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Körperschmuck

Diskussion: Wie viel "Blech im Gesicht" verträgt der Job?

04.03.2016 | 18:40 Uhr
Diskussion: Wie viel "Blech im Gesicht" verträgt der Job?
Die Haarfarbe nicht ganz naturnah, Piercings an drei Stellen, extrem geweitete Ohrläppchen - eine hübsche, modische junge Frau oder katapultiert sie sich so aus dem Berufsleben? Die Ansichten sind geteilt.Foto: Daria Zuykova

Siegen/Olpe.   Unternehmer Henning Zoz löst Diskussion um Erscheinungsbild junger Leute aus. Experten sagen: Es kommt auf den Job an. Und: Es geht um Umgangsformen.

So viel Wirbel hat lange keine Einladung mehr ausgelöst. Der Wendener Unternehmer Henning Zoz hatte, wie berichtet, Siegener Schülern die Teilnahme an einem Symposium für Nanotechnologie angeboten – allerdings nicht „Menschen mit bunten Haaren, Blech im Gesicht“ und solchen, die „die Hose kaum auf den Hüften halten können“. Seitdem hat sich vor allem in den sozialen Netzwerken eine lebhafte Diskussion entwickelt. Zustimmung und Ablehnung halten sich die Waage. Wir haben nachgefragt: Welche Rolle spielen Körperschmuck und Frisuren heute in der Arbeitswelt?

Der Arbeitsrechtler

Hintergrund
Firma lädt Schüler ein - aber nicht mit bunten Haaren

Das Schreiben der Olper Zoz-Gruppe irritiert viele Schulen: Nachwuchsforscher sind eingeladen – aber nur, wenn sie weder Piercings noch bunte Haare...

„Ein Arbeitgeber kann Bewerber mit Tattoos und Piercings dann ablehnen, wenn er ein berechtigtes Interesse hat“, sagt Christof Böhmer, Rechtsanwalt der Düsseldorfer Kanzlei ABW. Eine Bank etwa kann einfordern, dass ihre Angestellten keine Piercings tragen, damit das Kundenvertrauen nicht geschädigt wird. In Branchen, in denen kein Kundenkontakt gepflegt wird, hat das Argument keine Relevanz. Das gilt ebenfalls, wenn der Körperschmuck des Bewerbers nicht sichtbar ist.

Die Berufsberaterin

„Wir haben selten Extreme“, sagt Sabine Rausch-Klose. Sie ist Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur in Witten und Hattingen. Und wenn ein Mädchen mit rosa oder blauen Haaren und einem Nasen-Piercing auftauche, komme es eben darauf an, was ihr Berufsziel sei: „Im Sozialbereich, etwa in der Altenpflege, sind andere Qualitäten wichtiger. Im Verkauf oder in der Verwaltung ist das anders.“

Und im Handwerk? „Beim Zerspanungstechniker in der Fabrik gelten andere Regeln als beim Installateur, wo die alte Dame einen Schreck bekommt, wenn der Azubi mit dem Irokesen auftaucht.“ Das müssten die Berufsberater schon ansprechen - „in netter Art und Weise“. Manche Jugendliche sähen ein, dass gerade beim Vorstellungsgespräch der erste Eindruck wichtig sei, andere sagten: So bin ich. „Das wird dann manchmal problematisch.“ Andererseits sollten Bewerber sich auch nicht verkleiden. „Man kann versuchen, einen Mittelweg zu finden.“

Der Unternehmer

Wie das Netz reagiert
Firmeneinladung mit Einschränkung – Wie das Netz reagiert

Die Zoz-Gruppe aus Olpe lädt Schüler zum Symposium ein – aber nicht die mit "bunten Haaren" und "Blech im Gesicht". Viele User kritisieren das.

Für Carlo Cronenberg aus Arnsberg gibt es keine pauschale Ansage. „Es gibt Jobs, etwa im Außendienst, in denen es mehr auf die äußere Erscheinung ankommt als zum Beispiel in der EDV“, sagt er. Im Marketing oder der Grafik seien kreative Leute gefragt – und Körperschmuck könne dafür ein Anzeichen sein. Also individuell abwägen. „Ich wurde anders sozialisiert. Aber ich will ja niemanden einstellen, der so ist wie ich.“

Der Tätowierer

„Es gibt Leute, die vorsichtig sind – aber sie werden weniger.“ Das sagt Gilbert Schütz – und der muss es wissen. Schütz ist der Inhaber von „Gill’s Bodyart“, einem Tattoo- und Piercingstudio in Bad Fredeburg. Zu ihm kämen auch Menschen im Maßanzug. Polizisten, Anwälte, alles dabei. Kunden fragten ihn als Experten gezielt nach der Vereinbarkeit mit dem Job – „aber das nimmt ab“, sagt Schütz.

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Kommentare
08.03.2016
19:47
Diskussion: Wie viel "Blech im Gesicht" verträgt der Job?
von Sommerschnee | #11

Zum Glück hat der Unternehmer nichts gegen Kopftuch tragende Frauen und Mädchen.
Denn dann würden ihm von einigen Wörte wie: Rassist oder Nazi...
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2016-03-04 18:40
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