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Guinness-Buch

Weltrekord mit einer Briefmarke

18.11.2010 | 19:48 Uhr
Weltrekord mit einer Briefmarke
Christian Schäfer versucht Guinness-Rekord im Eine-Meile-Briefmarkenpusten

Netphen. Der junge Mann rutscht auf Knien durch die Turnhalle und pustet eine Briefmarke vor sich her. „Wer denkt sich so was aus?“, fragt Heinz Horsthemke.

Der Richter am Siegener Landgericht mimt den Zeugen – nicht einer besonders gemeinen Bestrafung, sondern eines Rekordversuchs. Wenn Christian Schäfer die Meile in weniger als zwei Stunden bewältigt, kommt er ins Guinness-Buch der Rekorde. „Das hat noch keiner geschafft“, sagt der Kandidat.

Der 18-jährige Gymnasiast ist wettkampferfahren. In Gedächtnismeisterschaften räumt er seit Jahren ab; er wurde soeben Dritter bei der Deutschen Meisterschaft und ist aktuell Fünfter in der Weltrangliste. Die eher skurrilen Guinness-Disziplinen lagen auf dem Weg. Neulich, beim „Impossibility Challenger“ in Dachau, hat er 36 Briefumschläge in 30 Sekunden zerrissen und sich in einer Minute 207 Binärzahlen (also 1en und 0en) in der richtigen Reihenfolge gemerkt.

Auch die städtischen
Vermesser helfen mit

Dort kam er auch auf die Briefmarke: 100 Meter in drei Minuten. Die Marke mit dem Seeadler, 1991 gut für einen mit 140 Pfennigen zu frankierenden Brief, treibt Christian nun in der Sporthalle auf der Haardt vor sich hin.

„Er war mal ein guter Sprinter“, erinnert sich Marianne Schmidt, die ihn aus gemeinsamen TVE-Zeiten kennt. Jetzt fährt Christian, wenn er nicht sein Gedächtnis trainiert, Rennrad. Und deshalb ist, neben Marianne Schmidt, Steffen Janz vom RSV Osthelden als Zeitnehmer eingespannt. Komplett wird der Stab am Rande des Parcours mit Rechtsanwalt Matthias Linpinsel, dem zweiten Zeugen, und den beiden Video-Dokumentaristen. Mit der Kamera begleiten Christians Mutter Christiane Schäfer-Siegel und sein Mitschüler Florian Berner jeden Zentimeter. Guinness in London hat exakt vorgegeben, wie die „Fastest Time To Blow A Stamp“ hieb- und stichfest gemacht wird.

Vier Minuten braucht Christian an diesem „Guinness World Records Day“ für die ersten 40 Meter, fünf für die zweiten. Man beginnt hochzurechnen, ob das hinhaut mit den 120 Minuten. „Das ist ja wie auf einer Beerdigung“, wundert sich Heinz Horsthemke, „wo bleibt das Anfeuern?“ Christians Mitschüler und Lehrer harren aus Solidarität auf der Tribüne aus. „Mehr Power“, hauchen sie – wohl um die Briefmarke nicht vom Weg abzubringen.

40 Mal 40 Meter. Und dann noch einmal 9,34 Meter. Die Meile abgemessen haben Menschen, die etwas davon verstehen: Tilmann Bell von der Vermessungsabteilung der Stadt Netphen und seine Kollegin Danina Hillenhein, Bauzeichnerin im Rathaus. Christian wird langsamer. Die Knieschoner aus dem Baumarkt entlasten nur bedingt, das Training zu Hause auf dem Flur hat vielleicht nicht gereicht. Am Ende aber der Triumph: Nach einer Stunde, 57 Minuten und 38 Sekunden ist die Meile geschafft. Zweieinhalb Minuten später wäre der Traum ausgeträumt gewesen. „Das mache ich nie wieder“, stöhnt ein glücklicher Christian. Anderes ist auch wichtig. Das Abi mit Mathe- und Deutsch-Leistungskurs zum Beispiel. Dafür lässt er die Gedächtnisweltmeisterschaft sausen, verrät Christiane Schäfer-Siegel. „Sonst wären wir noch nach China gefahren.“

DerWesten


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