Willkommen und Abschied

Hornistin Lisa Erchinger
Hornistin Lisa Erchinger
Foto: Wolfgang Leipold

Siegen..  Siegerland Sängerland, Sauerland Bläserland. So werden die Musikvorlieben von Sieger- und Sauerländern oft beschrieben. In der Tat: Viele Siegerländer können sich die Qualität und die Vielseitigkeit der Bläserensembles jenseits der Krombacher Höhe nicht vorstellen. Alle denkbaren musikalischen Tugenden zeigte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Olpe unter der letztmaligen Leitung Michael Nassauers im Apollo-Theater eindrücklich.

Marsch muss sein. Dies gebietet die Tradition des Musikzugs. Ein deutscher Präsentiermarsch und ein englischer Königsmarsch zum Auftakt. Aber nicht Humba, Humba, sondern rhythmisch sauber, dynamisch und differenziert ausgespielt, fernab von allen Musikklischees. Direkt danach ein Höhepunkt des Abends: „Makassar“, eine Komposition von Alexander Reuber, dem Sohn des langjährigen Dirigenten Gerhard Reuber und Flügelhornisten im Orchester.

Von Helden und Halunken

Zart beginnt ein Horn-Solo (Lisa Erchinger), fast zaghaft beantwortet von den Klarinetten, bis dann das gesamte Orchester mit seiner symphonischen Wucht hinzukommt. Es wird rhythmisch vertrackt, wenn die Makassar-Ebenhölzer das Kommando übernehmen. Das Holzgeklapper wird immer lauter, stampfender. Das musikalische Feuer donnert bis unter die Decke des Theaters, bis dann die Hörner mit sanften Harmonien all die Aufregung glätten. Wo nimmt nur der junge Olper Musiker Phantasie und klangliche Erfahrung für eine solch beeindruckende Komposition her?

Auch Musik kann erzählen, so wie Romane. „Moby Dick“ ist solch ein Klassiker. Kapitän Ahabs Jagd nach dem weißen Killerwal, da er ihn einst zum Krüppel machte, hat viele junge Leser in Atem gehalten. In der sinfonischen Dichtung „Ahab“ schlüpft Jan Vering, Musikdramaturg des Apollo-Theaters, in die Rolle des rachsüchtigen Kapitäns. Vering findet einen Duktus voller Spannung und Energie, in fast irrem Verfolgungswahn Kommandos brüllend.

Daneben wieder Resignation und tiefe Verzweiflung: „Wenn wir nicht Moby Dick zu Tode hetzen, hetzt uns Gott zu Tode.“ So wird der Text zu einer Abrechnung mit der Welt, zu einer Bilanz seines Lebens. Und das endet abrupt, denn der Wal reißt seinen Verfolger mitsamt der Mannschaft in die Tiefe des Ozeans.

„Von Helden und Halunken“ heißt das Programm. Dazu gehören die unverwechselbaren Melodien der „Star Wars“-Filme ebenso wie das Krimi-Medley eines halben Jahrhunderts vom „Stahlnetz“ bis zum „Tatort“. Jede Menge Fernseh-Leichen in Schwarz-Weiß werden eingeblendet. Außerdem ein Wiedersehen mit Erik Ode, der mit Dackelblick nach seiner Sekretärin Rehbein ruft und danach einen Übeltäter verhaftet. Damals tragen Kommissare noch Anzug und keine Schalke Fan–Schals.

Grenzen überwinden

Ein Leckerbissen für Cineasten ist „Brassed Off“. Die Brass-Band einer stillgelegten Zeche in Mittelengland gewinnt einen Wettbewerb in der Royal Albert Hall in London. Bei dieser Filmmusik beweist Alexander Reuber auch seine solistischen Fähigkeiten. Wie schön klingt doch sein Flügelhorn: Butterweich, kuschlig wie ein Merinoschal.

Das Konzert sollte Grenzen überwinden: Das Kölsche Heck zwischen dem Sauer- und Siegerland, aber auch zwischen Zuwanderern, von denen hundert besonders eingeladen worden waren, und Einheimischen. Ein noch nicht sehr sprachgewandter junger Zuwanderer brachte den Abend auf den Punkt: „Geil!“