Wenn Falten Geschichten erzählen

Netphen..  Fast ein Jahr hat sich Krankenschwester und Fotografin Verena Maier-Rübsamen Zeit genommen, um Senioren zu fotografieren, Männer und Frauen aus Netphen vor die Kamera zu bekommen, die zwischen 64 und 99 Jahren alt sind. Herausgekommen ist eine eindrucksvolle Ausstellung, die nun in der Volksbank eröffnet wurde.

Das älteste Modell ist inzwischen 100 Jahre alt und kam ebenfalls zur Vernissage. „Es macht viel Spaß“, versichert Elisabeth Flick. Mit den Ohren sei es nicht mehr so gut, aber die betagte alte Dame aus Dreis-Tiefenbach sieht überhaupt nicht so aus, als wäre sie zu der Zeit geboren, als der Große Krieg in Europa tobte. Nicht mal einen Rollator hat sie. „Der ist doch für alte Leute, sagt sie immer“, sagt Sohn Gerd mit einem liebevollen Blick Richtung Mutter.

Solche Geschichten sind es, die Verena Maier-Rübsamen neben den Fotos auch interessieren. Am Anfang stand ein Kontakt mit Eva Vitt, Leiterin der Senioren-Service-Stelle der Stadt, der sie ihre Idee antrug. Es gab einen öffentlichen Aufruf und viele, die sich als Models zur Verfügung stellten.

Bis „in die hintersten Ecken von Netphen“, sei sie dafür gefahren, berichtet die Künstlerin, die allein schon durch ihren Beruf viel Kontakt zu älteren Menschen hat und diese Begegnungen „einfach schön“ findet. Da hatte sie auch kein Problem, eine Stunde und mehr mit ihren Modellen zu verbringen, sich beim Kaffee ihre Erinnerungen anzuhören und dabei oder daraus entstehend ihre Fotomotive zu finden.

Warum meldet sich jemand für ein solches Projekt. „Weil ich sonst nichts besseres zu tun habe“, poltert Heinz-Herrmann Langenbach augenzwinkernd in die Runde. Außerdem könne er einer hübschen Frau doch nichts abschlagen. Was Verena Maier-Rübsamen zu seiner Freude leicht verlegen macht.

Die 37-Jährige aus Oberdielfen hatte ein Ziel: Möglichst natürlich zu fotografieren, die Lebenssituation einzufangen. Sie habe sich oft über den künstlichen Eindruck vieler Fotos geärgert und wollte etwas ganz anderes. Das ist ihr gelungen. Sie hat ihre Gesprächspartner beim Sprechen und Nachdenken eingefangen, bei zärtlichen Momenten mit den Enkeln oder auch dem Partner, einige in Farbe, überwiegend in Schwarzweiß. Künstlich wirkt so keine der Aufnahmen, es sind Bilder aus dem Leben. Die Modelle waren nur bei der Eröffnung live zu erleben, die Bilder sind bis zum 5. Juni in den Räumen des Geldinstituts zu sehen. Und die Künstlerin denkt schon über ähnliche Projekte in anderen Kommunen nach.