Wie eine Burbacherin das zweite Erdbeben in Nepal erlebt hat

Nach dem zweiten Erdbeben in Nepal gibt es neue Verletzte und Zerstörung. Ruinen, Trümmer, Steinhaufen. Diese Bilder bestimmen Linda Holzhausens Tage in Nepal.
Nach dem zweiten Erdbeben in Nepal gibt es neue Verletzte und Zerstörung. Ruinen, Trümmer, Steinhaufen. Diese Bilder bestimmen Linda Holzhausens Tage in Nepal.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Linda Holzhausen aus Burbach erlebt als Helferin das zweite Beben in Nepal in einem Nachbartal des Epizentrums. Wir sprachen mit ihr.

Siegen.. Um 10.53 Uhr schreibt Linda Holzhausen eine SMS: „Mir zittern ein bisschen die Knie, aber wir sind noch heil... Waren gerade im Nachbartal vom Epizentrum unterwegs, sind jetzt auf dem Weg nach Kathmandu.“ Das schreibt die 30-Jährige am Dienstag, nur wenige Stunden nach dem schweren Nachbeben in Nepal. Mit der Hilfsorganisation Humedica war die Burbacherin von Hamburg aus gestartet. Das ist jetzt anderthalb Wochen her.

Panik, als es angefangen hat zu wackeln

Am Telefon, einige Stunden nach dem Erdbeben der Stärke 7,2, klingt ihre Stimme stark, ihre Antworten kommen wegen der schlechten Verbindung etwas verzögert. Das Team war auf dem Weg nach Kathmandu, zuvor halfen sie in der Region um Jalibre. „Wir saßen gerade in einer Kneipe, haben Mittag gegessen, als es angefangen hat zu wackeln. Wir sind sofort rausgerannt“, schildert sie. Sie dachte an nichts mehr, vom Berghang fielen Steine. „Man wusste nicht mehr, wohin man rennen sollte.“

Die Verbindung knackt immer wieder, aber trotzdem ist ihre Stimme deutlich. Es war mittags, auf der Straße standen viele Menschen. Ringsherum standen Häuser und Berge, potenzielle Gefahren für herunterfallende Steine oder Trümmer. Linda Holzhausen und ihre Kollegen versammelten sich auf einem Fleck, weit weg von allem. „Sowas habe ich noch nie erlebt“, sagt sie. Zum ersten Mal bekommt sie einen Eindruck von dem Erdbeben, das Nepal vor einigen Tagen erschüttert hat. Sie kann nun nachvollziehen, wie angsteinflößend es ist, wenn die Erde wackelt, der Boden unter den Füßen bebt.

Erdbeben Zwei große und mehrere kleinere Beben habe es gegeben. Irgendwann hörte es auf. Als ihr Fahrer erklärte, dass die Straßen frei sind, machte sich das Team auf den Weg nach Kathmandu.

"Es gibt viele neue Verletzte. Wir wären viel lieber in Jalibre geblieben. Zurückzufahren wäre aber zu gefährlich“, sagt sie. Wieder knackt es etwas in der Leitung. Auf den Fahrten begleiten die junge Frau auch immer Fragen wie: Hält die Straße? Kommt mein Team heil an?

Koordination der Hilfe in Kathmandu läuft oft chaotisch ab

Das Tal um Jalibre, nahe der chinesischen Grenze, ist sehr stark betroffen. „Mit am stärksten.“ Die Gegend liegt nordöstlich von Kathmandu. Von der Hauptstadt aus wird die Hilfe koordiniert. „Das läuft oft chaotisch ab“, sagt Linda Holzhausen. Viele Teams seien nicht registriert. Das Gebiet ist in Cluster eingeteilt. So war das Team von Humedica in der Gegend von Jalibre unterwegs.

„Wir haben auf einem Dorfplatz ein großes Zelt aufgebaut, wo wir die Patienten versorgt haben, weil das Krankenhaus noch stark einsturzgefährdet war“, erzählt Linda Holzhausen. „Alle Dörfer sind zerstört.“ Ruinen, Trümmer, Steinhaufen. Diese Bilder bestimmen die Tage in Nepal. „Die Menschen haben kein Dach über dem Kopf und es regnet die ganze Zeit. Die können einem nur leid tun. Wir alle dachten, dass der Monsun erst später einsetzt“, sagt sie mit bedrückter Stimme.

Die Situation ist anstrengend. Linda Holzhausen denkt darüber nicht nach. Sie arbeitet einfach. „Ich bin froh, hier zu sein, aber auch froh, bald wieder nach Hause zu fahren.“ Sie klingt erschöpft. „Selten hatte ich das Gefühl, in Gefahr zu sein. Erst heute, da war das Gefühl plötzlich da.“


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