Wasser für den großen Nachbarn

Beim Ortstermin der SPD stellt Dirk Müller (gelbe Weste) den Plan vor. Mit dabei ist Bürgermeister Paul Wagener.
Beim Ortstermin der SPD stellt Dirk Müller (gelbe Weste) den Plan vor. Mit dabei ist Bürgermeister Paul Wagener.
Foto: WP

Dreis-Tiefenbach..  „Vor Weihnachten“, verspricht Dirk Müller, ist die Austraße fertig. Der Geschäftsführer des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein ist vielleicht nicht der einzige, der in hochsommerlicher Hitze an kühlere Temperaturen denkt. Dabei nimmt der Trinkwasserverbrauch, bei Siegerländer Durchschnittswetter etwa 40 000 Kubikmeter am Tag, gerade erst Fahrt auf zum bisherigen Spitzenwert von über 60 000. Trinkwasser übrigens, das im Geschmackstest-Wettbewerb schon einmal mit einem der teureren Mineralwässer gleichgezogen ist.

Gebremster Baufortschritt

Doch die große Baustelle — wohl die größte, die es in Netphen gerade gibt – braucht ihre Zeit. Da ist der Fels, auf den die Bagger früher als erwartet stoßen, und da sind Leitungen, die viel weiter oben unter der Fahrbahndecke liegen, als bei der Planung angenommen wurde. Jedenfalls bleibt es nicht bei den Wasserleitungen und dem Stromkabel – auch zwei Gasleitungen werden nun nun verlegt. Telekom und Unitymedia mit ihren Leitungen schließen sich auch noch an. „Der Baufortschritt ist relativ langsam“, sagt Müller, „aber noch im Plan.“ Rechtzeitig zu Siegtal Pur jedenfalls war die Austraße zwischen Fehlingsweg und Jung-Stilling-Platz wieder befahrbar.

Eigentlich liegt es an den Siegenern, dass der ganz gewöhnliche Ausbau einer marode gewordenen Stadtstraße große Dimensionen annimmt: Der Wasserverband hat nur eine, mittlerweile 45 Jahre alte Eternitzementrohrleitung, die von der Aufbereitungsanlage in Dreis-Tiefenbach die untere Siegener Versorgungszone bedient. Sie verläuft im Hang über die Alte Burg zum ersten SVB-Hochbehälter Auf der Meinhardt. Trotz des kleinen Anstiegs sei das an der Alten Burg installierte Pumpwerk „bis zum heutigen Tag noch nicht gelaufen“, sagt Dirk Müller. Siegens Wasser kommt im freien Fall von der Obernau über Dreis-Tiefenbach zum Oberen Schloss. „Das preiswerteste Wasser, das wir haben.“

Und das bleibt es auch: Die neue Trasse verläuft von der Aufbereitung herunter zum Klärwerk (schon 2012 gebaut), durch die Austraße (jetzt in Bau) über die Siegstraße (Baubeginn wahrscheinlich 2017) auf die Meinhardt in Weidenau, wo die neue Leitung mit einem halben Meter Durchmesser sich mit der alten Transportleitung vereinigt. Weil das Wasser dort im Gefälle ankommt, wird eine Turbine zur Stromerzeugung dazwischengeschaltet. Noch keinen Zeitplan gibt es für einen möglichen weiteren Neubau von Weidenau nach Siegen. Allein in der Austraße verbauen Stadt und Wasserverband rund 1,5 Millionen Euro. Die Stadt lässt – bevor die Fahrbahn neu aufgebaut wird – ihren Abwasserkanal und die 120 Jahre alte Ortsnetz-Wasserleitung erneuern.

Eine Million Kubikmeter pro Jahr

„Schade, dass wir jetzt so zügig vorgehen mussten“, bedauert SPD-Fraktionschef Manfred Heinz beim Ortstermin seiner Fraktion — so wurde die Verkehrsbelastung für die Dreis-Tiefenbacher Ortsmitte noch verstärkt, weil die Austraße als Schleichweg seit dem Frühjahr nicht mehr zur Verfügung steht. Auch die Anwohner mussten Umwege in Kauf nehmen. Für sie wurden die Durchfahrt beim Klärwerk und eine Anbindung an die K 5 freigegeben.

„Das ist schon eine Herausforderung“, sagt Wasserverbands-Geschäftsführer Dirk Müller. Zudem eine, bei der nichts schief gehen darf: Eine Million Kubikmeter Wasser pro Jahr sind über diese Transportleitung nach Siegen zu schaffen. „Daran hängt die ganze Versorgung von Siegen.“

SPD denkt auch an den Tourismus

Dass Netphen mehr mit Wasser anfangen möchte, als es nur zu trinken, macht SPD-Fraktionschef Manfred Heinz deutlich: Wasser ist auch für den Tourismus interessant, beim Lehrpfad um die Talsperre soll es nicht bleiben.

„Wir haben auch noch andere Pläne, von denen Sie nicht so begeistert sind“sagte Heinz zu Dirk Müller. Zum Beispiel eine „Zwischenstation“ auf dem Weg von der (Trinkwasser-)Talsperre ins Hohenroth-Waldland. Dort gibt’s übrigens auch Schatten.