Willy Astor bei Kultur Pur - Ein rattenscharfer Verb-Brecher

Willy Astor zeigt sich beim Kultur Pur Festival ganz begeistert von der Atmosphäre: „Ich habe noch nie mit so vielen Menschen gezeltet.“
Willy Astor zeigt sich beim Kultur Pur Festival ganz begeistert von der Atmosphäre: „Ich habe noch nie mit so vielen Menschen gezeltet.“
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Willy Astor lässt bei Kultur Pur im Zelttheater mit seinen Kalauern die Stühle wackeln. Er stellt sich als rattenscharfer Verb-Becher beim Festvial auf dem Giller vor.

Hilchenbach.. Irgendwann steht Willy Astor auf der Bühne und schaut seinen gelben schlauen Ordner durch. Es herrscht gespannte Stille im großen Festzelt auf dem Giller. Das Publikum wartet auf einen neuen Witz des Wortakrobaten, der sich selbst als Verb-Brecher und Vers-Sager bezeichnet. Er stockt und blättert zurück. Dann lacht der schlaksige Kabarettist und murmelt durch das Mikrophon: „Ist das bescheuert.“

KulturPur Und bescheuert ist es wirklich manchmal, wenn Willy Astor über Germanys Next Topmodel und ihren „Klumfuß“ flachst und behauptet, der Lieblingsdichter der Models in Size Zero wäre Albrecht „Dürrer“. Wortakrobat wird er genannt und das zu Recht. Ganz allein steht er auf der Bühne, nur Keyboards und Gitarren unterstützen sein Programm „Reim Time“. Ganz salopp und lässig verzieht er keine Miene und haut einen Kalauer nach dem anderen raus. „Es gibt da ein neues Mittel für Menschen ab 80. Creme Atorium heißt das. Garantiert mit feuerfestem Deckel, hält für die Ewigkeit.“ Das Publikum johlt.

Mit Gitarre begeistert

„Rattenscharf ist der“, sagt ein Mann in Reihe vier und seine Frau klatscht begeistert. Die Stühle wackeln regelrecht. Nur manchmal, da braucht das Publikum ein bisschen um den Witz zu begreifen, so schnell feuert der Kabarettist ein Wortspiel nach dem anderen heraus. Dann herrscht kurz Stille, bevor das Publikum erneut pfeift. Irgendwann greift Willy Astor zur Gitarre. Mit einem überraschenden Hüftschwung stimmt er umgedichtete Songs auf Willy Astor-Art an. So der bekannte Song von Abba: „Ich hoffe du freust dich, wenn ich mit dir bei Esso ess“ oder der Klassiker „Sexbomb“, in dem ein Zahnarzt dem Hai eröffnet, er benötige „Sechs Blomb“.

Den Zuhörern bleibt kaum Zeit im Rythmus zu klatschen, so schnell wechselt er von einem Song zum anderen, singt über das „Pubertier“ und spielt ein wenig afrikanischen Reggae. Willy Astor bringt intelligenten und spontanen Jux, wobei dieser sehr viel eher zündet, als die einstudierten Witze, die manchmal platt klingen.

KulturPur Mit Mimik arbeitet er nicht, er überzeugt durch seine ulkige Wortakrobatik und seine Fingerfertigkeit an der Gitarre. Zwischen manch vorrauszusehendem Gag findet sich im Programm von Willy Astor auch immer wieder eine Überraschung. Ganz zum Schluss aber sind die Siegerländer selbst dran. „Ich hab gehört, sie rollen das ‘R’ wie die Amerikaner“, sagt er zum Publikum und im gleichen Atemzug: „Sonst haben Sie aber keine Probleme, oder?“ Ein paar Lacher später verabschiedet er sich. „Ich hab schon meinem Manager gesagt, wie toll das Publikum hier ist. Kann man Sie buchen?“

Applaus, Applaus für diese Liebeserklärung. Und was hat man an diesem Abend noch gelernt? Der Siegerländer kann herrlich selbstironisch sein.

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