Wenn im Rathaus keiner ans Telefon geht

Zwischen den Feiertagen arbeiten viele Behörden im Notbetrieb.
Zwischen den Feiertagen arbeiten viele Behörden im Notbetrieb.
Foto: Ilka Wiese
Was wir bereits wissen
Zwischen den Feiertagen arbeiten viele Behörden im Notbetrieb. Ärgerlich, wenn man bei einer vereisten Straße keinen ans Telefon bekommt.

Siegerland..  Zwischen den Jahren sind viele Behörden nur im Notbetrieb besetzt. Zum Beispiel die Verwaltungen der Städte Siegen und Freudenberg. Das hat auch Matthias Meyer-Krügel aus Niederschelden zu spüren bekommen. Seit Samstagabend saß er in seinem Haus fest, weil der Schürfweg, eine steile Nebenstraße, vereist war. Am Montagmorgen versuchte er die Stadt zu informieren – und die Odyssee begann.

Meyer-Krügel wählt sechs Nummern im Rathaus. Entweder hört er eine Stimme vom Band oder sein Anruf wird umgeleitet. Im Bürgerbüro erreicht er endlich einen Mitarbeiter, der aber nicht zuständig ist. Kontakt stellt schließlich die Polizei her. Schließlich meldet sich auch ein Mitarbeiter vom Winterdienst und kündigt an, das die Straße im Lauf des Montags geräumt werde.

An Bedürfnissen orientieren

„Dem Winterdienst mache ich überhaupt keinen Vorwurf“, sagt Meyer-Krügel im Gespräch mit dieser Zeitung. „Mich ärgert es, dass die Stadt zwischen den Jahren den Bürgerdialog quasi komplett einstellt.“ Das bemängelt auch die Siegener FDP, die jüngst forderte, dass sich städtische Stellen an den Bedürfnissen der Bürger orientieren sollten, nicht an den Interessen der Beschäftigten.

Ob ein Betrieb oder eine Behörde am Jahresende schließt, wird zwischen Leitung und der Personalvertretung verhandelt. Nicht selten spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle, wie Verdi-Bezirksgeschäftsführer Jürgen Weiskirch weiß: Für eine Rumpfmannschaft Räume zu heizen – da könne man den Laden auch gleich ein paar Tage schließen.

Notfall-Personal für dringende Angelegenheiten wie bei Matthias Meyer-Krügel ist eigentlich in jedem Siegerländer Rathaus zu erreichen. Nicht wenige Verwaltungen sind aber weitgehend voll besetzt. In Wilnsdorf zum Beispiel wird zwischen den Feiertagen ganz normal gearbeitet. „Viele Kollegen haben sich zwar Urlaub genommen“, so Sprecherin Stefanie Gowik. „Aber alle Dienstleistungen sind verfügbar.“ Viele Bürger haben selbst Urlaub und nutzen die Gelegenheit, Behördengänge zu erledigen. „Das ist bei den Besucherzahlen im Bürgerbüro durchaus spürbar“, sagt Gowik. „Wir haben regulär geöffnet – kein Notdienst!“ Eine Frage der Bürgerfreundlichkeit.

Im Rathaus Netphen ist was los

Ähnlich sieht es im Rathaus Kreuztal aus, wo Bürgermeister Walter Kiß den Service deshalb jetzt anbieten möchte, wenn die Leute Zeit haben. Ebenfalls nicht in voller Stärke, aber alle Abteilungen besetzt, hat die Netphener Verwaltung. „Wir sind Dienstleister“, so Harald Zeeden, dann müsse der Service auch erbracht werden. „Es tut sich einiges auf dem Flur.“

In seiner Not schrieb Matthias Meyer-Krügel auch Bürgermeister Steffen Mues eine Mail – mit Durchschlag an die Presse. Der auch prompt antwortete: „Wir evaluieren regelmäßig, ob weitere Bedarfe der Öffnung in dieser Zeit bestehen. Die Schließung von vier großen Gebäuden mit Ausnahme der geöffneten Dienststellen bedeuten eine Ersparnis von mehreren tausend Euro. Darüber hinaus werden viele tausend Überstunden abgebaut.“ Der Bürgermeister-Dialog scheint also zu funktionieren.

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