Wenn der Unfallwagen erkennt, dass der Fahrer müde war

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves (l.), Leiter und Gründer des CRID, und Prof. Dr. Carsten Hefeker, Direktor des FoKoS.
Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves (l.), Leiter und Gründer des CRID, und Prof. Dr. Carsten Hefeker, Direktor des FoKoS.
Foto: wp
Was wir bereits wissen
Forscher der Uni Siegen beschäftigen sich mit der Frage, wann Fortschritt im ethischen Sinn gut ist und wann eher problematisch.

Siegen..  Nächtliche Heißhunger-Attacken? Der Kühlschrank der Zukunft kann die fehlende Selbstdisziplin überlisten und die Kühlschranktür in der Nacht blockieren. Fehlt Milch? Der Kühlschrank bestellt direkt eine neue Packung.

Austausch der Forscher fördern

Ein neues Kompetenzzentrum an der Universität Siegen beschäftigt sich mit der Frage, wann Innovationen wie der neue Kühlschrank sinnvoll sind. Das Center for Responsible Innovation & Design, kurz CRID, bearbeitet ethische und gesellschaftliche Aspekte in Forschungs- und Innovationsprozessen. Gründer sind der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und das Forschungskolleg Siegen (FoKoS). Im Mittelpunkt steht die Frage, wann der Fortschritt im ethischen Sinn gut ist.

Das CRID möchte den Austausch zwischen Forschern fördern, Synergie-Potenziale heben, konkrete Unterstützung bieten und praktische Methoden in und für interdisziplinäre Forschungsprojekte entwickeln. Zu den Themen zählt unter anderem der Umgang mit sensiblen Daten, die im Zuge der Digitalisierung von intelligenten Systemen erhoben werden, zum Beispiel von Fahrassistenten im Auto.

Bei der Gründungsveranstaltung mit gut 50 Teilnehmern wurden die intelligenten Systeme in Fachvorträgen und Diskussionen zum Thema gemacht. Im Forschungsprojekt „Inemas“ geht es um die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen der nächsten Generation. Intelligente Systeme können Emotionen des Fahrers analysieren, seinen Zustand bewerten und daraus Handlungen ableiten. Ist der Fahrer nach der Arbeit gestresst und unkonzentriert, erkennt das System die Situation und bietet passende Unterstützung. Was aber, wenn solch sensible Daten über den Fahrer nach einem Unfall an die Versicherung des Wagens weitergeleitet werden könnten?

Gegen negative Folgen der Forschung

„Gerade im Rahmen der Digitalisierung sind viele Fragen entstanden. Was passiert mit meinen Daten, wie steht es um meine Privatsphäre, kann ich noch selbstständig Entscheidungen treffen?“, sagt Professor Björn Niehaves, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik sowie Leiter und Gründer des CRID. Diese Fragen müssten am Anfang eines Entwicklungsprozesses gestellt und beantwortet werden. Der Ansatz verfolgt das Ziel, negativen Auswirkungen von Forschung und Innovation vorzubeugen und ihre Chance bestmöglich zu nutzen. „Wir möchten Antworten geben auf globale Herausforderungen unter der Berücksichtigung ethischer und gesellschaftlicher Aspekte in der Forschung“, erklärt Professor Carsten Hefeker, Direktor des FoKoS.

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