Wichtige Stimme der Gesellschaft

Siegen/Köln..  Der in Köln lebende Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015. Dies teilte der Stiftungsrat am Donnerstag in Frankfurt mit. Kermani sei eine der wichtigsten Stimmen in der heutigen Gesellschaft, in der Menschen mit unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft ein friedliches Miteinander finden müssten, hieß es in der Begründung für die renommierte Auszeichnung.

Jüngster Roman spielt in Siegen

Der Kermani (47), Sohn einer iranischen Arztfamilie aus Siegen, lebt seit langem in Köln. Zuletzt war er im Januar während der Siegener Bienale zu Gast im Apollo-Theater Siegen und las aus seinem autobiographischen Roman „Große Liebe“. Darin beschreibt er das Erwachen der Gefühle eines 15-Jährigen für eine Mitschülerin. Die ist 19 Jahre alt, steht kurz vor dem Abitur und wohnt in einem besetzten Haus hinter dem Siegener Bahnhof. Nebenbei jobbt sie als Kellnerin in einer nahegelegenen Kneipe. (Beide Gebäude sind inzwischen der HTS und dem Busparkplatz „zum Opfer“ gefallen.)

Im Gespräch mit Theaterintendant Magnus Reitschuster hatte Kermani anschließend unter anderem über seine Heimatstadt Siegen („Früher gehörte es zum guten Ton unter Gleichaltrigen, dass man aus Siegen wegwollte. Dieses Buch ist für mich eine Rückkehr.“) und über seine Teilnahme als Moslem am Leistungskurs Evangelische Religion („Wir, die schillerndsten Figuren unserer Stufe, wollten zusammenbleiben und gingen gemeinsam in diesen Kurs.“) gesprochen.

In seinen Sachbüchern hat sich der habilitierte Islamwissenschaftler und Muslim unter anderem mit dem Koran und der islamischen Mystik beschäftigt. Kermani berichtete auch jüngst in Reportagen aus den Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens. 2014 rief er in seiner Festrede vor dem Bundestag zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes zu einer großzügigeren Flüchtlingspolitik auf.

Kermanis Werke zeigten, „wie sehr er sich der Würde des einzelnen Menschen und dem Respekt für die verschiedenen Kulturen und Religionen verpflichtet weiß“, heißt es in der Begründung weiter. „Und wie sehr er sich für eine offene europäische Gesellschaft einsetzt, die Flüchtlingen Schutz bietet und der Menschlichkeit Raum gibt.“

Auszeichnung am 18. Oktober

Kermani, der mit einer Islamwissenschaftlerin verheiratet und Vater zweier Töchter ist, wird die Auszeichnung am 18. Oktober zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse entgegennehmen. Der seit 1950 vergebene Preis, mit 25 000 Euro dotiert, ist einer der bedeutendsten in Deutschland. Geehrt wird damit eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.