„...weil du nicht deutsch aussiehst“

Manuel Bauer erzählt aus seiner Vergangenheit als Neonazi. Die Schüler sind teilweise geschockt.
Manuel Bauer erzählt aus seiner Vergangenheit als Neonazi. Die Schüler sind teilweise geschockt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wo Schüler im Unterricht mitunter gelangweilt abschalten, schafft Manuel Bauer es mit Leichtigkeit, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Der Ex-Neonazi schockt mit krassen Geschichten.

Niederdielfen..  Der 36-Jährige war lange in der rechten Szene Sachsens aktiv. Um die Zehntklässler für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu sensibilisieren, hatte die Wilnsdorfer Realschule ihn am Donnerstag zu einem Präventionsvortrag eingeladen.

„Du hättest damals von mir auf die Fresse gekriegt“, sagt Manuel Bauer freundlich und zeigt dabei auf eine Schülerin. „Einfach nur weil du nicht deutsch aussiehst.“ Das Mädchen erschrickt: „Aber ich bin deutsch.“ Genau darum geht es – Vorurteile. „Nazis verbreiten Gerüchte und bauen ihre Feindbilder auf“, erklärt Bauer weiter. „Andere glauben es, weil sie dann nicht selbst nachdenken müssen.“ Zwei Stunden lang berichtet er, wie er damals in die rechte Szene geriet, wie er dort aufstieg und vor allem, wie grausam er Anderen gegenüber war.

Die Wende kam im Gefängnis

„Ich und zwei meiner Kameraden haben mal ein Pärchen überfallen“, beginnt er. „Er war Türke, die Alte deutsch – sie war schwanger.“ Damals haben sie noch an Rassenschande geglaubt. So wurde es ihnen in ihren Kameradschaftsschulungen eingetrichtert. „Meine Kollegen haben sich um den Typen gekümmert, ich hab’ die Frau ruhiggestellt“, fährt Bauer fort.

„Als ich ihr ein Bein gestellt hab’, ist sie hingefallen.“ Schüler, die bisher noch getuschelt hatten, sind plötzlich still. „Die Frau hat mich mit weit aufgerissenen Augen angesehen und den Kopf geschüttelt, sie wusste, was ich vorhatte“, sagt Bauer. Er redet nun etwas leiser als zuvor. „Dann hab’ ich ihr mit voller Wucht in den Bauch getreten.“ Schweigen. Dann entweicht dem ein oder anderen ein leises „krass“.

Nur eine von vielen Geschichten heute. Es verwundert nicht, dass Bauer irgendwann ins Gefängnis musste. Dort kam dann die Wende. Er wollte nicht mehr. Mithilfe von Exit, einem Verein, der sich um die kümmert, die aus der Szene aussteigen wollen, schaffte er den Absprung. Heute will er Leute vor dem Abdriften ins rechte Spektrum bewahren, warnt davor, wie Neonazis versuchen, junge Menschen auf ihre Seite zu ziehen.

Ein bleibender Eindruck

Bei den Schülern kommt das an. „Das mit der schwangeren Frau war krass“, sagt die 16-jährige Faouzia Malla. „Ich finde gut, dass er darüber spricht, dass es auch Neonazis gibt und nicht nur böse Muslime.“ Tim Rink ist erschrocken angesichts der vielen Straftaten, die Bauer begangen hat. „Ich find’s gut, dass er diesen Wandel geschafft hat“, sagt der 15-Jährige. Er selbst habe noch keine Erfahrungen mit Rassismus oder Neonazis gemacht.

Luisa Adam ist eher geteilter Meinung. „Einerseits habe ich Respekt, dass er den Absprung geschafft hat“, verrät die 16-Jährige. „Andererseits ist es schwierig, mir vorzustellen, dass er heute auf einmal so ist.“ Wie auch immer er ist, einen bleibenden Eindruck hat Manuel Bauer auf jeden Fall hinterlassen. Im nächsten Jahr soll er laut Schule wiederkommen.

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