In vielen Gaststätten gibt es Regelungen, wie das Trinkgeld unter dem Personal verteilt wird. Die Solidarität unter den Beschäftigten ist groß. Gäste können allerdings auch selbst bestimmten, wer das Geld erhalten soll.

Jeder kennt sie, diese Situation, wenn die Rechnung kommt und der Kellner mit erwartungsvollem Blick das Portemonnaie zückt. Wie viel Trinkgeld ist angemessen und kommt der „Bonus“ wirklich bei der Bedienung an? „Grundsätzlich darf die nette, flinke Servicekraft das Trinkgeld behalten“, sagt Lars Martin vom Hotel- und Gaststättenverband Südwestfalen. Trotzdem sei das leckere Essen ja nun einmal von der Küche zubereitet worden: „Es ist ja nicht nur die Servicekraft die, die die Leistung erbringt.“

Unter Kollegen gibt es Solidarität

Rechtlich gesehen gehört das Trinkgeld nicht zum Arbeitsentgelt. Es wird als persönliche Zuwendung definiert, die aus einer bestimmten Motivationslage freiwillig erbracht wurde. Das bedeutet, dass allein der Kellner einen Anspruch auf seine „Zuwendungen“ hat und diese auch nicht teilen muss. In der Praxis würden Küchen- und Thekenkräfte also leer ausgehen.

Trinkgeld erhalten oft nur die Servicekräfte. Foto: Tom Thöne

Üblich sind daher Pauschalbeträge oder bestimmte Prozentsätze, die die Servicemitarbeiter an ihre Kollegen abgeben müssen. „Die Solidarität unter den Beschäftigten ist da aber meist sehr groß“, erklärt Isabell Muhrer, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Südwestfalen.

Zum Beispiel werden im Irle Brauhaus in Kaan-Marienborn pro Servicekraft pauschal drei Euro an die Mitarbeiter in der Küche und zehn Prozent an die Thekenkräfte abgegeben. Ähnlich läuft das auch bei Ketten wie dem Café und Bar Celona.

Es gilt, eine optimale Lösung zu finden

Lars Martin kategorisiert drei Varianten, wie Arbeitgeber mit dem Trinkgeld verfahren können. „Jeder behält, was er kassiert“, sieht er als eine nicht ganz faire Variante. Besser sei die Option, einen Mitarbeiter zum „Trinkgeldbeauftragten“ zu machen und so zu gewährleisten, dass die Angestellten unter sich eine optimale Lösung für das Verfahren mit den Zusatzgeldern finden. „Ich rate immer zur zweiten Variante, damit der Chef sich nicht die Finger verbrennt“, sagt Martin.

Die dritte Möglichkeit ist, dass der Arbeitgeber eine Regelung vorgibt. Wichtig sei vor allem, vor dem Beginn des Arbeitsverhältnisses ein klärendes Gespräch zu führen. Vor allem seit dem Mindestlohn ist die NGG Südwestfalen auf viele Fälle aufmerksam gemacht worden, bei denen der Arbeitgeber das Trinkgeld einzieht, da der Lohn sich ja erhöht habe: „Das Trinkgeld darf nicht mit dem Mindestlohn verrechnet werden“, sagt Muhrer dazu. Falls so etwas passiere, müsse der Angestellte sich wehren: „Da gehört eine Menge Mut zu, aber da ist man ganz klar auf der sicheren Seite.“

Ebenso klar geregelt ist das Gesetz in Bezug auf Steuerfragen. Ob Troncs – die Trinkgeldkassen beim Roulette – in Spielbanken, Metergeld beim Möbeltransport oder der Toilettengroschen – das Geld muss versteuert werden. Es gilt, dass Trinkgelder, auf die der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat, zum normalen Arbeitslohn dazugezählt werden müssen. Solange jedoch freiwillig aufgerundet wurde, ist das Trinkgeld steuerfrei.

Es gibt keine Trinkgeld-Pflicht

Doch nicht nur für den Kellner gibt es Richtlinien, auch auf der anderen Seite des Tisches kann für einen fairen Ablauf gesorgt werden. In Bezug auf Art und Weise gilt: „Man kann, muss aber nicht.“ Üblich sind in Deutschland fünf bis zehn Prozent; man ist aber keine Rechenschaft schuldig, wenn einem der Service keinen zusätzlichen Cent wert war.

In Deutschland sind fünf bis zehn Prozent Trinkgeld üblich. Foto: Detlev Kreimeier

Generell gilt: „Wenn ich möchte, dass die Küche profitiert, dann sollte ich das offen ansprechen“, erklärt Muhrer. Im gegenteiligen Fall kann man durch klare Aussagen sicherstellen, dass nur eine spezielle Servicekraft die persönliche Zuwendung erfährt. „Wenn einem wirklich der Tag versüßt wurde, kann man ruhig sagen: Das ist nur für Sie“, so Martin.

Isabelle Weber

Kommentare
17.03.2016
14:32
Wie das Trinkgeld in der Gastronomie verteilt wird
von Spatenklopper | #1

Wie wäre es denn mit Kategorie 4?

Es wird eine gemeinsame Kasse eingerichtet und daraus unter allen Angestellten gleichmäßig aufgeteilt.

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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/wo-das-trinkgeld-wirklich-ankommt-id11643776.html
2016-03-12 09:13
Trinkgeld, Gastronomie, Solidarität, Bonus, Kellner, Bedienung
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