Wissenschaftler erforscht das Heimatgefühl in Südwestfalen

Die Burg Altena im Rücken machen sich die Verantwortlichen symbolisch auf den Weg, die Menschen nach ihrem Lebensgefühl zu fragen: Tobias Scheidt (Lehrstuhl für neue und neuere Geschichte der Uni Siegen), Ute Plato, Susanne Thomas und Detlef Krüger (Fachbereich Kultur und Tourismus Märkischer Kreis) (von links).
Die Burg Altena im Rücken machen sich die Verantwortlichen symbolisch auf den Weg, die Menschen nach ihrem Lebensgefühl zu fragen: Tobias Scheidt (Lehrstuhl für neue und neuere Geschichte der Uni Siegen), Ute Plato, Susanne Thomas und Detlef Krüger (Fachbereich Kultur und Tourismus Märkischer Kreis) (von links).
Foto: FUNKE Foto Services
Forschungsprojekt geht dem Gefühl der Menschen für Südwestfalen auf den Grund. Biografien sollen Aufschluss über die Liebe zur Heimat liefern.

Altena/Siegen.. Rückblick: MerianHeft „Sauerland“ aus dem Jahr 1977. Die ersten Sätze im Vorwort:

„Ein Land der Superlative ist das Sauerland nicht. Der Reiz liegt im Kleinen. So weiß man zwischen Olpe und Brilon, Meschede und Laasphe, was man den vielen Gästen, die im Sommer und Winter hierherkommen, schuldig ist. Die Städte und Dörfer sehen aus, als erwarteten sie stündlich neue Besucher: Alles wirkt geordnet, aufgeräumt, sauber.“

Fast vierzig Jahre sind die Formulierungen alt. Kein Wort über die Menschen, die hier leben und arbeiten, kein Wort über ihr Gefühl für die Heimat, kein Wort über ihre Werte. Tobias Scheidt, Historiker am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Siegen, will es genauer wissen.

Umfassender Fragenkatalog

Der 30-jährige Wissenschaftler, er stammt aus Niederfischbach im Kreis Altenkirchen, sucht das Gespräch mit Menschen, die hier leben. „Wir wollen die Mentalität der Menschen erforschen.“

Mit einem umfassenden Fragenkatalog rückt er in die Haushalte aus: Fühlen Sie sich zu Hause in ihrem Dorf? Warum sind Sie in die Region gezogen? Wodurch zeichnet sich ihre Region aus? Was wäre in der Region zu verbessern? Kindheit, Jugend, Freizeit, Werdegang und Zukunftswünsche werden eingehend im Interview beleuchtet.

Besonders interessant sind die Zugezogenen

„Die Menschen sollen aus ihrem Alltag erzählen“, sagt Susanne Thomas, Projektleiterin Kulturregion Südwestfalen. „Die persönlichen Geschichten sind es, die andere berühren.“ Wer wird gefragt? „Diejenigen“, so die 43-Jährige, „die ihren Weg im Ort über ihr ehrenamtliches Engagement gefunden haben. Ganz gleich, ob sie immer dort gewohnt haben oder zugezogen sind.“ Von den Antworten versprechen sich die Beteiligten, mehr über das Lebensgefühl in der Region zu erfahren. Warum? „Weil es nicht genügt, es über die üblichen Attribute wie bodenständig, ehrlich, aufrecht und strebsam zu beschreiben.“ Die eigene, die persönliche Geschichte macht aus ihrer Sicht den Unterschied bei der Suche nach dem Lebensgefühl in der Region aus.

„Besonders interessant sind diejenigen, die nicht hier aufgewachsen sind“, ergänzt der Historiker. „Sie haben ein anderen Blick, denken mehr über ihr Zuhause nach.“

Ob er schon erste Erfahrungen gesammelt hat? „Wenn man direkt auf sie zugeht, reden die Leute. Sie haben viel zu sagen und öffnen sich ohne Filter im Kopf.“ Charakteristisch sei es, den persönlichen ehrenamtlichen Einsatz nicht „an die große Glocke“ hängen zu wollen und ihn kleiner zu machen, „als er es verdient“.

Touristisches Profil schärfen

Ziel des Projektes ist es am Ende, die Ergebnisse für das touristische und kulturelle Marketing zu nutzen. Susanne Thomas: „Wir wollen das touristische Profil Südwestfalens mit dem Menschenbild schärfen, das die Teilnehmer mit ihren Geschichten buchstäblich malen.“ Mit den gesammelten Unterschieden und Gemeinsamkeiten soll ein ein Gemälde entstehen, das mehr über die Identifizierung der Menschen mit Südwestfalen sagt als jede trockene Theorie.

Menschen als lebende Zeitzeugen sollen helfen, Südwestfalen als Lebensgefühl zu begreifen. Die letzte Frage, die beantwortet werden muss, heißt: Was gefällt Ihnen besonders gut in der Region?

Susanne Thomas antwortet prompt: „Das Zusammenspiel der Menschen gefällt mir. Niemand schottet sich ab.“ Beispiel? „Wer Naturschutz kann, dem ist auch der Gesangsverein nicht fremd. Das tut dem Lebensgefühl hier gut.“ Im besagten Merian-Heft hat man das am Ende des Vorworts offenbar geahnt. Hier heißt es:
„ (dem Feriengast) k.“ Weitblick.