Wilhelm Schöler - Zuhause in einem Schmuckstück

Wilhelm Schöler bietet Führungen für Schüler und Gäste in der Nenkersdorfer Mühle an. Schon als Kind hat er Getreidesäcke geschleppt.
Wilhelm Schöler bietet Führungen für Schüler und Gäste in der Nenkersdorfer Mühle an. Schon als Kind hat er Getreidesäcke geschleppt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wilhelm Schöler ist aus Nenkersdorf nicht mehr wegzudenken: Er teilt Anekdoten aus seiner Kindheit und erzählt, wie es war, als sein Dorf Gold holte.

Nenkersdorf.. Einmal im Jahr ging es für die Kinder der Sonntagsschule Nenkersdorf zum Lahnhof. Mit dem Traktor und mit Onkel Willi. Onkel Willi, der die Sonntagsschule leitete, den jedes Kind im Dorf kannte und der nicht mehr wegzudenken ist aus seinem Dorf.

Onkel Will führt duch die Nenkersdorfer Mühle

Jetzt schließt Onkel Willi, eigentlich Wilhelm Schöler, die Nenkersdorfer Mühle auf, mit einem Schlüssel, der für die grobe Tür viel zu zierlich wirkt. „Das ist eine alte Mühle aus dem 13. Jahrhundert, heute im Besitz der Familie Weber. Der letzte Müller war Friedhelm Weber“, erklärt er.

In der Mühle ist es kälter als draußen in der Sonne. Im Eingangsbereich stehen Stühle um einen alten Mahlstein herum. In der Ecke steht ein Radio, das noch aus den 50ern übrig geblieben scheint. Wilhelm Schöler setzt sich auf einen der Holzstühle und beginnt von seinem Dorf zu erzählen, ein Dorf, das er liebt und aus dem er sich selbst nicht wegdenken kann: „Ich habe schon als Kind den Getreidesack in die Mühle gebracht. Damals war Lina Weber die Müllerin im Ort.“

Er erinnert sich an viele Einzelheiten, an die Schule in Grissenbach, die einen evangelischen und einen katholischen Raum hatte, an die Mühle, die damals mehrere Dörfer mit Mehl versorgte und an das Glockengeläut der Viehherde, das aus den Wäldern ins Dorf klang.

„Früher trieb der dörfliche Hirte das Vieh in die umliegenden Wälder. Da war die Hude und der Hirte, der mittags um zwölf Uhr los ging, hat die Kühe gesammelt und dort hingetrieben und sie dort gehütet“, erzählt er. Damals hätten die Kühe ein echtes Siegerländer Schellengeläut gehabt, mit 24 Glocken. Die große Schelle, die Eichschelle, habe immer die Leitkuh getragen.

Schöler erzählt Anekdoten aus der Kindheit

„Wenn die Sturm läutete... Das heißt, wenn die Herde im Wald in ein Wespennest geraten war und durchging, dann gab es kein Halten mehr, und die kamen erst wieder im nächsten Wiesental zum Stehen.“ Wilhelm Schöler lacht. Er hat die Hände in seinem Schoß gefaltet, erzählt nur einige Anekdoten aus seiner Kindheit, bis er wieder zurück auf sein Dorf kommt, Nenkersdorf.

Medaillen im Dorfwettbewerb haben Nenkersdorfer geprägt

„Für unser Dorf war es natürlich etwas Besonderes, als wir 1975 an dem Wettbewerb ‘Unser Dorf soll schöner werden’ teilgenommen haben“, sagt er. Er selbst war federführend an dem Wettbewerb beteiligt, arbeitete früher in der Amtsverwaltung sowie bei der Großgemeinde und war für den Tourismus sowie für die Dorfverschönerungen zuständig. „Da haben wir natürlich besonderen Wert darauf gelegt, gut abzuschneiden und wurden dann direkt Kreissieger.“

Noch im selben Jahr nahm Nenkersdorf am Landeswettbewerb teil und gewann eine Silbermedaille. Zwei Jahre später war es die Goldmedaille. „Die erste, die je im Siegerland vergeben wurde“, sagt Wilhelm Schöler stolz. Auch beim Bundeswettbewerb gab es Silber. Der Ort sei damals ein Schmuckstück gewesen. Er erinnert sich daran, dass die Bundeskommission damals zum Überprüfen der Sauberkeit immer hinter die Häuser gegangen sei und irgendwann verwundert festgestellt habe, dass es dort sauberer gewesen sei als vor den Häusern.

Hintergrund „Wir haben alles gezeigt und nichts ausgespart. Das hat die Dorfgemeinschaft natürlich geprägt“, sagt der 75-Jährige. Die Dorfgemeinschaft sei sehr intakt, bei Verschönerungsarbeiten mache jeder mit. Selbst die Kleinsten würden schon dafür sorgen, dass Zigarettenschachteln nicht einfach auf die Straße geworfen werden.

„Jemand hat eine Zigarettenschachtel achtlos weggeworfen. Ein kleiner Junge hat gesagt: Onkel, das macht man bei uns nicht.“ Wieder lacht Wilhelm Schöler laut und erhebt sich. Onkel Willi will noch durch die Mühle laufen, erklären, wie das Mehl damals gemahlen wurde, so wie er es seinen Sonntagsschülern immer erklärte.

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